ÖFB-Team statt Ibiza

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Der Plan war schon längst geschmiedet. Mit Salzburg das Double holen und dann ab nach Ibiza.

„Den Urlaub habe ich mit Freude abgesagt“, grinst Valentino Lazaro.

Der 18-Jährige wird die kommenden Tage nicht auf der drittgrößten Insel der Balearen verbringen, um sich dort die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Seine nächste Destination ist Seefeld in Tirol.

Dort findet das Trainingslager des Nationalteams ab. Und der Teenager ist überraschend zum ersten Mal mit dabei (Kollers Begründung).

Lange Leitung

Wobei es für den Offensivspieler eine Überraschung auf Raten war. Es war für Teamchef Marcel Koller nämlich kein einfaches Unterfangen, Lazaro die Nachricht von der Einberufung zu überbringen.

Der Youngster schildert: „Mich hat eine Nummer, die ich nicht kannte, angerufen. Ich konnte den Anruf aber nicht entgegennehmen, weil gerade Training war. Als ich zurückgerufen habe, war die Mailbox des Teamchefs dran. Ich habe mir aber nichts weiter gedacht, weil kein Anruf mehr gekommen ist.“

„Beim nächsten Training hat mich Roger Schmidt gefragt, ob ich den Teamchef schon erwischt habe. Da habe ich mich auch noch gefragt, warum genau. Am nächsten Tag hat mich der Teamchef wieder versucht, zu erreichen. Ich war aber in einem Kurs und konnte wieder nicht abheben. In den Pausen habe ich immer versucht, zurückzurufen, aber wir haben uns drei, vier Mal verpasst. Irgendwann hat es dann aber doch geklappt.“

„Ich kann es immer noch nicht glauben“

Das ist mittlerweile einige Tage her. So ganz verarbeitet hat Lazaro die Sache aber noch nicht: „Ich kann es immer noch nicht glauben.“

Die erstmalige Einberufung ins A-Team ist für den jungen Mann die Krönung einer grandiosen Saison. Wobei alles mit einem Rückschlag begann. Ende Juni brach er sich den Mittelfußknochen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. „Davon war dann natürlich der Saisonstart geprägt.“

Doch es ging bergauf. Lazaro kämpfte sich zurück und wurde rechtzeitig zur U17-WM im Herbst wieder fit. Im Frühjahr startete er dann endgültig durch. „Da ist es mit zwei Toren und einem Assist gleich super losgegangen“, sagt er.

Im Endeffekt brachte er es auf elf Einsätze in der Bundesliga. Und holte nach 2011/12 zum zweiten Mal mit den „Bullen“ das Double: „Ich bin froh, dass wir unsere über weite Strecken herausragende Saison so abgeschlossen haben.“

„Alaba hat es auch nicht geschadet“

Wobei sie für ihn eben noch nicht vorbei ist. Dass seine frühe Einberufung ins ÖFB-Team nach insgesamt 16 Einsätzen in der höchsten Spielklasse, davon sechs in der Startelf, auch Kritiker auf den Plan ruft, kann er zum Teil nachvollziehen: „Ganz bereit fühle ich mich natürlich nicht. Mit 18 Jahren muss man noch viel Erfahrung sammeln. Mein Ärger darüber, wenn ich mal nicht spiele, zeigt aber, dass ich immer bereit bin, zu spielen.“

Das Talent erinnert sich in diesem Zusammenhang an einen anderen ÖFB-Teamspieler, der bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt seiner Karriere im Nationalteam mit von der Partie war: „Es ist früh, klar, aber David Alaba hat es auch nicht geschadet. Wobei die Fußstapfen natürlich riesengroß sind. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben.“

Nachsatz: „Ich habe mich schon ab und zu mit David unterhalten. Ich freue mich auf ihn. Er ist von seinem ganzen Werdegang her ein Vorbild.“

„Mal sehen, wo ich stehe“

Ansprüche stellt der „Bulle“ keine, höchstens an sich selbst: „Das sind die letzten Tests vor der EM-Qualifikation. Der Teamchef wird sich also alle Spieler genau ansehen. Für mich ist es eine riesige Chance, mich zu zeigen. Ich freue mich, dass ich mich beweisen darf. Mal sehen, wo ich stehe. Vielleicht reicht es ja für ein paar Minuten. Mich würde das extrem freuen.“

Ob und wenn ja, welches Aufnahmeritual man als Neuling im Nationalteam bewältigen muss, darüber hat er sich noch nicht informiert. Was aber so manchem Kicker den Schweiß auf die Stirn treiben würde, wäre für Lazaro kein Problem. „Ich singe gerne“, grinst er.

Harald Prantl

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