"Marc ist trotzdem sehr wichtig"

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"Sabitzer ist jung, dynamisch, will Tore schießen"

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Zusätzliche Alternativen gefunden, die bekannten Problemzonen „behalten“.

So in etwa lässt sich das 1:1 Österreichs gegen Island am Innsbrucker Tivoli zusammenfassen.

Während Akteure wie Marcel Sabitzer oder Stefan Ilsanker den Kreis potenzieller Startelf- beziehungsweise Kader-Kandidaten vergrößern, macht unter anderem die mangelnde Effizienz vor dem gegnerischen Tor weiter zu schaffen.

In seiner Nachbetrachtung lobte Teamchef Marcel Koller zudem Marko Arnautovic, monierte jedoch auch, dass seine Spieler über das Muss der EM-Qualifikation sprechen, ohne die Gruppen-Gegner wirklich zu kennen.

Außerdem: Gibt es überhaupt eine Alternative im Angriff zu Marc Janko?

MARCEL KOLLER...

…ANALYSIERT DAS ISLAND-SPIEL:

Das Gegentor fiel aus einer Standardsituation – ähnlich wie gegen Uruguay. Das kann immer mal passieren. Aber da hatten wir zu wenig Schärfe und Bewusstsein drin. Das müssen wir ganz klar ändern. Wir hatten in der zweiten Halbzeit genügend Möglichkeiten. Durch die vielen Wechsel war es spielerisch vielleicht nicht mehr so stark wie die erste Halbzeit, dafür hatten wir mehr Möglichkeiten, waren sicher das bessere Team. Aber es hat nicht gereicht. Das ist auch die Lehre, die die Spieler mitnehmen müssen, dass wir vor dem gegnerischen Tor mehr Ruhe und Abgeklärtheit brauchen, um Spiele gewinnen zu können.

…ÜBER DIE WICHTIGSTEN LEHREN AUS DEM ISLAND-SPIEL:

Dass wir auch mit neuen Spielern, einer anderen Mannschaft, einen guten Gegner dominieren konnten, der Playoff gespielt hat, der auch in der einen oder anderen Situation gezeigt hat, dass er Fußball spielen kann, der vor allem sehr kopfballstark ist und öfters mit langen Bällen gespielt hat. Ich denke, das haben sie gegen uns noch mehr getan als in den acht Spielen, die ich von ihnen gesehen habe. Das heißt, dass sie unter Druck waren. Wenn man unter Druck ist, muss man meistens einen langen Ball spielen. Das haben sie meistens auf den 9er (Kolbeinn Sigthorsson; Anm.d.Red.) gemacht. Der war extrem kopfballstark und präsent, und somit kein angenehmer Gegenspieler für unsere Innenverteidiger. Zudem haben wir Spieler gesehen, die durchaus für unseren Kader möglich sind. Das heißt, unser Kreis ist in dieser Woche wieder größer geworden. Wir haben mehr Auswahl. Sollte der eine oder andere mal verletzt oder nicht in Form sein, haben wir Alternativen.

…ÜBER DAS STARTELF-DEBÜT VON MARCEL SABITZER:

Sabitzer haben wir vor zwei Jahren als 18-Jährigen dazugenommen. Er hat einen großen Sprung gemacht, hat sich weiterentwickelt, hat körperliche Präsenz. Das war gestern auch so, er hat sich durchgesetzt. Er ist einer, der gewinnen will, der auch dementsprechend sauer ist, wenn es nicht so läuft und das auch zum Ausdruck bringt. Das brauchst du, gerade als Stürmer oder Offensivspieler. Da brauchst du Aggressivität und Zug nach vorne. Er hatte neben dem Tor noch zwei gute Möglichkeiten. Er wird sich mit 20 Jahren noch weiterentwickeln.

…DARÜBER, OB SABITZER MIT DEM JUNGEN LUKAS PODOLSKI, DEN KOLLER IN KÖLN ENTDECKTE, VERGLEICHBAR IST:

Das ist für mich schwierig, weil ich jeden Tag mit Podolski zusammengearbeitet habe, Sabitzer habe ich nur hier beim Team. Aber er macht einen guten Weg, ist jung, dynamisch, will Tore schießen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um einen Schritt weiterzukommen und um ein Offensivspieler zu werden, der die nötige Präsenz auf dem Platz hat.

…DAS DEBÜT VON STEFAN ILSANKER:

Ilsanker war gegen Uruguay erstmals mit dabei, in einer Trainingseinheit war er schwierig zu beurteilen. Ich wollte ihn jetzt noch einmal sehen. Man kann schon sagen, dass er sich sehr, sehr gut präsentiert hat. Er hat schon im Training das gezeigt, was er im Spiel auf den Platz gebracht hat. Das ist auch nicht immer normal, dass man im ersten Länderspiel gleich so eine Präsenz hat. Er hat mir gut gefallen.

