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Constantini: "Arnautovic hat mich angerufen"

„Ganz ein Schlauer. Das habe ich ja überhaupt noch nie gehört. Danke!“

Didi Constantini sprach’s, stand auf, verließ den Raum und ließ ÖFB-Pressesprecher Peter Klinglmüller sowie seine Assistenten Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt verdutzt am Podium zurück.

„Zu dritt werden wir hier wohl nicht mehr weiter machen“, nahm es Klinglmüller mit Humor und beendete die Pressekonferenz zur Kaderbekanntgabe für die EM-Qualifikationsspiele in Deutschland und gegen die Türkei.

Auslöser der emotionalen Reaktion des Teamchefs war die Feststellung eines Journalisten über die seiner Meinung nach „nicht organisierte Abwehr“, die sich „nicht wohl“ fühle und dadurch Fehler beginge.

„Die Besten, die wir im Moment zur Verfügung haben“

Von einem „Spaziergänger“ ließe er sich nichts zum Thema Taktik sagen, begründete Constantini im Anschluss seine Reaktion.

Das Nervenkostüm des ranghöchsten Fußball-Trainer des Landes ist nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen also merklich angespannt. Vielleicht setzten ihm auch die Fragen in den 12 Minuten Pressekonferenz zuvor zu.

Denn ganz unwidersprochen wollten die anwesenden Medienvertreter das einleitende Statement von Zsak nicht hinnehmen. Dieses lautete: „Die Spieler, die wir einberufen haben, so glauben wir, sind die Besten, die wir im Moment zur Verfügung haben. Deshalb bin ich sehr zufrieden.“

Die Besten? „Mit denen hast aber zuletzt nur verloren“, entgegnete ein Journalist. „Jo, stimmt eh“, antwortete Constantini, „aber ich hoffe, dass ich mit denen jetzt was gewinne.“

„Arnautovic hat mich angerufen“

Zu „denen“ gehört, wie man eigentlich erwarten konnte, Andreas Ivanschitz weiterhin nicht. Der frühere Kapitän wurde zwar von Zsak im Zuge der Mainzer 2:4-Niederlage gegen Schalke beobachtet. Dem Burgenländer, der sich in guter Form befindet, gelang das Tor zum 1:0.

Dennoch bleibt Constantini seiner Linie treu: „Jeder Trainer hat seinen Kopf und Spieler, die er forciert und andere, die er weniger forciert, obwohl es sich der eine oder andere vielleicht verdienen würde. Ich sehe aber keinen Grund, dass ich jetzt viel ändere.“

Während die ÖFB-Türe für Ivanschitz geschlossen bleibt, könnte sie für Marko Arnautovic früher als erwartet wieder aufgehen. Auch der Bremen-Legionär scorte am Wochenende in der Deutschen Bundesliga, und zwar beim 5:3-Sieg gegen Freiburg.

„Arnautovic hat aufgezeigt, dass er seine Klasse hat. Er hat mich angerufen, wir haben ein Telefonat gehabt. Die Frage ist immer, ob es auch so kommt, wie er es mir verspricht“, schildert Constantini den Stand der Dinge mit der launischen Diva, die er seit den Pleiten gegen Belgien und die Türkei nicht mehr in den Kader eingeladen hat.

Schiemer ein Thema

Diesmal ist der 11-fache Teamspieler auf Abruf dabei, was insofern erwähnenswert ist, als dass definitiv noch zumindest ein, wahrscheinlich sogar zwei Spieler nachnominiert werden. Das aktuelle 22-Mann-Aufgebot ist also nur ein vorläufiges. Diese Vorgehensweise hat abseits von Arnautovic gute Gründe.

Beispiel Franz Schiemer: „Er war lange verletzt, trainiert aber schon längere Zeit voll mit der Mannschaft mit, wie mir Salzburg-Trainer Moniz bestätigt hat. Es kann sein, dass er diese Woche noch zwei Spiele bestreitet. Da werden wir sehen, ob es reicht“, erläutert Constantini, der auf der Suche nach einem weiteren Innenverteidiger ist, da Paul Scharner in Gelsenkirchen gesperrt ist.

Bei Stefan Maierhofer, der den verletzten Roman Kienast ersetzen könnte, gilt es wohl abzuwarten, ob er am Sonntag für seinen Arbeitgeber in spe, Red Bull Salzburg, debütiert und Matchpraxis sammelt. Auch Sebastian Prödl hat Chancen auf eine Nachnominierung, sollte er am Wochenende für Werder Bremen zum Einsatz kommen.

Deutschland ist nicht Kapfenberg

Auf besagter Abrufliste findet sich auch Roland Linz, der mit fünf Treffern die Schützenliste der Bundesliga anführt.

„Roland ist eine sehr gefährliche Sturmspitze, die Tore am Fließband erzielt hat – in Österreich. Fakt ist, dass er ein Strafraumspieler ist. Ich glaube aber nicht, dass wir auswärts in Deutschland den Gegner im Strafraum belagern werden. Wir werden eher auf Konter spielen. Es kann aber sein, dass Roli vielleicht noch dabei ist“, rechtfertigte Constantini, um gleichzeitig einen „gewagten“ Vergleich anzubringen:

„Der Gregoritsch Werner wird mir recht geben: Deutschland auswärts ist schwerer als gegen Kapfenberg daheim. Ohne die Leistung von Roli zu schmälern, aber das ist einmal so.“

Linz hat bekanntlich vor gut einer Woche vier Tore zum 5:0-Kantersieg seiner Austria gegen die Obersteirer beigesteuert.

„Kein Grund, anderen linken Verteidiger rauszuzaubern“

Ebenfalls auf Unverständnis stieß beim Thema „Besten“ mancherorts, dass die beiden Rapidler Stefan Kulovits und Thomas Schrammel dem Kader angehören.

Für Constantini eine Frage der Kontinuität: „Kulovits hat gegen Deutschland und Lettland zwei sehr gute Spiele gemacht. Ich sehe keinen Grund, warum ich ihn jetzt nicht in den Kader reingebe, nur weil er bei Rapid einmal nicht spielt. Schrammel habe ich jetzt immer dabei gehabt. Ich sehe keinen Grund, dass ich einen anderen linken Verteidiger rauszaubere.“

Nach diesen diversen Rechtfertigungen zum im Vergleich zum Slowakei-Länderspiel nicht veränderten Personal (abgesehen vom verletzten Roman Kienast), beschleunigte wohl folgende Thematik das abrupte Ende des Medientermins.

„Spieler sehr gut über jeden Gegner informiert“

Warum denn seine Schützlinge nicht mehr Mappen mit den Spielerprofilen ihres Gegners bekämen, lautete eine Frage, die bereits eine leicht genervte Reaktion beim Tiroler auslöste:

„Sie können sich sicher sein, dass die Spieler sehr gut über den Gegner informiert sind. Wir zeigen ihnen Videos vom Defensivverhalten, Offensivverhalten und den Standardsituationen. Ich glaube, dass jeder Trainer seinen Weg macht“, verteidigte sich Constantini und behauptete gleichzeitig, dass es diese Mappen weiterhin geben würde:

„Herr Ruttensteiner schaut sich die Spiele an. Jeder Gegner, jedes Spiel wird mehr oder weniger analysiert. Das wird an die Spieler weitergegeben.“

Zwei Minuten später kam es zum Mini-Eklat. Über den Tellerrand zu blicken, ist offenkundig nervenraubend.

Peter Altmann

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