Der heimliche Denker und Lenker

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"Man reift als Mensch, sammelt neue Eindrücke"

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Nach Kasachstan ist vor Kasachstan.

Veli Kavlak gehörte bei der Nullnummer in Astana noch zu den auffälligsten Spielern im rot-weiß-roten Dress.

Wie schon im Test gegen die Türkei und im ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland zog der Wiener im Mittelfeld die Fäden.

Als „Sechser“ war er Denker und Lenker in Personalunion. Dabei rutschte der Besiktas-Legionär zuletzt erst aufgrund der Verletzung von David Alaba in die Startformation.

Nach der Rückkehr des Bayern-Legionärs (Alle Infos) werden die Karten jedoch neu gemischt. Sollte Alaba  beim „Rückspiel“  tatsächlich von Beginn an auflaufen, müsste einer aus dem Duo Baumgartlinger/Kavlak Platz machen.

Großer Konkurrenz-Kampf

„Es ist eine große Konkurrenz im Team, weil sehr gute Spieler im Kader stehen. Fast alle spielen im Ausland und bringen dort ihre Leistung. Ich habe meine Chance zuletzt bekommen und versucht, sie so gut wie möglich zu nützen. Im Fußball geht es aber bekanntlich sehr schnell. Man darf sich nicht ausruhen, muss immer auf der Hut sein. Ich werde weiter Gas geben. Jeder hat die Berechtigung zu spielen. Man kann nicht sagen: Mit dem und dem beziehungsweise so oder so ist es besser. Jeder versucht im Dienste der Mannschaft seine Leistung zu bringen“, betrachtet  Kavlak die Situation bei LAOLA1 gelassen.

Wer schlussendlich zum Zug kommt, sei sowieso Sache des Teamchefs. Der 23-Jährige ist jedenfalls froh, dass Alaba zurück im Team ist.

„Wir sind glücklich, dass David da ist. Das Wichtigste ist, dass er fit ist. Es ist einfach toll, wenn so ein Spieler zurückkehrt. Wer spielt, wird sich zeigen. Wichtig ist, dass die gesamte Mannschaft harmoniert.“

Kavlak kennt seine Rolle

Apropos Harmonie. Kavlak ist es grundsätzlich egal, mit wem er die Doppel-Sechs-Rolle ausübt. Die Position im defensiven Mittelfeld müsse sowieso situationsbedingt ausgeübt werden.

„Sollte mein Partner nach vorne gehen, weiß ich genau, was zu tun ist. Das Gleiche gilt umgekehrt. Man kann vorher nicht sagen: Du spielst offensiv, ich spiele defensiv. Jeder soll Verantwortung übernehmen und auch nach vorne arbeiten.“

Nach vorne muss auch am Dienstag gearbeitet werden. Der Ex-Rapidler erwartet nämlich ein ähnliches Geduldspiel wie am Freitag.

„Wenn uns ein Treffer gelingt, wird es einfacher. Wir müssen aber auch auf der Hut sein, müssen auf die Konter aufpassen. Ein Gegentor dürfen wir auf keinen Fall kassieren, denn dann wird es noch schwieriger. Hoffentlich ist auch etwas das Glück auf unserer Seite.“

Volle Entschlossenheit

Kavlak fordert für das kommende Duell mit den Kasachen volle Entschlossenheit. Denn im ersten Aufeinandertreffen habe der letzte Nachdruck gefehlt.

„Ich hatte den Eindruck, dass wir gedacht haben: Wir werden schon ein Tor machen. Dann wird eine Chance nach der anderen verhaut und die Zeit immer knapper. Der Gegner hat zudem auch noch bei jeder Gelegenheit  das Spiel verzögert. Je länger die Partie gedauert hat, umso verkrampfter wurden wir. Plötzlich war das Spiel vorbei und wir haben kein Tor gemacht.“

Angesichts seiner zuletzt gezeigten Darbietungen, könnte man meinen, dass Kavlak endgültig im ÖFB-Team ankommen ist, immer mehr zum Schlüsselspieler wird.

Entwicklungs-Schub bei Besiktas

Diese Entwicklung habe er auch seinem Transfer zu Besiktas Istanbul zu verdanken. Seit Sommer 2011 kickt der Wiener mit türkischen Wurzeln nun bereits am Bosporus. Seine dort gesammelten Erfahrungen seien Gold wert.

„Man reift als Mensch, sammelt neue Eindrücke. Wenn man Spiele wie die Istanbuler Derbys bestreitet, wächst man einfach. Der ständige Druck fördert deine Entwicklung. Du musst andauernd Leistung bringen – auch im Training. Man kann drei gute Spiele bestreiten und dann danach ein normales und man wird sofort als künftiger Abgang bezeichnet.“

Nach einem guten Saisonstart ist zuletzt Sand ins Getriebe geraten. Eine Negativ-Serie hat ihre Spuren hinterlassen.

„Wir haben zuletzt drei Spiele in Serie verloren. Es brennt der Hut. Der Druck wird größer. Wir sind aber Profis, werden gut bezahlt, also müssen wir dem Druck auch standhalten.“

Türkische Medien werden vermieden

Um sich nicht verrückt zu machen, meidet der 20-fache Internationale die Medien seiner Wahlheimat. „Was dort abläuft… Darüber will ich gar nicht reden. Es ist gut, wenn man einen Tunnelblick aufbaut. Es zählt nur das Training und das Bewerbsspiel. Bei allem anderen muss man abschalten. Es wird einfach so viel Blödsinn geredet.“

Die Umstellung von Österreich auf die fußballverrückte Türkei ist mittlerweile gut gelungen. „Dazu haben auch die Mitspieler beigetragen. Wir hatten ja letzte Saison mit Guti, Quaresma, Simao und Almeida Spieler, die sehr viel erlebt haben. An diesen orientiert man sich. Sie bewahren kühlen Kopf wenn es ernst wird. Von solchen Leuten lernt man einiges.“

Ein spezielles Verhältnis hat der  Mittelfeld-Akteur zu Fabian Ernst, mit dem er schon über 30 Partien für den 13-fachen türkischen Meister bestritten hat.

„Man weiß mittlerweile, wie der eine oder andere tickt und wie man umgehen muss. Auch Fabian hat Kritik einstecken müssen, aber wie er damit umgegangen ist, war Klasse.“

Dank an den Trainer

Sein gutes Standing innerhalb des Klubs habe er den Trainern zu verdanken.

„Ich hatte Glück. Tayfur Havutcu wollte mich schon zwei Jahre davor holen. Nach dem Manipulations-Skandal hat der Trainer gehen müssen und auch der neue Coach setzt voll auf mich. Egal wie sie alle heißen, sie haben mich immer spielen lassen. Und wenn ich einmal nicht zum Einsatz gekommen bin, ist er zu mir gekommen und hat gesagt: Bleib ganz ruhig, ich vertraue dir.“

Immer gerne in Wien

Trotz allem vermisst Kavlak Wien und ist daher dankbar, wenn er ins Nationalteam einberufen wird. „Ich freue mich immer, wenn ich zum Team komme und das Trainingslager in Wien ist.“

Und der „Sechser“ will die Bundeshauptstadt mit drei Punkten wieder verlassen. Jetzt zählt einmal Kasachstan. Danach stehen noch sieben Spiele am Programm. Wir spielen noch jeweils zwei Mal gegen Irland und Schweden. In diesen Begegnungen wird sich zeigen, wohin die Reise geht.“

Martin Wechtl

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