"Natürlich macht ein Formtief nie wirklich Freude"

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Ein bestimmendes Thema in den Vorbereitungs-Tagen im Hinblick auf das Moldawien-Spiel war, dass das ÖFB-Team ein idealer Ort für jene Legionäre ist, die bei ihren Vereinen keine leichte Zeit durchleben.

Nun ist es einerseits ein begrüßenswerter Zustand, dass das Nationalteam eine Wohlfühl-Oase ist und die Spieler glaubhaft gerne anreisen, andererseits ist es natürlich überschaubar wünschenswert, wenn diverse Leistungsträger mit sich selbst beschäftigt sind.

Mit Marko Arnautovic, Martin Harnik und Zlatko Junuzovic zählt gleich die komplette etatmäßige Dreierreihe hinter der Solo-Spitze zu den „Sorgenkindern“ – und auf diese Offensivkräfte wird es in Chisinau naturgemäß besonders ankommen.

„Vom Kopf her ist es entspannter, dass man einmal wegkommt“

Wobei zumindest bei Junuzovic weniger die eigenen Performances Fragezeichen aufwerfen, sondern der Umstand, dass er mit seinem Arbeitgeber Werder Bremen in der deutschen Bundesliga auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht ist.

„Vom Kopf her ist es entspannter, dass man einmal wegkommt, etwas anderes sieht und nicht immer vom Negativen beeinflusst wird“, weiß der 27-Jährige die rot-weiß-rote Ablenkung zu schätzen.

Die letzten Spiele mit den noch sieglosen Bremern seien bitter gewesen. Da helfe es nur wenig, dass er selbst gut drauf ist: „Wenn man Letzter ist, bringt einem das nicht so viel, man kann das Ganze nicht genießen. Wenn man da unten drinnen hängt, ist das für jeden eine schwierige Situation. Trotzdem muss man immer probieren, das Beste herauszuholen. Wir dürfen uns nicht in einen Negativstrudel hineintheatern.“

Auch aufgrund der aktuellen Krise schiebt Junuzovic die Entscheidung über seine Zukunft – sein Vertrag läuft im Sommer 2015 aus – hinaus. Derzeit würde er keine Gespräche führen: „Wir schauen, dass wir uns da sportlich rausreißen. Ich werde mit meiner Entscheidung bis zum Winter warten. Ich habe auch gesagt, dass ich mich nur auf den Fußball konzentrieren will. Wir sind sowieso in einer Situation, in der eine Ablenkung nicht gut tun würde.“

„Ich bin wieder zurück“

Während der ÖFB-Zehner bei Werder unumstritten ist, müssen Harnik und Arnautovic aktuell bei ihren Arbeitgebern um ihre Plätze in der Startelf kämpfen.

Arnautovic stand zuletzt bei Stoke City wieder von Anfang an auf dem Platz, fand sich zuvor jedoch einige Spiele auf der Bank wieder, zwei Mal wurde er nicht einmal eingewechselt.

Woran dies gelegen habe, wisse er nicht: „Keine Ahnung. Der Trainer hatte scheinbar eine andere Idee. Ich muss das akzeptieren, aber ich denke, ich bin wieder zurück. In den letzten beiden Spielen habe ich wieder gespielt. Es ist alles okay.“

Es könne immer mal vorkommen, dass man nur auf der Bank sitze. „Und wenn das länger der Fall ist, ist es halt so. Aber der Trainer hat mir keinen Grund genannt, warum ich nicht gespielt habe. Wegen meiner Leistung kann es, glaube ich, also nicht sein“, betont der Wiener.

Eine Meinung, die der Premier-League-Legionär mit Harnik teilt. Dieser gab zwar zu, dass er erst einmal auf der Landkarte nachschauen musste, wo Moldawien genau liegt, über die fußballerischen Qualitäten des Gegners wisse man inzwischen jedoch sehr gut Bescheid.

„Das ist sicherlich keine leichte Aufgabe, auch wenn sie auf dem Papier unscheinbar ausschaut. Das wird eine harte Nuss, die wir aber knacken wollen“, so der 43-fache A-Teamspieler.

