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Taktik-Analyse: Es fehlte an Breite

Mit einem 0:0 in Kasachstan beendet das ÖFB-Team eine verpatzte EM-Qualifikation.

Österreich konnte den Schwung aus dem 4:1-Sieg gegen Aserbaidschan nur teilweise mitnehmen. 

Die taktischen Probleme lagen dabei vor allem an den Flanken:

Forechecking auf beiden Seiten in der ersten Hälfte

Willi Ruttensteiner schickte bis auf eine Position die gleiche Startelf auf den Kunstrasen der Astana-Arena, wie am Freitag gegen Aserbaidschan. Nur Kulovits rückte für den gesperrten Baumgartlinger in die Mannschaft. Ganz im Gegensatz dazu Kasachstan: Trainer Miroslav Beranek veränderte sein Team gegenüber der letzten Partie gegen Belgien gleich an acht Positionen. Laut ÖFB-Teamchef Willi Ruttensteiner schonte der tschechische Ex-Assistent von Karel Brückner einige seiner Spieler gegen Belgien extra für die Partie gegen das ÖFB-Team.

Die Kasachen spielten ein 4-1-4-1-System, das das 4-2-3-1 der Ruttensteiner-Elf spiegelte. Arnautovic wurde so gut es ging vom kasachichen Kapitän Nurdauletov übernommen, Gridin und Khayrullin setzten die österreichischen Sechser Kulovits und Scharner unter Druck. Überhaupt brachten die Kasachen das ÖFB-Team immer wieder mit gutem Forechecking in Bedrängnis. Während Dragovic und Prödl das Spiel gegen Aserbaidschan relativ ruhig aufbauen konnten, mussten sie diesmal aufgrund des guten Angriffspressing mehr hohe Pässe nach vorne schlagen.

So entwickelte sich in der ersten Hälfte ein offener Schlagabtausch. Beide Mannschaften attackierten früh. Kasachstan wurde zu Beginn fast ausschließlich über die linke Seite und Greuther-Fürth-Legionär Schmidthgal gefährlich. Dafür schoben auch Solospitze Ostapenko und der offensivste der drei Mittelfeldspieler, Gridin, nach links. Die 194 cm große Nummer 17 der Zentralasiaten hatte sowieso einige Spezialaufgaben zu erledigen. Er spielte in der Rückwärtsbewegung einen zentralen Mittelfeldspieler, in der Offensive jedoch einen klassischen Stürmer. So war es auch Gridin, der in der zweiten Hälfte nach einer Flanke von Außenverteidiger Gorman an die Latte köpfelte.

Es fehlt an Breite

Im Vergleich zur Partie in Baku legte Österreich das Spiel ein wenig anders an. So übernahm diesmal Dag den offensiveren Part der Außenverteidiger. Von Fuchs war besonders in der ersten Hälfte wenig zu sehen (siehe LAOLA1-Einzelbewertung). Zudem zog es Alaba noch mehr in die Mitte als in Baku. Diese Tatsache führt uns zum taktischen Hauptproblem der Österreicher: die Raumaufteilung.

Da sowohl der Bayern-Legionär als auch Ivanschitz sehr aktiv ins Zentrum drängten, wurde das Spielfeld unnötig eng gemacht. Die meisten österreichischen Angriffe versandeten - auch aufgrund vieler unnötiger Ballverluste - irgendwo vor dem Strafraum. Kam dennoch einmal ein öffnender Pass auf die Außen, scheiterte es zumeist an der Qualität der Flanken. ÖFB-Solospitze Janko kann ein Lied davon singen, weder ein gefährlicher Pass, noch ein hoher Ball, den er verwerten hätte können.

Das Problem der fehlenden Breite im österreichischen Spiel zeigt folgende Grafik. Während sich die Offensiv-Kräfte in der Mitte festliefen (weiß hinterlegt), wurden die Räume an den Außen kaum genutzt (rot hinterlegt).

Pressing funktioniert nicht, Wechsel verpuffen

Im Spiel gegen Aserbaidschan erzielte Österreich durch gutes Pressing nach Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ein Tor (das 2:0 durch Janko). In der zweiten Hälfte gegen Kasachstan kam diese vermeintliche Stärke des ÖFB-Teams aber nur selten zur Anwendung. Das Mittelfeld attackierte zu zögerlich, sodass die Kasachen ungestört ihre Konterangriffe fahren konnten. Dies führte zu einer kurzen Drangphase der Gastgeber Mitte der zweiten Hälfte.

Genau zu diesem Zeitpunkt tätigte Ruttensteiner seine ersten Wechsel: In der 68. Minute kam Junuzovic für den blassen Ivanschitz. Sieben Minuten später nahm der Oberösterreicher Baumgartlinger-Ersatz Kulovits vom Feld. Der Rapidler strahlte im Vergleich zum Mainz-Legionär weniger Ballsicherheit aus, was dem ohnehin schon wackeligen Spielaufbau der Österreicher nicht gerade förderlich war. Mit Kavlak ersetze ihn ein stärkerer Techniker, der dem ÖFB-Team mit seinem durchdachten Passspiel vielleicht schon von der ersten Minute an gut getan hätte.

Letztendlich bewirkte die Kavlak-Hereinnahme in einer hektischen Schlussphase jedoch nur noch wenig. Genauso verpuffte auch die Einwechslung von Maierhofer, der in der Vorwärtsbewegung einige Bälle verstolperte. Ruttensteiners Taktik für die letzten Minuten, die beiden großgewachsenen Stürmer mit langen Bällen zu füttern, ging überhaupt nicht auf.

Fazit: Ein für beide Seiten verdientes Remis

Letztendlich ist das Unentschieden ein verdientes Resultat. Das ÖFB-Team lief sich in der Mitte fest, während die Flügeln trotz einiger Dag-Vorstöße verwaisten. Janko wurde im Sturmzentrum kaum mit Pässen oder Flanken gefüttert. Im Vergleich zum Aserbaidschan-Spiel lief der Ball insgesamt nicht so flüssig durch die eigenen Reihen. Auch weil die Kasachen besser dagegen hielten und früher attackierten.

"Das Kombinationsspiel war heute nicht so wie gewünscht. Das ist an Bewegungsfehlern und technisch-taktischen Fehlern gelegen. Wenn dann einzelne Spieler nicht ihren besten Tag haben und man die Chancen nicht verwertet, wird es schwierig, so ein Spiel zu gewinnen", resümierte Ruttensteiner nach dem Spiel. Der Interims-Teamchef konnte zwar mit seinen Einwechslungen nichts bewirken, doch mit diesen beiden Spielen und der Vorbereitung darauf schaffte er einen soliden Grundstock für die Arbeit von Marcel Koller. Schließlich konstatiert Ersatzkapitän Fuchs: "Ich denke, dass wir den Weg beibehalten müssen. Das hat alles Hand und Fuß und es ist eine Handschrift zu erkennen."

Jakob Faber

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