Ein Werwolf und ein Bräutigam

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"Bewusst, dass ein so junger Spieler Gefahren birgt"

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Marcel Koller ist zu Experimenten gezwungen.

Kein Drama, denn der ÖFB-Teamchef wollte den Lehrgang rund um die beiden Freundschaftsspiele gegen die Ukraine (1. Juni) und Rumänien (5. Juni) ohnehin dazu verwenden, den einen oder anderen Spieler neu kennenzulernen.

Dass so manche Stammkraft fehlt, war indes nicht eingeplant. Mit den Deutschland-Legionären Martin Harnik, Christian Fuchs und Emanuel Pogatetz, der mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht wird, stehen drei Säulen der Stammelf nicht zur Verfügung.

Auch Jürgen Säumel und Christopher Trimmel haben verletzungsbedingt abgesagt, hinter Robert Almer und Jakob Jantscher stehen große Fragezeichen. Das Duo wurde jedoch für den 25-Mann-Kader nominiert.

„Seine 14 Tore sprechen für Jantscher. Salzburg hofft, dass er im Cupfinale spielen kann. Ich hoffe, dass er dann auch bei uns dabei sein könnte“, setzt Koller auf den wohl besten Spieler des Bundesliga-Frühjahrs.

Schiemer fehlt wegen Hochzeit

Die Absagen bieten dem Schweizer die Gelegenheit, das eine oder andere neue Gesicht kennenzulernen. Mit der Nominierung des erst 18-jährigen Admiraners Marcel Sabitzer ist ihm eine Überraschung gelungen. Dass Rapid-Keeper Lukas Königshofer erstmals der Sprung ins A-Team gelingt, verwundert indes weniger.

Mit Paul Scharner, Christoph Leitgeb und Stefan Maierhofer sind drei etablierte Nationalspieler erstmals in der Ära Koller mit von der Partie, auch Andreas Ulmer stößt nach längerer Abwesenheit wieder zum Kreis des Nationalteams.

Der Salzburger ist in Abwesenheit von Fuchs wie Markus Suttner ein Kandidat für die linke Abwehrseite, denn David Alaba ist weiterhin im zentralen Mittelfeld vorgesehen:

"Ich will jetzt nicht sagen, dass Alaba bei uns grundsätzlich nie Linksverteidiger spielen wird, aber für mich ist er im Mittelfeld mit seiner Spielintelligenz, Wahrnehmung und Technik zu wertvoll, um ihn da wegzunehmen. Gerade im Spielaufbau brauchen wir Spieler, die das Spiel nach vorne tragen können, die als Schaltstation arbeiten."

Ein anderer Mozartstädter Meister-Kicker, Franz Schiemer, fehlt indes aus einem kuriosen Grund. Er feiert am 1. Juni Hochzeit – eine Termin-Kollision, für die der Teamchef nur bedingt Verständnis aufbringt.

LAOLA1 weiß, was Koller zu Schiemers Zukunft im Nationalteam und anderen Personalien des aktuellen Kaders zu sagen hat:

MARCEL SABITZER (Debütant): „Er ist noch sehr jung. Ich habe auch mit Didi Kühbauer gesprochen. Es ist uns bewusst, dass es auch Gefahren bergen kann, wenn man einen so jungen Spieler mit hochnimmt. Er hat aber eine gute Rückrunde gespielt. Seine Nominierung kann auch ein Zeichen und eine Motivation für andere junge Spieler sein, dass der Teamchef auf sie schaut und setzt. Wenn mich ein Spieler überzeugt, spielt es für mich keine Rolle, ob er 18 oder 30 ist – er muss gut sein. Wenn er gut ist, soll er spielen. Österreich hat gerade mit David Alaba sehr gute Erfahrung gemacht, dass er frühzeitig gespielt hat. Bei Sabitzer kann es sein, dass wir sagen müssen, wir geben ihn nicht mehr runter, weil er zu gut ist. Es kann aber auch den anderen Weg gehen, wieder zur U19 oder U21. Für den Spieler wird es wichtig sein, dass er so oder so nicht abhebt und das Gefühl hat, dass er gleich ein ewiger Stammspieler beim A-Team ist.“

