"Konzentrieren uns auf jene, die hier sind"

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Die Generalprobe für den Ernstfall.

Das freundschaftliche Länderspiel gegen die Türkei am kommenden Mittwoch im Ernst-Happel-Stadion (erst 10.000 Tickets verkauft) dient dem ÖFB-Team zur letzten Formüberprüfung vor dem Knaller zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen Deutschland.

Teamchef Marcel Koller setzt dabei großteils auf bewährte Kräfte. Einzig Christoph Leitgeb schnuppert erstmals unter dem Schweizer ÖFB-Luft und ist ein Kandidat, den schmerzlichen Ausfall von David Alaba zu kompensieren.

„Wir wollen auch im Nationalteam ein Team bilden und nicht bei jedem Lehrgang bei Null beginnen. Von daher ist es wichtig, dass man eine gewisse Regelmäßigkeit drinnen hat“, begründet Koller die Konstanz in seiner Kaderpolitik.

LAOLA1 beleuchtet die wichtigsten Punkte der Kaderbekanntgabe:

DER ALABA-AUSFALL:

Nur ein unumstrittener Stammspieler fehlt im Aufgebot, dieser Ausfall wiegt jedoch besonders schwer: David Alaba. Koller verfolgt aber auch im Fall des Bayern-Jungstars, der an einem Ermüdungsbruch laboriert, die Devise, nicht zu sehr über den Verlust zu lamentieren: „Das wird uns sicher schmerzen, es gilt aber, was wir schon beim letzten Lehrgang gesagt haben: Es ist schade für die Spieler, die nicht da sind, wir wollen uns aber auf jene konzentrieren, die hier sind.“ Der Teamchef betont, dass er die Hoffnung im Hinblick auf den WM-Qualifikations-Start gegen Deutschland am 11. September noch nicht ganz aufgegeben hat: „Wir wissen aber klarerweise, dass wir eine andere Alternative suchen müssen.“ Für den Platz neben Julian Baumgartlinger hat sich zuletzt beim Testspiel gegen Rumänien Veli Kavlak aufgedrängt.

CHANCE FÜR DIE „BULLEN“:

Aber auch Christoph Leitgeb wäre eine Option für die Alaba-Rolle im zentralen Mittelfeld. Dass der Salzburg-Kicker von seinem Können her ein fixes Kadermitglied im ÖFB-Team sein müsste, steht wohl außer Streit. Dennoch stand über seiner Nationalteam-Karriere in der jüngeren Vergangenheit kein guter Stern. Schon unter Didi Constantini vermochte er sich kein Stammleiberl zu erkämpfen, zudem bremsten ihn immer wieder Verletzungen, besonders seine Knieprobleme sind unter die Kategorie hartnäckig einzuordnen. „Wir wollten ihn ja schon zwei Mal dazunehmen, es ging leider nie, weil er immer wieder verletzt war“, erklärt Koller, der nun einen dritten Anlauf wagt: „Er hat eine gute Vorbereitung gemacht, das Knie bereitet ihm keine Schmerzen mehr. Wir sind froh, dass wir uns seine Qualitäten einmal eins zu eins im Training anschauen können.“ Auch für Leitgebs Salzburg-Kollegen Jakob Jantscher bedeutet die Einberufung eine weitere Chance, sich wieder fix im Kreis des Nationalteams zu etablieren. Für den Lehrgang am Ende der vergangenen Saison musste der Steirer noch wegen einer Schulterverletzung absagen. „Jakob war schon beim Kurzlehrgang gegen Finnland mit dabei. Wir sind froh, dass wir ihn nun ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen können.“

VERTRAUEN FÜR JANKO:

Das zweite verletzungsbedingte Sorgenkind neben Alaba ist derzeit Kapitän Marc Janko, der jedoch zum Türkei-Match anreisen wird. Der Porto-Legionär verpasste zuletzt zwei Wochen der Vorbereitung, ist beim portugiesischen Spitzenklub jedoch wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Dass der Goalgetter noch nicht am körperlichen Höchstlevel sein kann, liegt auf der Hand. Koller hofft dennoch, dass Janko gegen die Türkei eine Halbzeit lang oder zumindest als Joker spielen kann: „Er hat natürlich noch konditionellen Rückstand. Wir werden das besprechen und im Training schauen, wie sein Einsatz aussehen könnte.“ Zudem wollte der Schweizer immer im Rahmen dieser Zusammenkunft eine längerfristige Entscheidung bezüglich des Kapitäns-Amts verkünden. Die Nominierung Jankos deutet darauf hin, dass der Stürmer – wenig überraschend - Spielführer bleiben dürfte. Die Zahl der Alternativen an vorderster Front ist ohnehin überschaubar hoch. Stefan Maierhofer bekommt in Salzburg derzeit wenig Einsatzzeit, also vertraut Koller weiterhin Patrick Bürger: „Er hat beim letzten Lehrgang die Chance genutzt und mit Willen und Einsatz im Training auf sich aufmerksam gemacht.“ Auch Marko Arnautovic sei als Stoßstürmer eine Überlegung wert. Höchste Priorität hat für Koller aber wohl, dass „Platzhirsch“ Janko so schnell wie möglich fit wird: „Marc ist ein Spieler, der international schon gezeigt hat, dass er Tore schießen kann, und wir brauchen Stürmer, die Tore schießen.“

