Kavlak und Pehlivan nehmen Konkurrenzkampf auf

Aufmacherbild
 

Viel ist im ÖFB-Team über den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung die Rede, wo sich vier hochkarätige Kandidaten um zwei Plätze in der Startelf streiten.

Nicht minder umkämpft, wenngleich weniger im Blickpunkt des öffentlichen Interesses, ist jedoch das zentrale defensive Mittelfeld.

Noch dazu, wo mit David Alaba ein Fixstarter im Testspiel gegen die Türkei fehlt und höchstwahrscheinlich auch für den Schlager gegen Deutschland zum Auftakt der WM-Qualifikation ausfallen wird.

Mainz-Legionär Julian Baumgartlinger hat nach konstanten Leistungen gute Karten. Salzburg-Kicker Christoph Leitgeb möchte sich erstmals unter Marcel Koller beweisen. Aber vor allem zwei türkisch-stämmige Türkei-Legionäre drängen in die Startelf: Veli Kavlak und Yasin Pehlivan.

Koller: „Kavlak eine gute Alternative“

Ersterer betrieb Anfang Juni gegen Rumänien Werbung in eigener Sache – eine Performance, die ihm Lob vom Teamchef einbrachte.

„Eine gute Alternative. Er ist einer, der den Ball verlangt, viel unterwegs ist, der auch in Zweikämpfe geht, und das sind schon gute Voraussetzungen, um mit dabei sein zu können“, erklärt der Schweizer.

Dass es am Mittwoch gegen die Heimat von Kavlaks Vorfahren geht, spiele in seinen Überlegungen jedoch keine Rolle: „Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen, weil wir keine Geschenke machen können. Die Leistung ist entscheidend, wie er ins Team und in die Taktik passt.“

Geschenke sollte der frühere Rapidler auch nicht nötig haben. Gestählt aus 45 Pflichtspielen für Besiktas in der vergangenen Saison, hat Kavlak vor allem defensiv enorm dazugerlernt, kann im Zentrum die Rolle des Sechsers, Achters oder Zehners einnehmen.

„Wichtig, im Mittelfeld überall einsetzbar zu sein“

Eine Flexibilität, auf die er großen Wert legt: „Im Fußball ist es heutzutage sehr wichtig, dass man auch im Mittelfeld überall einsetzbar ist. Der Teamchef wird wieder die richtige Taktik auswählen und entscheiden, wer spielt.“

Nachsatz: „Ich bin bereit!“

17 Länderspiele hat der 23-Jährige bislang für Österreich absolviert. Jenes gegen Rumänien ordnet er als „wichtig“ ein, wenngleich er gewohnt bescheiden bleibt: „Der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt und ich habe versucht, das Beste daraus zu machen.“

Das Kräftemessen mit seiner nunmehrigen Wahlheimat bezeichnet er als „sehr emotionales Spiel für mich, weil es für mich das erste Mal gegen die Türkei ginge. Sie haben viele qualitativ hochwertige Spieler, die sich auch in den besten Ligen durchgesetzt haben – eine sehr, sehr starke Mannschaft.“

„Wenn man nur ein bisschen nachgibt, ist man gleich weg“

Ein österreichischer Sieg wäre auch im Hinblick auf den Stellenwert bei Besiktas bestimmt kein Fehler, wobei Jahr eins in der Süper Lig für ihn persönlich zufriedenstellend gelaufen ist.

„Ich wusste, dass es extrem schwierig wird, wenn man neu zu einem Klub wie Besiktas kommt, wo man überhaupt keinen Namen hat. Ich habe auch nicht gedacht, dass es so gut laufen wird. Gott sei Dank haben unsere Betreuer meine Trainingsleistungen honoriert und mir auch die Chance gegeben.“

Durch Meisterschaft und Europacup alle drei Tage ein Spiel, dazu der immense Druck beim Istanbuler Traditionsklub, daran würde man laut Kavlak wachsen.

In seinem zweiten Jahr möchte er verletzungsfrei bleiben und genauso konstant wie bisher agieren: „Zudem möchte ich torgefährlicher werden. Man muss sich dort Woche für Woche behaupten. Wenn man nur ein bisschen nachgibt, ist man gleich weg. Der Verein hat die Kraft, sofort einen neuen Spieler zu holen. Das weiß ich, deswegen muss man immer auf der Hut bleiben und seine Leistung bringen. Diesen Druck muss man ausblenden können.“

Pehlivan: „Ich habe große Ziele“

Die Unwägbarkeiten des Geschäfts im türkischen Oberhaus hat auch Kavlaks früherer Rapid-Mitspieler Yasin Pehlivan bei Gaziantepspor kennengelernt.

Nach seinem Wechsel nach Südostanatolien musste er lange auf die Gelegenheit, sich in die Mannschaft zu spielen, warten. Letztlich reichte es immerhin noch zu 20 Meisterschaftseinsätzen.

„Die vorige Saison hat nicht so gut angefangen. Ich habe bei null begonnen, sehr viel durchgemacht und bin sehr stolz auf mich, dass ich es geschafft habe und jetzt eine wichtige Rolle bei Gaziantepspor spielen kann. Dieses Jahr wird es ganz anders beginnen und auch gut enden. Ich habe große Ziele“, erklärt der 23-Jährige selbstbewusst.

Welche Ziele das seien, bliebe sein Geheimnis. Mit dem Klub selbst will Pehlivan wieder in höhere Sphären vorstoßen, nachdem man im Vorjahr zwischenzeitlich in Abstiegsgefahr geraten war. Das Finish fiel dafür umso beeindruckender aus: In den letzten acht Saison-Begegnungen spielte Gaziantepspor jeweils zu null, sieben dieser Matches wurden gewonnen.

„Wenn ich meine Chance kriege, muss ich sie nützen“

„Da haben wir gezeigt, was wir können. Diese Serie wollen wir fortsetzen“, meint Pehlivan, der im Sommer mit Ekrem Dag (zuvor bei Besiktas) rot-weiß-rote Verstärkung bekommen hat: „Leider hat er sich ein wenig verletzt, aber ich freue mich sehr, dass er bei uns ist.“

Vor dem Saisonstart am kommenden Samstag gegen Sivasspor steht jedoch das Länderspiel gegen die Türkei auf dem Programm: „Ein besonderes Spiel für mich. Ich freue mich unglaublich darauf. Ich hoffe, ich darf ran.“

Ein Ziel, aus dem der 16-fache Internationale kein Geheimnis macht, ist nämlich jenes, im ÖFB-Team wieder mehr Einsatzzeit zu bekommen:

„Ich war Stammspieler. Dann ist es mir bei Gaziantepspor nicht so gut gegangen und ich habe meinen Platz verloren. Jetzt muss ich auf meine Chance warten. Wenn ich sie kriege, muss ich sie auch nützen.“

Der Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld ist also auch ohne Alaba voll im Gange.

Peter Altmann

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen