Koller als "Peitschenknaller"

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"Die Badehose auszupacken, ist der falsche Weg"

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Jahr für Jahr kommt bei den Länderspielen nach dem Schlusspfiff der Meisterschaft dasselbe leidige Thema auf.

Wie man denn die Spieler nach Saisonende noch bei Laune halten könne? Wie groß die Gefahr sei, dass die ÖFB-Kicker schon in Urlaubsstimmung seien?

Fragen, die sich eigentlich gar nicht stellen sollten, und auf die Teamchef Marcel Koller auch in aller Deutlichkeit antwortet.

„Wir sollten grundsätzlich einmal davon wegkommen, dass die Saison nur bis zum Ende der Bundesliga geht“, fordert der Schweizer, „gerade die Nationalspieler wissen ja, dass wir Länderspiele haben. Das ist ja nicht erst seit einer Woche bekannt. Für sie ist erst danach Schluss.“

„Dann werden wir nie bei einem Turnier dabei sein“

Für Koller ist das am 24. Mai beginnende und für knapp zwei Wochen anberaumte Camp in Seefeld ein Schlüsseltermin im Hinblick auf die im Herbst beginnende WM-Qualifikation, ist es doch die letzte Chance, vor der Vorbereitung auf den Schlager gegen Deutschland am 11. September über einen längeren Zeitraum mit seiner Mannschaft zu arbeiten.

Entsprechend effektiv gilt es die Trainingstage samt der beiden Testspiele gegen die Ukraine (1. Juni) und Rumänien (5. Juni) zu nutzen. Andere Gedankengänge sind für den Teamchef nicht zulässig.

„Diese Einstellung wäre ein Problem, wenn man das Ziel hat, irgendwann einmal bei einem großen Turnier dabei zu sein. Dann kann ich gleich hier und jetzt ohne Wenn und Aber sagen: Dann werden wir nie dabei sein“, stellte der 51-Jährige im Rahmen der Kaderbekanntgabe klar.

Keiner soll sich zu sicher fühlen

Im Kreis der Spieler dürfte die Bedeutung dieses Termins und der beiden Begegnungen ohnehin jedem bekannt sein. Falls nicht, wird Koller tendenziell einschreiten. Als Animateur wird er ohnehin nicht auftreten:

„Wenn wir die Badehose auspacken, auf den Berg fahren, gut essen gehen und irgendein Rahmenprogramm zusammenstellen, ist es der falsche Weg.“

Zwar hat der Schweizer schon einen relativ festen Stamm, zu sicher dürfe sich jedoch kein Spieler fühlen. Für diesen Lehrgang wurde zum Beispiel Frankfurt-Legionär Erwin Hoffer, für gewöhnlich ein Stammgast beim Nationalteam, nicht einberufen.

„Wenn einer jetzt nicht mit dabei ist, hat er die Möglichkeit, sich wieder aufzudrängen und zu zeigen: ‚Ich will mit dabei sein!‘ Wenn man sich zu wohl fühlt, lehnt man sich zurück, man genießt, es ist alles schön und gut, dann ist die Überraschung umso größer, wenn es nicht klappt. Das soll für jeden gelten. Keiner kann sich ausruhen und sagen: ‚Okay, ich komme zum Team, genieße die zwölf Tage und mache schon ein bisschen Vorurlaub.‘“

„Dann laufe ich mit der Peitsche rum!“

Dann würden die Spieler die unangenehme Seite des stets freundlichen Coaches kennenlernen: „Dann laufe ich mit der Peitsche rum! Ich trage die Verantwortung, dass wir erfolgreich sind und uns weiterentwickeln. Es kann nicht sein, dass ich zum Lehrgang komme und denke: ‚Ich lege die Beine auf den Tisch, es wird schon gut gehen.‘“

Seiner Meinung nach müsse jeder Nationalspieler „von innen heraus motiviert“ sein, es sei nicht die Aufgabe des Trainer-Teams, die Spieler bei Laune zu halten.

Gut möglich, dass der Eidgenosse die österreichische Mentalität inzwischen kennengelernt hat und sich deshalb berufen fühlt, der Öffentlichkeit vorbeugend die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft zu verdeutlichen.

Inhaltlich soll auf die beiden bisherigen Länderspiele aufgebaut werden. In der Ukraine sei das angedachte Pressing gut umgesetzt worden. Dafür sei die Vorbereitung gegen Finnland zu kurz gewesen: „In diesem Spiel haben wir versucht, in die Vertikale zu spielen, nach vorne in den Rücken der Verteidigung zu kommen.“

„Wichtig, dass wir unsere Identität kriegen“

Beides soll diesmal in Seefeld verfeinert und ausgebaut werden, um sich Schritt für Schritt der eigenen Spielphilosophie zu nähern: „Es ist wichtig, dass wir unsere Identität kriegen.“

Diesbezüglich kündigt Koller intensive Arbeit an, vor allem auf dem Trainingsplatz, aber auch in der Theorie. Umso ärgerlicher sind diverse Absagen, vor allem jene der verletzten Stammkräfte Martin Harnik (Waden-OP), Christian Fuchs (Adduktorenprobleme) und Emanuel Pogatetz (Knieprobleme).

Auch wenn kein Urlaubsfeeling aufkommen wird, sollen die Spieler nicht überlastet werden, wie Koller verspricht:

„Wir werden die lange Saison und die Probleme, die der eine oder andere hat, berücksichtigen. Das ist völlig normal. Da haben wir ein sehr gutes Team, wo wir auch individuell arbeiten können.“

Peter Altmann

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