Moldawiens einziger Fußball-Star: Artur Ionita

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Alexandru Dedov, Petru Racu oder Igor Armas - Die Nationalmannschaft Moldawiens ist nicht gerade mit großen Namen gesegnet.

Auf einen Mann sollte das ÖFB-Team beim Auswärtsspiel in Chisinau aber trotzdem ganz besonders aufpassen: Artur Ionita.

Dem Mittelfeldspieler gelang in dieser Saison bereits auf doppelte Weise Historisches. Zunächst kürte er sich im Dress von Hellas Verona zum ersten Moldawier, der in Italiens höchster Spieklasse auflief. Danach machte er sich am 21. September gegen den FC Turin gar zum ersten moldawischen Torschützen in der Serie A.

„Ich widme den Treffer meinem Vater. Als kleiner Junge hatte ich nie alles, was ich haben wollte, mein Vater hat mich aber immer motiviert, jedes Ziel hartnäckig zu verfolgen“, erklärte Ionita nach der Partie in der „Gazzetta“. Auch das Trikot vom Turin-Spiel verwahrte er sorgsam, um es später seinem Vater zu schenken.

Er baut den Eltern ein Haus

Moldawien gilt als das „Armenhaus“ Europas. Nur rund 165 Euro beträgt das durchschnittliche Einkommen in dem vom Transnistrien-Konflikt gebeutelten Land. Als Ionita am 17.August 1990 geboren wurde, gehörte die Republik Moldau noch zur Sowjetunion.

Genauso wie die meisten anderen Menschen im ehemaligen Fürstentum wuchs der Hellas-Profi in ärmlichen Verhältnissen auf. Nur dank der bedingungslosen Unterstützung seiner Eltern konnte er die Karriere als Profi-Fußballer einschlagen.

Ionita bedankt sich dafür mittlerweile mit einem ganz besonderen Geschenk. „Meine Eltern bauen in der Nähe von Chisinau ein Haus, dafür übernehme ich alle Kosten“, erzählt der 24-Jährige.

In der Schweiz schon als Fehleinkauf bezeichnet

Dabei deutete zunächst nur wenig daraufhin, dass der Mann aus Chisinau einmal in der Serie A für Furore sorgen würde. Beim Schweizer Klub Aarau wurde er vor einigen Jahren schon als Fehleinkauf abgestempelt.

Im Alter von 18 Jahren kam er im Sommer 2009 gemeinsam mit seinem Landsmann Serghei Alexeev zum dreifachen Schweizer Meister. Ionita tat sich mit dem neuen Umfeld schwer. In seiner ersten Saison konnte der Mittelfeldspieler, der davor bei Iskra-Stali Ribnita unter Vertrag stand, nur neun Einsätze verbuchen. In der Rückrunde verzichteten die Aaarauer sogar zur Gänze auf seine Dienste.

In Verona spielt er gemeinsam mit Marquez, Toni und Saviola

Ein Sprachentalent

Bei Hellas hat sich Ionita mittlerweile gut eingelebt. Dank ihm erspart sich der Verein einen Dolmetscher. Fünf Sprachen kann er fließend. Dazu gehören neben Moldauisch, eine Umgangsform des Rumänischen, die oft verwendeten Weltsprachen Deutsch, Englisch, Russisch und Italienisch.

Trainer Andrea Mandorlini setzte nicht von Beginn weg auf Ionita, doch seit seinem Tor gegen Turin, das er zwei Minuten nach seiner Einwechslung erzielte, ist er nicht mehr aus der Stammelf wegzudenken. Zumal er im Spiel gegen Genua eine Woche später sogar einen Treffer und einen Assist nachlegte.

Ionita selbst tritt trotz des Aufstiegs auf die Euphoriebremse: „Ich habe Geduld und ich brauche noch Zeit, um zu lernen. Der italienische Fußball ist sehr schwierig. Ich habe aber lange auf diesen Moment gewartet und viel gearbeitet, um mich zu verbessern.“

Gegen Österreich läuft Ionita erstmals als Serie-A-Star im Heimatland auf. Dort wird ihm ein gebührender Empfang bereitet werden. Er kann zeigen, was er in Italien gelernt hat.

 

Jakob Faber

„Die Verpflichtung der beiden Moldawier Ionita und Alexeev war bis jetzt noch nicht sehr glücklich. Das nehme ich auf meine Kappe'', räumte der damalige Sportdirektor Fritz Hächler ein. Über Ionita schwebte der Nimbus des Fehleinkaufs. Aarau musste am Saisonende den Abstieg hinnehmen. Ein Abschied Ionitas aus der Schweiz war nur eine Frage der Zeit.

In Aarau durchgekämpft

Der hartgesottene Moldawier kämpfte sich jedoch in der Kleinstadt durch. Der Gang in die zweite Liga sollte sich als Glücksfall erweisen. Auch, weil Aarau aufgrund der gesunkenen finanziellen Mittel gezwungen war, auf junge Spieler zu setzen.

Während sein Landsmann Alexeev den Klub im Sommer 2010 verließ, entwickelte sich Ionita zum absoluten Leistungsträger. Nach drei Jahren in der Challenge League wusste er in der letzten Saison auch in der Super League zu überzeugen. Kaum ein anderer Sechser zeigte auffälligere Leistungen als er. Dazu konnte er sechs Tore erzielen.

Deswegen sicherte sich Hellas Verona bereits im Februar die Rechte am 24-Jährigen. Der Klub aus Norditalien stattete ihn mit einem Dreijahresvertrag aus. Nun darf der Junge aus Chisinau gemeinsam mit prominenten Namen wie Rafael Marquez, Javier Saviola oder Luca Toni auflaufen.

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