„Hier steht wirklich der Fußball an allererster Stelle“

Wobei man davon ausgehen müsse, dass auch Moldawien gerne den Sieg mitnehmen würde: „Sie werden nichts herschenken, deswegen wird es ein schöner Fight. Es ist ein kleines, kompaktes Stadion, in dem schnell gute Stimmung aufkommen kann. Wir müssen uns auf einiges vorbereiten, sind aber gut gewappnet.“

Hauptgrund für Harniks Optimismus ist die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit, inzwischen würde man „abgezockter“ spielen. Auch das ist Erfahrungssache. Wie der Weg aus einem Formtief. Im ÖFB-Dress möchte sich der Rechtsaußen von den Problemen in Stuttgart jedenfalls nichts anmerken lassen:

„Mir wird Vertrauen entgegen gebracht – nicht nur vom Trainer, sondern auch von der Mannschaft. Es macht einfach Spaß, hier zu spielen, hier steht wirklich Fußball an allererster Stelle. Der Druck ist sicherlich da, aber es ist ein anderer als in Stuttgart. Deswegen ist es immer eine schöne Zeit hier.“

Hoffentlich auch eine erfolgreiche. Denn dann würde sich die Wohlfühl-Oase erst recht bezahlt machen…


Peter Altmann

Harniks „logisches“ Tal

Bei Harnik wiederum spielen sehr wohl leistungstechnische Gründe eine Rolle, warum ihn Coach Armin Veh beim VfB Stuttgart zuletzt zwei Mal 90 Minuten lang auf der Bank ließ, ehe er am vergangenen Spieltag gegen die Hertha zumindest in der Schlussphase ran durfte.

„Bei mir persönlich denke ich, ist es ganz logisch, dass ich auch einmal in ein Tal hineinfalle, wenn ich die Hälfte der Vorbereitung verpasst habe. Da kämpfe ich mich gerade hinaus, und ich bin guter Dinge, dass es jetzt nicht nur für mich, sondern für den ganzen Verein wieder bergauf geht.“

Auch der VfB erwischte nicht gerade einen Traumstart und rangiert mit fünf Punkten aus sieben Runden nur auf Platz 16. Dank seiner Erfahrung wirkt der mittlerweile 27-Jährige jedoch einigermaßen gelassen, dass er die persönliche Durststrecke möglichst rasch abschütteln kann:

„Das ist ja das, was Erfahrung ausmacht. Natürlich macht es nie wirklich Freude, auf der Bank zu sitzen oder ein Formtief zu durchleben. Aber man kommt gestärkt aus solchen Phasen heraus, und das ist – leider – ja auch nicht mein erstes Formtief. Ich bin schon aus vielen herausgekommen und deswegen bin ich guter Dinge, dass ich auch dieses wieder überstehen werde.“

Koller: „Ich habe keine Angst um ihn“

Ein überzeugender Auftritt in Moldawien wäre ein guter Anfang. Teamchef Marcel Koller wirkt jedenfalls nicht wirklich besorgt, was das Leistungsvermögen seiner Stammkräfte betrifft:

„Bei Harnik ist es so, dass das immer mal wieder der Fall sein kann. Wenn du in der deutschen Bundesliga spielst, besteht der Kader nicht nur aus elf Mann, sondern ist die Konkurrenz groß. Ich habe keine Angst um ihn, weil er das schon mal erlebt und sich auch zurückgekämpft hat. Er weiß, dass er wieder Gas geben muss, um ins Team zu kommen.“

Dies habe Arnautovic bereits geschafft: „Er hat die letzten Spiele gespielt und ist daher in einem guten Rhythmus. Wenn man im Ausland ist, ist es eben wegen des großen Konkurrenzkampfs nicht selbstverständlich, dass man immer spielt. Da sitzt man manchmal auch auf der Bank.“

Davon, dass das Trio in Chisinau auf der Bank sitzen wird, ist freilich nicht auszugehen, zumindest wäre es eine Überraschung. Arnautovic etwa ist mit 21 Länderspielen der Rekordhalter in der Koller-Ära, verpasste unter der Anleitung des Schweizers nur zwei Matches.

„Eine harte Nuss, die wir aber knacken wollen“

Bei jenem in Moldawien will er den Gegner keinesfalls unterschätzen. Als Kontrahenten, den man besiegen muss, möchte er die Südosteuropäer nicht einschätzen:

„Das ist leicht gesagt, wenn man nicht auf dem Platz steht, dass man diesen Gegner schlagen muss, nur weil sie 105. in der Weltrangliste sind. Das stimmt überhaupt nicht. Heutzutage kann im Fußball jeder jeden schlagen und wir müssen hier verdammt aufpassen. Wir müssen 110 Prozent geben, dann können wir das Spiel für uns entscheiden. Aber wenn wir glauben, dass wir einfach mal so im Vorbeigehen die drei Punkte mitnehmen, dann haben sich alle getäuscht.“

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