Kader-Analyse: Die Zeit des Neuaufbaus ist vorbei

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„Ich habe keine Lust mehr, zu warten.“

Marc Janko spricht klar und deutlich aus, was viele Beobachter des Nationalteams denken.

Jahrelang strapazierte Schlagworte wie Geduld oder Neuaufbau sollten langsam der Vergangenheit angehören.

Didi Constantini hinterlässt Neo-Teamchef Marcel Koller einen gewachsenen Kader, den Interims-Coach Willi Ruttensteiner noch um Andreas Ivanschitz ergänzt hat. Im Gegensatz zu so manchem Vorgänger, ist der Schweizer also nicht zu einem personellen Umbruch gezwungen.

Das Potenzial stimmt inzwischen, der Output bislang noch gar nicht, wie die verkorkste EM-Qualifikation gezeigt hat.

„Ich werde sicher nie das Wort in den Mund nehmen, dass man Zeit braucht. Das wird man von mir nicht hören. Jeder weiß, worum es geht. Bei der nächsten Qualifikation muss es losgehen“, fordert Janko, dass die Zeit für die Ernte der jahrelangen Aufbauarbeit reif sein müsse.

LAOLA1 analysiert ausgehend von einem 4-2-3-1-System den Status quo des ÖFB-Kaders, mit dem Koller seine Arbeit aufnimmt. Während auf der einen oder andere Position die Dichte überschaubar groß ist, bahnen sich auf anderen interessante Kämpfe um einen Platz in der Startelf an:

TOR:

Grünwald hinterließ guten Eindruck

Stammkraft: Pascal Grünwald

Herausforderer: Der Austria-Keeper erbte aufgrund von Verletzungen seiner Konkurrenz das Einser-Leiberl und ließ sich in den letzten drei Länderspielen nichts zu Schulden kommen, spielte zwei Mal sogar zu null. Wenn Jürgen Macho und Christian Gratzei wieder fit sind, werden die Karten neu gemischt. Helge Payer ist in Normalform immer ein Thema. Düsseldorf-Legionär Robert Almer und Jörg Siebenhandl lauern dahinter.

ABWEHR:

RECHTS:

Stammkraft: Ekrem Dag

Herausforderer: Ob Dag oder Florian Klein war zuletzt Geschmackssache. Bisweilen spielten auch beide, wenn Dag eine Etappe nach vor ins Mittelfeld wanderte. Spannend wird, ob Koller den ausgemusterten György Garics reaktiviert. Der Bologna-Legionär ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit. Ansonsten bieten sich rechts hinten derzeit kaum Alternativen an.

Hannover-Legionär Emanuel Pogatetz ist im Abwehrzentrum gesetzt

INNENVERTEIDGUNG:

Stammkräfte: Emanuel Pogatetz und Sebastian Prödl

Herausforderer: Wenn fit, waren die beiden Steirer zuletzt zurecht unumstritten. Blöderweise waren sie selten gleichzeitig einsatzfähig. An Alternativen mangelt es jedoch nicht: Sei es Basel-Legionär Aleksandar Dragovic, der vielseitige Franz Schiemer, der im Mittelfeld eingeplante Paul Scharner, der hoch veranlagte Youngster Christopher Dibon oder das Austria-Duo Manuel Ortlechner und Georg Margreitter. Vielleicht gelingt es Koller zudem, Martin Stranzl zu einem Comeback zu überreden. Der Gladbach-Legionär würde das Niveau noch einmal anheben.

LINKS:

Stammkraft: Christian Fuchs

Herausforderer: Der Ersatz-Kapitän ist aktuell der wohl unumstrittenste Stammspieler im ÖFB-Team. Konkurrenz ist auf seiner Position im Prinzip nicht vorhanden. Thomas Schrammel bekam schon vor seinem Kreuzbandriss keine Chance. Markus Suttner stand zuletzt auf Abruf, wurde aber noch nie ins Aufgebot nominiert. Andreas Ibertsberger müsste sich bei Hoffenheim seinen Fixplatz zurückkämpfen.

MITTELFELD:

Baumgartlinger hat sich Stammplatz erobert

DEFENSIV:

Stammkräfte: Julian Baumgartlinger und Paul Scharner

Herausforderer: Ausgehend von einer Doppel-Sechs ist das Duo aktuell gesetzt. Gegen stärkere Gegner wie Deutschland schlug sich der kampfstarke Stefan Kulovits nicht so schlecht, auch Franz Schiemer ist weiter in dieser Rolle denkbar. Die Frage ist jedoch, ob mittelfristig nicht ein spielstärkerer Typ in diese Rolle wachsen sollte – zum Beispiel der von Constantini ignorierte Christoph Leitgeb oder Veli Kavlak. Manuel Weber bekam nie eine echte Chance, dessen Sturm-Kollege Jürgen Säumel könnte bei entsprechender Spielpraxis wieder zum Thema werden. Alexander Grünwald macht bei der Austria keine schlechte Figur.  Yasin Pehlivan muss sich erst bei Gaziantepspor durchsetzen. Auch David Alaba kann im Zentrum agieren, war zuletzt jedoch am Flügel effektiver.

David Alaba ist aus der ÖFB-Startelf nicht mehr wegzudenken

OFFENSIV:

Stammkräfte: David Alaba, Andreas Ivanschitz und Martin Harnik

Herausforderer: Mit der Rückkehr von Ivanschitz werden die Karten neu gemischt. Vorteil: Die meisten rot-weiß-roten Offensivkräfte sind auf mehreren Positionen einsetzbar. In Aserbaidschan und Kasachstan mussten etwa Ivanschitz (links statt zentral) und Alaba (rechts statt links) ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen, um zentral Platz für Marko Arnautovic zu schaffen. Der Werder-Legionär hat vom Können her einen Anspruch auf einen Stammplatz, muss sein Potenzial im ÖFB-Dress jedoch konstanter abrufen und sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Die ersten Nachrücker sind derzeit Zlatko Junuzovic (auf beiden Flügeln und als Zehner einsetzbar) sowie Daniel Royer (kann links und rechts spielen). Jakob Jantscher und Ümit Korkmaz haben während der EM-Qualifikation an Terrain verloren, ebenso wie Daniel Beichler nach seinem verkorksten Auslandsjahr. Bundesliga-Spieler wie Christopher Trimmel, Christopher Drazan oder Andreas Hölzl müssen sich zurzeit hinten anstellen.

ANGRIFF:

Janko stürmte zuletzt mit Arnautovic

Stammkraft: Marc Janko

Herausforderer: Beim Kapitän herrscht nach dem Constantini-Abschied wieder Aufbruchstimmung. Es wird eine zentrale Aufgabe Kollers sein, den torgefährlichsten ÖFB-Stürmer geschickt ins Spiel einzubauen. Stefan Maierhofer wird eine Alternative bleiben, ebenso wie Jimmy Hoffer, wenn ein pfeilschneller Angreifer gefragt ist.  Der Frankfurt-Legionär bräuchte jedoch mehr Erfolgserlebnisse bei seinem Arbeitgeber. Arnautovic ist an vorderster Front ebenfalls denkbar. „Team-Baby“ Philipp Hosiner hinterließ bei seiner ersten Einberufung einen guten Eindruck. Man darf gespant sein, ob und wie Koller mit Stürmern mit Näschen für Bundesliga-Tore wie Roland Linz, Roman Kienast oder Roman Wallner plant.

Peter Altmann

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