Ein Tor als direkte Folge Kollers Arbeit

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Der erste Erfolg gegen die Türkei seit 24 Jahren kann sich schon sehen lassen.

Gegenüber dem letzten Länderspiel gegen Rumänien sah Marcel Koller, der mit der Aufstellung von Christian Fuchs im linken Mittelfeld überraschte, ein komplett gegensätzliches Spiel.

Diesmal war es das ÖFB-Team, das weniger vom Spiel hatte und phasenweise gar nur auf 30 Prozent Ballbesitz kam. Dennoch kann der österreichische Sieg getrost als verdient bezeichnet werden. Erfolgsfaktoren dafür waren das aggressive Angriffspressing (erstes Tor), sowie schneller Ein-Kontakt-Fußball (zweites Tor) und nicht zuletzt ein sicheres Defensiv-Konzept.

Ein Tor als Folge Kollers Arbeit

Österreich legte ordentlich los. In den ersten zehn bis fünfzehn Minuten bereitete das Angriffspressing den Türken enorme Probleme. Koller setzte dabei, wie schon in den vergangenen Spielen, auf eine 4-4-2-Formation in der Defensive. Martin Harnik und Zlatko Junuzovic setzten die Innenverteidiger unter Druck, während das Mittelfeld forsch nach vorne verschob und die Abwehr bis an die Mittellinie aufrückte. Bestes Beispiel für das hervorragende Pressingverhalten war Veli Kavlaks Tor zum 1:0.

Natürlich kann dieser Treffer als reine Folge von Glück und gegnerischem Fehlverhalten interpretiert werden. Andererseits jedoch ist Kavlaks Tor auch die logische Konsequenz Kollers bisheriger Arbeit. Bereits bei seinem Antritt sprach der Schweizer von frühem Attackieren.

Den Worten ließ er Taten folgen, indem er mit der Mannschaft ein Pressingkonzept einstudierte, bei dem alle Mannschaftsteile wissen, was sie zu tun haben. Unter vergangenen Teamchefs wirkte das Fore-Checking des ÖFB-Teams oft unkoordiniert. „Klar gehört Glück dazu. Aber Auslöser für das Führungstor war unser gutes Pressing“, weiß Neo-Kapitän Fuchs.

Die Aufstellungen: Österreichs System ähnelt mehr einem 4-4-1-1, als einem 4-2-3-1, da die Außenspieler im Mittelfeld zumeist auf einer Höhe mit den Zentralen bleiben. Die Türkei spielt ein 4-4-2 mit Arda Turan als hängende Spitze und hoch stehenden Außenspielern.

Warum kamen die Türken besser ins Spiel?

Nach etwa fünfzehn Minuten gelang es der Türkei zunehmend, das österreichische Pressing zu umspielen und die Kontrolle in der Partie zu übernehmen. Grund dafür war eine geringfügige Änderung in der Mittelfeldzentrale. Kapitän Emre ließ sich ein Stück zurückfallen, um besser anspielbar zu sein.

Gleichzeitig rückte sein Partner auf der Doppelsechs, Inan Selcuk, ein wenig nach vor. Diese Staffelung in der Zentrale erleichterte den türkischen Spielaufbau. Hätte sich Arda Turan, der nominelle Zehner, auch noch öfter in das riesige Loch zwischen Angriff und Mittelfeld fallen lassen, hätten die Mannen von Abdullah Avci wohl noch gefährlicher werden können.

Wenig Ballbesitz – na und?

In Relation zum hohen Ballbesitz-Anteil konnten sich die Türken nur relativ wenige Chancen herausspielen. „Das Spiel gegen den Ball hat hervorragend funktioniert. Wenn wir nicht im Ballbesitz waren, haben wir die Räume sehr eng gemacht und wenig zugelassen“, erläutert Sebastian Prödl den Grund dafür.

