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"Anforderungsprofil an Teamchef gehört aktualisiert"

Auch wenn es niemand gerne hört: „Typisch österreichisch“ ist hierzulande nicht umsonst ein geflügeltes Wort.

Was sich Dienstagmittag im Wiener Hotel „Hilton am Stadtpark“ abspielte, lässt sich wohl nur mehr als Posse einordnen, wie sie nur hierzulande möglich erscheint – ein Schauspiel mit lauter Verlierern.

Verlierer Nummer 1 – Leo Windtner: Der selbsternannte Machertyp erweist sich als Zauderer, wie er im Buche steht.

Verlierer Nummer 2 – Didi Constantini: Der entthronte Teamchef erweist sich als Sesselkleber, der die abschließenden zwei Spiele seiner mit Ablaufdatum versehenen Ära als „Lame Duck“ bestreiten wird.

Verlierer Nummer 3 – der österreichische Fußball: Anstatt für klare Verhältnisse zu sorgen, zögert und zaudert der planlos wirkende Verband und lässt sich damit auf eine noch gar nicht abschätzbare Welle an Gerüchten und Spekulationen ein.

Fakt ist: Didi Constantini ist weiter ÖFB-Teamchef – aber nur im Grunde genommen…

Keine Mehrheit für Vertragsverlängerung

Was war geschehen? Nach dem 0:0 gegen die Türkei und der damit fix verpassten Qualifikation für die EURO 2012 war allen Beteiligten klar, dass die Amtszeit von Constantini in keine Verlängerung gehen wird.

Bei einem Frühstück offenbarte ÖFB-Boss Windtner dem Tiroler, dass im Präsidium dafür keine Mehrheit mehr zu erzielen sei. Man einigte sich dennoch darauf, dass Constantini noch für die beiden ausstehenden Qualifikations-Begegnungen in Aserbaidschan und Kasachstan zur Verfügung steht.

Dieser Beschluss wurde in einem darauffolgenden Meeting des Direktoriums, dem Windtner, Bundesliga-Präsident Hans Rinner, die Landesverbandspräsidenten Johann Gartner (Niederösterreich), Sepp Geisler (Tirol), Willi Prechtl (Oberösterreich) sowie der nicht anwesende Austria-Manager Markus Kraetschmer angehören, einstimmig abgesegnet.

Als Deadline, einen neuen Teamchef zu präsentieren, setzte sich Windtner den 18. November, an dem die Terminkonferenz für die WM-Qualifikation 2014 stattfindet. Im Idealfall soll der Constantini-Nachfolger jedoch schon am 15. November beim Testspiel in der Ukraine auf der Bank sitzen.

Wenn sich der neue Teamchef mit Constantini abstimmt…

Soweit die Ausgangslage. Die folgende von Constantini und Windtner gemeinsam absolvierte Pressekonferenz geriet vor allem für Letzteren zu einem Slalom durch den Frage- und Antwort-Dschungel, bei dem er das eine oder andere Mal einfädelte – ein Resultat dieser doch etwas kurios anmutenden Entscheidung, Constantini im Amt zu belassen und die Suche nach einem Erben auf die lange Bank zu schieben.

So wurde Windtner etwa gefragt, ob es denn dadurch möglich sei, dass der neue Teamchef mit einem noch von Constantini nominierten Kader in die Ukraine fliegen müsse?

Der Oberösterreicher antwortete in der Tat: „Ich würde davon ausgehen, dass der neue Teamchef zu diesem Zeitpunkt schon die Verfügungshoheit hat, um das allenfalls auch in Abstimmung mit Didi Constantini, mit dem der Vertrag noch aufrecht ist, entsprechend abzuklären.“

Wäre diese Vorgehensweise wenigstens nur realitätsfremd, wurde es ziemlich entlarvend, als es um die gewünschten Qualitäten des neuen Übungsleiters der Nation ging.

Die Sache mit dem Anforderungsprofil

Windtner: „Wir sind soeben dabei, und das ist auch ein Teil des Direktoriumsbeschlusses, das Anforderungsprofil auf neue Beine zu stellen. Was sind die Erfordernisse für einen österreichischen Teamchef?“

Eine Antwort, die allgemeines Erstaunen auslöste. Gab es denn bislang keine Erfordernisse für einen österreichischen Teamchef? „Es hat ein Anforderungsprofil gegeben, aber das gehört aktualisiert und an die neue Bedarfssituation angepasst.“

Dies lässt sich vermutlich so interpretieren, dass der neue Mann eine andere Herangehensweise als Constantini einbringen soll.

Wie viel Sinn es macht, einen im Prinzip gefeuerten Teamchef im Amt zu belassen, sei dahin gestellt. Bis zur Deadline im November sind es noch zweieinhalb Monate. Ein Zeitrahmen, in dem medial wohl mehr als ein Name virtuell auf den Teamchef-Thron gehievt werden wird.

Diese Herangehensweise sorgte jedenfalls für breites Unverständnis. Bei der x-ten Nachfrage über die Sinnhaftigkeit, Constantini noch mit der Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan zu betrauen, schaltete sich schließlich der Tiroler selbst ein und eilte seinem Präsidenten zu Hilfe:

„Wenn er bis dahin einen neuen Teamchef hat, wird er zu mir kommen und sagen: ‚Didi, der neue Teamchef macht die nächsten zwei Spiele.‘ Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der neue Teamchef mit mir mitfliegt.“

„Keine typisch österreichische Lösung“

Windtner jedenfalls verteidigt seine Vorgangsweise: „Das eine schließt das andere ja nicht aus. Aber es bringt nichts, wenn wir uns jetzt die Latte terminlich so hoch legen, dass wir einen Druck zusammenkriegen, der uns letztlich bei der Suche zum Problem wird. Daher glauben wir, es ist besser, einen vernünftigen Zeithorizont einzuziehen.“

Klingt irgendwie nach dem Motto: Besser eine halberte als gar keine Lösung – typisch österreichisch also.

Typisch österreichisch – ein Vorwurf, bei dem Windtner gewisse Emotionen zeigt:

„Es bringt ja nichts, dass ich jetzt mit einem Schnellschuss alles entferne! Ich muss ja schauen, dass der Betrieb weiterläuft. Daher ist es keine typisch österreichische Lösung, sondern eine konsequente Vorgehensweise. Für mich ist es das Optimalste, weil es keine Bruchlinien zwischen dem derzeitigen Teamchef und dem Team gibt. Daher brauchen wir keine Übergangslösung.“

Anforderungsprofil wird nicht von Amateuren erstellt

Das angesprochene Anforderungsprofil wird in den kommenden Tagen erstellt (Windtner: „Das werden Experten tun, man kann davon ausgehen, dass wir dieses Profil nicht mit Amateuren erstellen“), nächste Woche tritt das Direktorium erneut zusammen.

Die Entscheidung, wer Österreich in die WM-Qualifikation führen wird, ist letztlich in gewisser Weise Chefsache:

Windtner: „Es wird Aufgabe des Präsidenten sein, dass er den Vorschlag, den er aufgrund der Sondierung unterbreitet, mit einer Mehrheit ausstattet. So wie das mit der heutigen Lösungsvariante geschehen ist.“

Na dann kann ja nichts mehr schief gehen…

Peter Altmann

In welche Richtung genau man sich orientiert, ließ Windtner offen. Zumindest kündigte er an, dass die Verpflichtung eines geeigneten Kandidaten nicht am Geld scheitern dürfe, auch wenn der ÖFB selbiges nicht zum Fenster rauswerfen werde:

„Wenn wir uns auf Teamchef-Suche begeben, werden wir in erster Linie auf Qualität schauen. Das Thema Finanzen ist eines, das den ÖFB sicherlich bewegt, nur eines ist auch klar: Es hilft uns die beste Infrastruktur nichts, wenn wir keinen sportlichen Erfolg haben. Daher glaube ich, werden wir auf dieser Seite investieren, ohne dass wir Millionen für einen Riesen-Namen verballern. Das würde nicht ganz zu uns passen.“

Constantini: „Kann mir nicht vorstellen, dass der neue Teamchef mitfliegt“

Ob man bereit sei, wie einst für Josef Hickersberger an Rapid, Ablöse zu bezahlen? „Wir gehen unvoreingenommen hinein. Eines ist klar: Wenn man ihn rauskauft, sind es schon einmal Zusatzkosten. Da wird man sich überlegen, ob das im Gesamthaushalt Sinn macht.“

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