Zeitreise mit Johann K.: Von Cordoba bis "AufSchalke"

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"Tooooor, Tooooor, Tooooor, Tooooor, Tooooor, Tooooor! I wer narrisch, Krankl schießt ein. 3:2 für Österreich!"

Die Worte von Radio-Legende Edi Finger sind unvergessen, sorgen bei Fußball-Fans noch heute für Gänsehaut. Vor allem dann, wenn es gegen Deutschland geht.

Wir schreiben den 21. Juni 1978, Österreich schlägt Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Argentinien mit 3:2. Der "Mythos Cordoba" wird geboren, Hans Krankl macht es mit seinem Doppelpack möglich.

Als TV-Zuschauer dabei

33 Jahre später, wir sind zurück in der Gegenwart. Wieder wartet Deutschland, diesmal auswärts in Gelsenkirchen und in der EM-Qualifikation.

Hans Krankl, der Held von damals, wird sich das "Spiel der Spiele" am Freitag daheim im Fernsehen anschauen.

Mit Expertenblick und für seine Kolumne bei einer Tageszeitung.

"Ich will meine Ruhe!"

Interviews vor dem Spiel wollte der 58-Jährige, der ab 12. Septemer als Testimonial für den TV-Sender "sky" von Plakatwänden und aus Zeitungen lachen wird, nicht geben.

"Ich will meine Ruhe!" Vor allem aus Deutschland gab es viele Anfragen.

Für LAOLA1 hat der "Goleador" eine Ausnahme gemacht.

Exklusiv spricht Johann K. über seine Erwartungen an das "Spiel der Spiele", erklärt, warum die heutige Generation zurecht auf Cordoba pfeift und was er von Marko Arnautovic hält.

LAOLA1: Herr Krankl, wie groß ist bei Ihnen die Vorfreude auf das Duell mit Deutschland?

Hans Krankl: Ich will meine Ruhe haben, bin deshalb dem ganzen Trubel aus dem Weg gegangen. Mir geht das ein bisserl auf die Nerven, wenn immer wieder alles aufgewärmt wird. Anfragen für Interviews gab es viele, vor allem aus Deutschland, aber ich habe allen abgesagt.

LAOLA1: Warum das?

Krankl: Wie schon gesagt: Mir geht dieser Hype, der da vor jedem Duell mit Deutschland gemacht wird, einfach auf die Nerven. Ich will darüber nicht mehr reden!

LAOLA1: Aber der 21. Juni 1978, der Doppelpack gegen Deutschland beim 3:2-Sieg in Cordoba, hat Sie zur österreichischen Sport-Legende gemacht?

Krankl: Das war ohne Frage einer der größten Tage in der Geschichte des österreichischen Fußballs, ein Stück Sport-Geschichte von der wahrscheinlich besten Nationalmannschaft, die wir je gehabt haben und haben werden. Das ist es, nicht mehr und auch nicht weniger.

LAOLA1: So bescheiden müssen Sie aber nicht sein.

Krankl: Das hat mit Bescheidenheit nichts zu tun. Aber es war nicht einer, also ich mit meinen zwei Toren, sondern eben die ganze Mannschaft, die das möglich gemacht hat.

LAOLA1: Verstehen Sie die jungen Spieler, die heutige Generation, die von Cordoba nichts mehr wissen will?

Krankl: Sie haben vollkommen Recht. Cordoba ist Sport-Geschichte, das hat mit dem heutigen Fußball nichts zu tun. So wie Franz Klammer in Innsbruck Olympiasieger wurde oder Niki Lauda Formel-1-Weltmeister. Das sind große Tage für das kleine Österreich. Aber heute ist eine andere Zeit, da reden wir über andere Dinge.

LAOLA1: Zum Beispiel über das Duell mit Deutschland am Freitag: Darf man als Österreicher von einem Sieg träumen?

Krankl: Träumen schon, aber mehr nicht. Der Gegner ist besser als wir. Unsere Chancen sind bescheiden und liegen darin, dass wir keine haben.

