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LAOLA1-Taktik-Analyse zu Österreich gegen Slowakei

Wieder zog Österreich in einem Länderspiel den Kürzeren.

Zum fünften Mal im sechsten Spiel war das in diesem Jahr der Fall. Am Mittwoch scheiterte das Team von Teamchef Didi Constantini an der Slowakei – 1:2 hieß es in Klagenfurt nach 90 Minuten.

Zwar erreichte der Nachbar vergangenes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Südafrika das Achtelfinale. Ihn vor eigenem Publikum zu schlagen, wäre aber kein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

„Besser organisiert“

Wie schon gegen Deutschland nutzte es das ÖFB-Team nicht aus, einen mäßig aufspielenden Gegner in die Schranken zu weisen. Es alleine an den vergebenen Chancen festzumachen, wäre zu einfach.

„Die Österreicher waren technisch besser, dafür waren wir besser organisiert.“

Slowakei-Teamchef Vladimir Weiss war auf der einen Seite ein freundlicher Gast, auf der anderen Seite ließ er – gewollt oder nicht – wissen, wer denn das Duell der Trainer gewonnen hat.

Denn für die Organisation ist naturgemäß der Chef verantwortlich, und in einem Fußballteam sollte dies der TeamCHEF sein.

Weiss handelte vor und während der Partie auf die richtige Art und Weise. Auf Seiten von Rot-Weiß-Rot kann das nicht behauptet werden, wie auch die LAOLA1-Taktik-Analyse aufzeigt:

ZU BEGINN



Didi Constantini schickte seine Mannschaft in einem 4-2-3-1-System auf das Feld. Überraschung gab es auf dem personellen Sektor keine, die Anfangself konnte in dieser Form erwartet werden. Auch, dass Marc Janko, seines Zeichens Kapitän der Nationalmannschaft, erstmals seit dem Belgien-Spiel wieder einmal von Beginn an am Feld stand. Hinter ihm agierte Martin Harnik als zumeist hängende Spitze, David Alaba war das linke offensive Mittelfeld, Zlatko Junuzovic das ihm nicht so recht schmeckende rechte. Dessen nicht ausreichende Leistung kommentierte der Teamchef später übrigens wie folgt: „Soll ich etwa auf mich nehmen, wenn jemand gehemmt wirkt? Das ist nicht meine Schuld.“

Im defensiven Mittelfeld agierte wie schon gegen Deutschland und Lettland Julian Baumgartlinger mit Stefan Kulovits – die altbekannte Doppelsechs war also am Werk. Constantini rechnete augenscheinlich mit einer offensivstarken Zentrale der Gäste – und wurde enttäuscht. Denn da machte ihm Weiss den ersten Strich durch die Rechnung. Dieser bot Napolis Marek Hamsik in seinem 4-4-2-System nämlich nicht in der Zentrale – die wurde in erster Linie vom eingebürgerten Karim Guede sehr zufriedenstellend beackert – sondern auf der rechten Seite auf und sorgte damit dafür, dass die Doppelsechs der Österreicher in ihrer ursprünglich gedachten Funktion hinfällig wurde.

Während die Gäste also über die Flügel ihre Angriffe lancierten, setzten die Hausherren nicht auf das zuletzt noch für sich entdeckte Kombinationsspiel, sondern auf Einzelaktionen. Alle Topchancen gingen bis auf eine Ausnahme – und Harniks Kopfball resultierte aus einer Flanke – aus Einzelaktionen hervor. Die Tore schossen aber bekanntlich die Slowaken, die sich auch des Kombinationsspiels bedienten. Auf Seiten der Österreicher fand einmal eine Seitenverlagerung statt, einmal versuchte man es über die Seite, um dann ohne Flanke sondern mit einem kurzen Pass zum Abschluss zu kommen, ein anderes Mal ging es wieder ab durch die Mitte, ohne Passspiel versteht sich – also insgesamt nicht Fisch und nicht Fleisch. Längere Ballstafetten waren jedenfalls in den ersten 45 Minuten nicht auszumachen. Für eine um das EM-Ticket mitspielende Fußball-Nation nur dann ein Problem, wenn man mit den mitunter traumhaften Antritten Alabas oder Harniks nicht zurecht kam.