…DARÜBER, WELCHE ALTERNATIVEN ES ZU MARC JANKO GIBT:

Das ist schwierig, weil wir auch sehen, wer international vorne als Stürmer mitspielt und regelmäßig Tore schießt. Es ist eine Situation, wo wir zusätzlich noch auf der Suche sind, aber alle wissen, was wir an Marc haben. Wir wussten auch, dass er aktuell nicht die riesige Spielpraxis hat, dass er auch angeschlagen war. Trotzdem ist er sehr wichtig für uns. Ich hoffe, dass er einen Klub findet, bei dem er eine gute Vorbereitung machen kann und dann fit ist. Im Moment gibt es für uns keine Alternative, wenn er fit ist.

…ÜBER DEN REIFEPROZESS VON MARKO ARNAUTOVIC:

Er ist sicher reifer geworden. Das hat er auch in England bei Stoke immer wieder gezeigt, wenn er den Ball mal bekam – am Anfang war das ja noch nicht so der Fall. Jetzt suchen sie ihn, und er übernimmt diese Verantwortung. Er ist ruhiger geworden. Ich habe von ihm auch verlangt, dass wir noch mehr Präsenz brauchen. Er hat das gut gemacht.

…DARÜBER, OB IHM ZWEI 1:1 IN FOLGE VOR DER QUALI NICHT EINMAL UNRECHT SIND, WEIL DAS FUSSBALL-LAND ÖSTERREICH SONST AUF WOLKE SIEBEN SCHWEBEN WÜRDE:

Es ist natürlich schon wichtig, das richtig einzuschätzen. Ich habe das Team gefragt, wer welche Spiele von unseren Gegnern in der EM-Qualifikations-Gruppe gesehen hat. Da kamen nur die Schweden. Von Russland, Montenegro, Moldawien und Liechtenstein hat keiner Spiele gesehen. Wie kann ich also über jemanden sprechen und locker sagen, wir müssen uns qualifizieren? Für mich ist wichtig, sich zuerst zu informieren und zu gucken, was möglich ist, um darüber sprechen zu können. Klar wollen wir alle zur EM, aber es wird nicht so einfach. In dieser Woche war es ähnlich. Nach dem Video-Studium haben wir ja auch von den Spielern gehört: „Island haben wir eigentlich anders eingeschätzt.“ Du siehst die TV-Bilder und merkst: Die können auch Fußball spielen. Der eine spielt bei Tottenham, der nächste bei einem anderen guten Verein. Es ist mittlerweile nicht mehr so, dass da nur Schafe gezüchtet werden, oder der Rasen gemäht wird oder du eine schöne Urlaubsreise dorthin machen kannst. Darum ist es notwendig, dass man sich zuerst informiert.

…ÜBER FEHLENDE EFFIZIENZ:

Wenn du gegen Uruguay nach der ersten Halbzeit 3:0 führst, bringst du es nach Hause. Wenn du die Tore nicht machst, wird es schwierig. Gegen Island genau das Gleiche: Wir sind nach dem Ausgleich zurückgekommen, haben Möglichkeiten, aber wir müssen Tore schießen. Da können wir noch kreuz und quer, rauf und runter diskutieren. Wenn du sie reinhaust, bist du dabei. Wenn nicht, schaust du zu.

…DARÜBER, OB MAN DIESE EFFIZIENZ LERNEN KANN:

Beim Team ist es schwierig. Das ist Klubarbeit, da musst du jeden Tag dahinter sein. Wenn du ihnen jeden Tag auf die Füße trittst, wenn einer vor dem Tor zu locker ist, kannst du eingreifen. Wir hatten jetzt ein paar Tage die Möglichkeit dazu. Im Training haben sie es gut gemacht, im Spiel ist es etwas anderes. Dazu kommen sicher Reife, Erfahrung und Ruhe. Es ist aber auch international so: In jedem Spiel werden Torchancen vergeben. Keine Mannschaft nutzt bei jedem Spiel 100 Prozent ihrer Torchancen aus.

…ÜBER DAS TSCHECHIEN-SPIEL:

Wir werden sicher den einen oder anderen Wechsel vornehmen. Ich habe neun Spiele von Tschechien angeschaut, in denen drei Teamchefs für das Team zuständig waren. Sie haben diesmal nicht alle Legionäre dabei. Das macht die Sache für uns schwieriger, weil wir die Spieler nicht so kennen. Das ist jedoch eine Komponente, auf die man sich einstellen muss. Das heißt, wir müssen grundsätzlich mehr auf uns schauen und versuchen, unser Spiel auf den Platz zu bringen, Situationen zu analysieren und entsprechend umzusetzen. Da haben wir sicher noch Potenzial. Da geht es auch um Kleinigkeiten, wie dass man mehr miteinander spricht, sich gegenseitig mehr unterstützt.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

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