LAOLA1: Im Fußballer-Lied „Der Opitz und der Zwirschina“, das sie vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Herbert Prohaska zum Besten gegeben haben, singen Sie, dass es die erste Bürgerpflicht ist, den Fußball zu unterstützen. Zuletzt gab es aber Liebesentzug für das Nationalteam von den Fans.

Krankl: Ich sehe nicht, dass die Fans der Nationalmannschaft den Rücken kehren. Sie sind tadellos und unterstützen das Team so gut es geht. Pfiffe gibt es überall im Fußball, auch bei der Nationalmannschaft.

LAOLA1: Sie haben vor einiger Zeit in einem Interview Marko Arnautovic „angepfiffen“, weil er viel Lärm um wenig Leistung macht. Wie sehen Sie den vermeintlichen Hoffnungsträger heute?

Krankl: Wenn er gut ist, soll er spielen. Wenn er spielt und Leistung zeigt, werden alle froh sein, dass wir so einen Spieler haben. Aber bis jetzt hat er noch nicht oft Leistung gezeigt.

LAOLA1: Marc Janko trifft bei seinen Vereinen alles und immer, im Nationalteam wartet er seit fast zwei Jahren auf ein Tor. Welchen Tipp hat der „Goleador“?

Krankl: Der braucht keine Tipps von mir. Er ist ein sehr guter Spieler, der im Nationalteam einfach das rüberbringen muss, was er auch beim Klub zeigt. Aber dort ist das Spiel auch ganz anders auf ihn zugeschnitten, im Nationalteam müsste die Mannschaft auch für ihn spielen und ihm helfen, damit er eine gute Leistung bringt. Es liegt nicht nur an ihm.

LAOLA1: Das Nationalteam hat 2011 fünf von sechs Länderspielen verloren. Wie sehr schmerzt Sie das, Herr Krankl?

Krankl: Die letzten Spiele waren sehr schlecht und nicht gut für uns. Manchmal haben wir zwar gut gespielt, aber trotzdem verloren. Es ist eine schlechte Serie, die gestoppt werden muss. Weil Niederlagen machen angreifbar, geben kein Selbstvertrauen, das man als Fußballer aber braucht.

LAOLA1: Anders als Teamchef Didi Constantini sind viele Fans der Meinung, dass Andreas Ivanschitz der Mannschaft entscheidend helfen könnte. Was glauben Sie?

Krankl: Ich bin nicht Teamchef, deshalb ist es wurscht, was ich glaube. Aber wenn der Andi in Form ist, ist er aus meiner Sicht sicher ein Kandidat für die Nationalmannschaft.

LAOLA1: Constantini steht seit Monaten in der Kritik, Sie waren selbst Teamchef: Ist das der schwierigste Trainer-Job in diesem Land?

Krankl: Ob es der schwierigste ist, weiß ich nicht. Aber definitiv einer der schwierigsten. Du betreust die Auswahl eines Landes und hast in Österreich drei, vier Millionen Teamchefs gegen dich, die ihre eigene Mannschaft sehen wollen. Da wird es immer Diskrepanzen geben, auch wenn du nach bestem Wissen und Gewissen aufstellst.

LAOLA1: Nach der verpassten EM-Qualifikation wird Constantini wohl Geschichte sein und Österreich wieder einen neuen Teamchef brauchen?

Krankl: Schlussendlich ist ein Trainer abhängig von den Resultaten. Das ist es, was zählt. Wenn du als Trainer oder Teamchef keine Resultate bringst, wirst du über kurz oder lang ausgetauscht. Egal, wie gut du beim Verein oder bei der Nationalmannschaft arbeitest, das wird auf der ganzen Welt niemals honoriert. Damit muss jeder Trainer leben!

LAOLA1: Ist für Sie das Kapitel Fußball-Trainer abgeschlossen?

Krankl: Ich denke ja. Ich habe nicht ein Angebot, das mich interessiert. Und ich bin auch nicht neugierig darauf, irgendeinen Kollegen abzulösen und darauf zu warten, bis der seinen Job verliert. Mein Ziel ist es nicht mehr, Trainer zu sein, ich mag eigentlich nicht mehr. Außer es ergibt sich etwas, wo ich nicht nein sagen kann. Weil, wenn ich was im Fußball gelernt habe, dann: Sag niemals nie!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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