"Bei Analyse wurde es ein bisschen emotionaler"

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„Ich hatte vor, System und Spielanlage im Vergleich zum Aserbaidschan-Spiel nicht zu verändern. Wir haben es dort gut umgesetzt. Warum also etwas ändern?“

Wäre nur der gesperrte Julian Baumgartlinger im defensiven Mittelfeld zu ersetzen gewesen, hätte Willi Ruttensteiner diesen Plan problemlos durchziehen können.

Nun könnte eine neue Personalie diese Vorgehensweise über den Haufen werfen. Denn mit Paul Scharner droht auch Baumgartlingers Nebenmann für das abschließende EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan auszufallen.

Der West-Bromwich-Legionär zog sich bei der sonntäglichen Übungseinheit in der „Astana Arena“ eine leichte Knieverletzung zu und ist für das Abschlusstraining kein Thema. Über einen Einsatz wird erst am Matchtag entschieden werden.

Umbau bei Scharner-Ausfall

„Er ist bei einem Zweikampf auf das Knie gefallen. Er gibt immer 100 Prozent, das geht bei ihm nicht anders. Dadurch ist ein Band neben dem Seitenband beleidigt“, erklärt Ruttensteiner, der nun der Dinge harren muss.

Denn fällt Scharner aus, könnte entgegen seiner Vorstellungen ein größerer Umbau der Mannschaft notwendig sein, die am Freitag in Baku als 4:1-Sieger vom Platz gegangen ist.

Ruttensteiner: „Ich hoffe, die medizinische Abteilung bekommt ihn fit. Denn wenn uns auch der zweite Sechser ausfällt, müssten wir die Mannschaft gewaltig verändern.“

Geht man davon aus, dass der West-Bromwich-Legionär auflaufen kann, ergeben sich drei Varianten, wer für Baumgartlinger in die Startelf rücken kann.

Fehler-Analyse mit Arnautovic

Wird der Mainz-Kicker eins zu eins ersetzt, nennt Ruttensteiner Veli Kavlak und Stefan Kulovits. Der 48-Jährige hat aber auch die Überlegung, Platz für Zlatko Junuzovic zu schaffen. Dann würde David Alaba vom Flügel ins Zentrum zu rücken.

Kavlak hat übrigens schon beim 2:0-Zittersieg im Heimspiel gegen die Kasachen im Zentrum gespielt. Der frühere Rapidler agiert auch bei Arbeitgeber Besiktas in dieser Rolle, für ihn sprechen zudem auf dem schnellen Kunstrasen seine technischen Qualitäten.

Ansonsten ist kaum mit Umstellungen zu rechnen. Auch Marko Arnautovic, mit dessen Leistung der Interims-Teamchef in Baku nicht glücklich war, dürfte wieder von Beginn an auflaufen.

„Andreas Ivanschitz habe ich ausgetauscht, weil ich ihn schonen wollte. Er ist topfit, man muss seinem Trainer Thomas Tuchel ein Kompliment machen, er ist deutlich besser beieinander als vor Jahren. Marko Arnautovic habe ich jedoch ausgetauscht, weil ich nicht zufrieden war. Es geht aber nicht darum, ihn zu disziplinieren, sondern seine Leistung mit ihm zu analysieren und zu besprechen, was gut und was schlecht war“, verdeutlicht Ruttensteiner.

„Fähigkeit zur Selbstkritik imponiert mir“

Der Oberösterreicher will die richtige Antwort des Bremen-Legionärs bemerkt haben: „ Er war über die Auswechslung natürlich enttäuscht, aber seine Reaktion im Training hat mir gefallen. Er hat gezeigt, dass er unbedingt im Team stehen will.“

Fehler-Analyse ist ein gutes Stichwort. Das ÖFB-Team vermittelt aktuell nicht den Eindruck, sich auf den Lorbeeren des ersten Auswärtssiegs seit fünf Jahren auszuruhen.

Schon in der Nachbetrachtung des Aserbaidschan-Spiels gingen die rot-weiß-roten Kicker teilweise recht streng mit sich ins Gericht. „Diese Fähigkeit zur Selbstkritik imponiert mir. Die Fehler wurden klar angesprochen“, lobt Ruttensteiner.

Zu wenige Flanken

Und zwar nicht nur vom Trainer-Team angesprochen, auch die Spieler hätten intensiv mitdiskutiert. „Es herrschte nicht nur gute Gesprächskultur, sondern manchmal wurde es auch ein bisschen emotionaler. Es taugt mir, wie sich manche Spieler einbringen.“

Ein Thema dürfte zum Beispiel gewesen sein, dass in Baku relativ wenig Flanken geschlagen wurden, was Kapitän Marc Janko monierte.

„Marc hat Recht, man braucht sich ja nur die Zahl der Flanken, die wir geschlagen haben, anzuschauen. Jetzt gilt es in der Analyse herauszufinden, was der Grund war. Lag es daran, dass die Außenverteidiger zu wenig Druck nach vor gemacht haben? Oder hätten sich die Außenspieler im Mittelfeld breiter positionieren müssen?“, befindet sich Ruttensteiner auf Fehlersuche.

„Haben erst 50 Prozent der Zielsetzung erreicht“

Grundsätzlich glaubt der hauptamtliche Sportdirektor, dass die verstärkt angebotene Möglichkeit auf Feedback durch Videoanalyse gut angenommen wird, die Spieler entsprechendes Interesse zeigen:

„Wir versuchen durch die Bilder zu veranschaulichen, was der eine oder andere Spieler richtig oder auch nicht richtig gemacht hat. Wir wollen zeigen, wo man noch präsenter sein kann.“

Alles in allem geht es Ruttensteiner darum, das Konzentrationslevel hoch zu halten. Denn alleine mit dem 4:1 in Aserbaidschan ist die Asien-Dienstreise des ÖFB kein Erfolg.

„Wir haben erst 50 Prozent unserer Zielsetzung erreicht. Wir wollen natürlich auch Kasachstan besiegen. Dafür müssen Respekt und Konzentration gegeben sein, sonst gibt es für uns nichts zu gewinnen. Aber die Spieler sind Profis genug, dass sie diese Konzentration an den Tag leben werden.“

Peter Altmann

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