DER SEEFELD-BONUS:

Der Teamchef hat immer wieder hervorgehoben, wie wichtig das Camp in Seefeld zum Ausklang der vergangenen Saison sei. Eineinhalb Wochen lang wurde intensiv an seinen Grundprinzipien gearbeitet. Dementsprechend groß ist der Vorteil jener Spieler, die an diesem Lehrgang teilgenommen haben. Dass unumstrittene Stammkräfte wie Christian Fuchs, Emanuel Pogatetz oder Martin Harnik zurückkehren, war klar. Franz Schiemer, der während dieses Lehrgangs seine Hochzeit terminiert hatte, steht indessen diesmal nur auf Abruf. Paul Scharner wiederum vermochte Koller zu überzeugen, sodass es weniger ins Gewicht fällt, dass er erst am Dienstag mit dem Hamburger SV einen neuen Arbeitgeber gefunden hat: „Er hat regelmäßig individuell mit Roger Spry trainiert und stand in den vergangenen Tagen bei Eintracht Frankfurt im Teamtraining. Wie ich Paul kennengelernt habe, ist er ein absoluter Profi, der auf seinen Körper achtet und weiß, was nötig ist, um fit einzusteigen.“ Ein weiterer Akteur, der sich in Tirol in der Gunst des Teamchefs nach oben gearbeitet hat, ist Marcel Sabitzer. Ursprünglich wollte Koller den Youngster nur Teamluft schnuppern lassen. Die damaligen Trainingsleistungen sowie die bisherigen Vorstellungen im Admira-Dress im Laufe der noch jungen Saison überzeugten den 51-Jährigen jedoch: „Er hat uns sehr gut gefallen. Außerdem ist es gut, wenn man den einen oder anderen Spieler präsentieren kann, damit jene, die meinen, sie seien Stammspieler und sich vielleicht zurücklehnen wollen, ein bisschen Druck bekommen. Das ist wichtig, um Leistung bringen zu können.“

IMMER GESCHLOSSENERE GESELLSCHAFT:

Es war fraglos schon einmal leichter, in den Kreis des Nationalteams aufgenommen zu werden. Koller hat schon nach wenigen Länderspielen in seiner Amtszeit einen relativ beständigen Kader gefunden. Deswegen ist es auch ein Leichtes, etwa Fragen nach Ried-Stürmer Rene Gartler zu kontern. „Natürlich ist mir aufgefallen, dass er Tore gemacht hat“, betont der Schweizer, aber es entspreche nicht seiner Philosophie, Kandidaten bereits nach zwei, drei guten Leistungen zu nominieren. Selbiges gelte für Roman Kienast. „Man muss sich über einen längeren Zeitpunkt aufdrängen. Gute Leistungen werden uns sicher nicht entgehen“, verspricht der Schweizer, der mit dem bisherigen Niveau der Bundesliga-Saison im Großen und Ganzen zufrieden ist. Dennoch moniert er: „Ich würde mir wünschen, das der eine oder andere Teamspieler die Konzentration noch höher hätte und vielleicht noch ein bisschen mehr Tempo geht.“

DAS TÜRKEI-MATCH:

Wenn er Artikel in den Zeitungen lese, hätte er bisweilen das Gefühl, dass Österreich schon in den Top 10 der FIFA-Weltrangliste angekommen sei, schmunzelt Koller. Dafür müsste der ÖFB noch 50 Länder hinter sich lassen. Vorerst zählt ohnehin, dass die Mannschaft die Philosophie des Eidgenossen Schritt für Schritt verinnerlicht – gegen die Türkei soll der nächste getan werden. Kollers Vorgaben erinnern an jene aus den Partien gegen die Ukraine (3:2) und Rumänien (0:0): „Wir wollen uns defensiv gut präsentieren, da unsere Ideen umsetzen, aber auch versuchen, nach vorne zu spielen, im Strafraum präsent zu sein, gute Aktionen zu spielen und Ruhe am Ball beweisen.“

Peter Altmann

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