Der ÖFB-Defensive gelang es, die athletischen Angreifer aus der Türkei mittels einer hoch stehenden Defensive zumeist weit vom Tor fernzuhalten. Löcher entstanden nur dann, wenn sich einer der beiden Innenverteidiger aus seiner Position ziehen ließ, geschehen zum Beispiel in der 31. Minute, als Yilmaz jedoch kläglich verstolperte.

Wenig Ballbesitz – Achtung!

Hatten die Österreicher einmal die Kugel, dann ging es zumeist schnell nach vorne. Teilweise bekamen die Zuschauer dabei schnellen Ein-Kontakt-Fußball zu sehen, wie zum Beispiel jener Angriff, der zum Elfmeter und damit zum 2:0 führte. Oft jedoch ging dieses Direktspiel schief und der Ball wurde leichtfertig verschenkt. Etwas, was die ÖFB-Kicker nach dem Spiel selbstkritisch bemängelten.

„Wenn wir im Ballbesitz sind, müssen wir schauen, dass wir die anderen zum Laufen bringen, mehr Räume erspielen und zu mehr Torchancen kommen“, meint zum Beispiel Prödl. Der Teamchef wies in diesem Zusammenhang aber auch auf die Leistung des Gegners hin: „Die Türken haben gutes Pressing gespielt und ständig unseren Ballführenden unter Druck gesetzt. Natürlich müssen wir uns in solchen Situationen noch verbessern.“

Sahin und Topal bringen neuen Schwung

Zu Beginn der zweiten Halbzeit plätscherte das Spiel vor sich hin. Erst die Einwechslung (60.) von Nuri Sahin und Mehmet Topal brachte wieder Pepp in die Partie. Die neue Mittelfeld-Zentrale der Türken interpretierte ihre Rolle offensiver als ihre Vorgänger. Prompt führte dies zur besten Chance der Gäste, doch Torun (66.) verpasste es nach Sahin-Vorlage ins leere Tor einzuschießen.

Toruns verpasste Riesen-Möglichkeit sollte sich als Sargnagel erweisen. Denn infolgedessen war das ÖFB-Team dem dritten Tor näher, als die Türken dem Anschlusstreffer. Vor allem die Einwechslungen von Jakob Jantscher und Guido Burgstaller fruchteten.

So konnte der Rapidler die Lücken hinter dem immer höher aufrückenden türkischen Rechtsverteidiger Hamit Altintop besser ausnützen als Fuchs. Dem Schalke-Linksverteidiger merkte man überhaupt in diversen Situationen an, dass er schon lange nicht mehr im Mittelfeld spielte.

Die Aufstellungen in der Schlussphase: Türkei versucht Risiko zu nehmen, vor allem Altintop rückt weit mit auf. Das ergibt Räume für die eingewechselten Außenspieler.

Fazit: Kluges Pressing, aber zu wenig Ballsicherheit

Natürlich darf ein Testspiel, in das man quasi mit einer 2:0-Führung startet, nicht überbewertet werden. Aber defensiv sah das beim ÖFB-Team schon ganz gut aus, auch wenn sich die Innenverteidiger manchmal zu leicht aus der Position ziehen ließen. Das Pressing funktioniert schon langsam so, wie sich das der Teamchef seit Beginn seiner Amtstätigkeit vorstellt. Kavlaks Tor hat sich die Mannschaft durch konsequentes, aufeinander abgestimmtes Fore-Checking hart erarbeitet.

Auf der Schattenseite des Erfolgs steht die fehlende Ballsicherheit. Zu oft wurde das Leder leichtfertig verloren, zu selten wurde das Spiel mit einem Querpass verlagert. Ein Umstand, der nicht nur dem Pressing des Gegners, sondern auch dem Fehlen der ballsicheren Akteure Alaba und Arnautovic geschuldet ist. Gegen Rumänien funktionierte das Zirkulieren des Balls in den eigenen Reihen nämlich noch besser.

Jakob Faber

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