 

NACH DER PAUSE



Es wurde auf Seiten Österreichs reagiert. Während andere Trainer (Ried-Coach Paul Gludovatz) auch in Minute 44 einer Partie (EL-Quali-Hinspiel gegen Bröndby) Änderungen vornehmen, wenn es notwendig ist, tat es Constantini in der Pause – auch wenn spätestens ab Minute vier für jeden ersichtlich war, wie sich die Gäste taktisch verhalten würden. In jedem Fall wurde die nicht gebrauchte Doppelsechs aufgelöst. Daniel Royer kam für Kulovits in die Partie und spielte auf der linken Seite, während Alaba in die Mitte gezogen wurde.

Diese neue Gesamtkonstellation dauerte aber nicht lange an, denn nach 55 Minuten brachte Constantini mit Erwin Hoffer an Stelle von Junuzovic eine wirkliche zweite Spitze zu Janko, der das begrüßte. „So lange wir mit einer Spitze gespielt haben, war es für mich schwieriger, weil der Anschluss von hinten zu wenig war. Wir haben vorne nur durch Einzelaktionen Akzente setzen können. Als "Jimmy" (Hoffer, Anm.) im Spiel war, hatte auch ich mehr Räume und hätte gegen Ende den einen oder anderen Assist liefern können“, schilderte der ÖFB-Kapitän, der in Enschede mehr ins Offensivspiel eingebunden ist als im Nationalteam - "Das hat aber natürliche Gründe. Wir sind im Nationalteam in den wenigsten Spielen spielbestimmend, agieren zumeist auf Konter."

Nach dem Wechsel spielte Rot-weiß-rot also in einem 4-4-2. Was wiederum bedeutete, dass Harnik auf die rechte Seite weichen musste. Weil sich dann Florian Klein doch auch einmal vorne blicken ließ und sogar eine mustergültige Flanke – die einzige von generell wenigen Flanken, wie auch Janko („Es gab vielleicht drei oder vier“) zu seinem Leidwesen feststellen musste – auf Hoffers Kopf schlug, stand es nur noch 1:2. Die Folgen – oder Nicht-Folgen – weiter unten.

Was hatte Weiss zur Pause gemacht? Er wusste, dass Constantini reagieren würde und brachte mit Jendrisek statt Torschützen Robert Jez einen Mann, der ebenso variabel und gefährlich sein kann wie Filip Holosko oder Hamsik. Apropos Hamsik: Der war ab diesem Zeitpunkt als hängende Spitze zu finden, dort wo ihn der ÖFB-Betreuerstab offenkundig von Beginn an vermutete… Wieder hatte Weiss gut mitgedacht und Österreichs Bemühen mit der Umstellung der eigenen Offensive entgegengewirkt.

GEGEN ENDE

Stand 1:2 – nur für Momente ein mentaler Vorteil für Österreich, denn wer sich jetzt einen so genannten Sturmlauf erhoffte, wurde enttäuscht. Constantini hoffte natürlich darauf, dafür tat er allerdings in den letzten 30 Minuten nichts mehr.

Ganz im Gegenteil dazu sein Pendant. Weiss reagierte sofort und brachte mit Filip Sebo, dem Ex-Austrianer, nur eine Minute später seine persönliche Antwort auf das Gegentor auf das Feld. Der Stürmer, der für den agilen Mittelfeldspieler Guede kam, bewirkte nun auch eine Systemumstellung auf Seiten der Gäste – 4-5-1 statt 4-4-2. Sebo war die einzige Spitze, dahinter agierten Hamsik und bis zu seiner Auswechslung Weiss, auf den Seiten nun hauptsächlich Jendrisek (links) und Holosko (rechts). Kucka blieb bis Minute 79 der defensive Part im Mittelfeld. So spielten die Slowaken den Sieg ohne großen Aufwand nach Hause.

FAZIT

Kurzum: Österreich (Constantini) war hinsichtlich taktischer Ausrichtung schon vor dem Anpfiff einen Schritt hinter der Slowakei (Weiss) und blieb es auch die folgenden 90 Minuten lang. Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, erst in der Pause wechseln zu dürfen. Die Doppelsechs war überflüssig, darauf kann auch einmal früher reagiert werden. So wurde unnötig Zeit verschenkt. Und diese hat man im internationalen Fußball einfach nicht…

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