LUKAS KÖNIGSHOFER (Debütant): „Er hat bei Rapid aus meiner Sicht sehr gute Spiele gezeigt. Er ist ein junger Torhüter, hat gute Anlagen.“

ANDREAS ULMER (Rückkehrer):  „Er hat wieder Fuß gefasst. Es ist eine gute Möglichkeit, ihn näher kennenzulernen. Er war ja auch vor meiner Zeit ein paar Mal dabei.“

PAUL SCHARNER (Rückkehrer): „Ich möchte ihn in der Innenverteidigung bringen, austesten, wie er sich dort bewegt. Er hat beim Verein zuletzt ständig im Mittelfeld gespielt, wenn er reingekommen ist, aber er hat gerade im Nationalteam auch in der Innenverteidigung gespielt. Es ist sicher eine Position, die er aus meiner Sicht ausfüllen kann.“

STEFAN MAIERHOFER (Rückkehrer): „Er ist bei mir das erste Mal dabei. Ich denke, er hat gerade in den letzten Spielen gezeigt, dass er ein Leader-Typ ist, dass er mit seinen Toren und auch mit seiner Aggressivität vorne weg geht. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass wir auch an vorderster Front Spieler haben, die Impulse geben. Wenn man so spielen will, wie wir das gerne hätten, dass man aggressiv gegen den Ball arbeitet, ist Stefan sicher einer, der das gut umsetzt.“

„Ich habe das eine oder andere Mal mit ihm gesprochen, wenn ich in Salzburg war. Er kommt sehr angenehm rüber. Ich habe gehört, dass er diese soziale Komponente in sich hat, vorne weg geht, ein sehr angenehmer Mensch ist. Das ist natürlich immer wichtig - einerseits abseits vom Platz zu versuchen, das Ganze zusammenzuführen, auf der anderen Seite auf dem Platz wie ein Werwolf zu sein: Gewinnen zu wollen und alles dafür zu geben. Das sind sehr wichtige Komponenten.“

CHRISTOPH LEITGEB (Rückkehrer): „Er ist ein Spieler, der in der Rückrunde das eine oder andere Problem hatte. Er ist ein hervorragender Fußballer. Ich wollte ihn schon das letzte Mal dabei haben. Das ging nicht, weil er verletzt war. Ich habe mit Salzburg gesprochen und weiß um die Problematik, dass er Knieprobleme hat. Wir werden natürlich darauf achten, dass wir ihn ein bisschen schonen, und er nicht jede Trainingseinheit mitmachen muss, wir aber trotzdem ein gutes Bild von ihm bekommen können.“

MARTIN HINTEREGGER und PATRICK BÜRGER (auf Abruf): „Hinteregger könnte ein Spieler für die Zukunft sein, der sich in Salzburg noch nicht definitiv durchgesetzt hat. Für junge Spieler ist es entscheidend, sich im Verein durchzusetzen und zu präsentieren, um die Möglichkeit zu haben, beim A-Team dabei zu sein. Bürger ist mir in Mattersburg aufgefallen. Das ist natürlich kein Top-Team, er steht da immer wieder alleine vorne, kämpft, fightet und macht auch seine Tore. Er hat eine gute Präsenz im Strafraum und ein gutes Kopfballspiel. Ich werde ihn natürlich weiter beobachten und hoffe, dass er seinen Weg geht.“

FRANZ SCHIEMER (Bräutigam): „Wir hatten letzten Dezember ein Gespräch, in dem er mit mitgeteilt hat, dass er am 1. Juni heiratet. Ich habe mich ein bisschen gewundert, weil zu diesem Zeitpunkt schon feststand, dass das Ukraine-Spiel stattfindet. Das bedeutet nicht, dass seine Teamkarriere beendet ist. Ich denke nicht, dass wir in Österreich schon so weit sind, dass wir in einen großen Eimer greifen können, und wenn irgendeiner ausfällt, kommt der nächste dazu. Aber wir werden das besprechen. Da geht es ja immer um die persönlichen Gespräche, den direkten Kontakt. Ich habe jetzt mit ihm telefoniert, aber wenn man das über das Telefon macht, ist das nicht richtig."

Peter Altmann

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