"Vieles ist komplett anders"

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"Dass ich beim ÖFB dabei bin, ist das i-Tüpfelchen"

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Die Möglichkeit einer Blockbildung hat es im ÖFB-Team schon länger nicht mehr gegeben.

Diesmal bestünde für Teamchef Marcel Koller die Möglichkeit, auf einige Elemente der Erfolgssaison von RB Salzburg zurückzugreifen.

Da Christoph Leitgeb und Andreas Ulmer aufgrund diverser Verletzungsprobleme im Saisonverlauf bereits nach dem Island-Spiel in den Urlaub starten, müsste er dies wohl gegen die Insel-Kicker machen.

Mit Martin Hinteregger, Valentino Lazaro, dem zukünftigen Stuttgart-Legionär Florian Klein und Stefan Ilsanker stehen weitere Double-Gewinner parat.

„Ich hoffe natürlich aufs Debüt“

Letzterer fiebert einer etwaigen Bewährungsprobe im Nationalteam entgegen: „Ich hoffe natürlich aufs Debüt. Aber ich bin einer von den Neuen, muss mich erst beweisen, versuche den Stammspielern ein bisschen Druck zu machen. Dafür gebe ich im Training immer 100 Prozent.

Die Einberufung in die ÖFB-Auswahl betrachtet Ilsanker als die Krönung einer außergewöhnlichen Saison, die auch für ihn persönlich „fantastisch“ gelaufen sei: „Ich habe mich richtig weiterentwickeln können. Dass ich jetzt auch beim ÖFB dabei bin, ist das i-Tüpfelchen.“

Diesmal hat der defensive Mittelfeldspieler während eines langen Trainingslagers die Gelegenheit, dem Teamchef sein Können unter Beweis zu stellen. Beim Kurzlehrgang für das Testspiel gegen Uruguay im März wurde er nachnominiert. Damals schnappte sich Koller den 25-Jährigen zu einem Vier-Augen-Gespräch, um ihn mit den Eckpunkten seiner Philosophie vertraut zu machen.

„Beim Team wird viel über den Sechser gespielt“

Ob die Unterschiede zu jener bei den „Bullen“ groß seien? „Es überschneidet sich viel, vieles ist aber auch komplett anders“, verdeutlicht Ilsanker und nennt ein Beispiel:

„Beim Team geht es im Ballbesitz um einen geordneten Spielaufbau, es wird viel über den Sechser gespielt. In Salzburg schauen wir, dass wir den Ball so schnell wie möglich – auch mit viel Risiko – in die vorderste Reihe bringen, legen nicht so viel Wert auf Ballbesitz, sondern eher darauf, dass wir ganz schnell nach vorne kommen.“

Damit ändert sich naturgemäß auch für den Sechser einiges. Im Falle eines Einsatzes sei im Nationalteam mit mehr Ballkontakten als bei den Mozartstädtern zu rechnen:

„Es hat in Salzburg Spiele gegeben, gerade international, in denen ich von den Innenverteidigern kaum angespielt worden bin, weil wir probiert haben, ganz schnell auf die Stürmer oder unsere Zehner zu spielen. Wir waren hauptsächlich dafür da, die Bälle zurückzugewinnen und im Gegenpressing neue Chancen zu kreieren.“

Warten auf Beförderung

Dass mehrere Vereinskollegen ins Camp in Seefeld eingerückt sind, hilft jedoch nicht nur auf dem Platz, sondern abseits davon: „Wenn ich eine Frage habe, wissen sie einfach schon mehr, worauf der Teamchef wert legt, worauf man achten soll. Wobei ich viele von der U21 kenne, mit anderen wie Marc Janko habe ich zusammengespielt. Es ist mir ziemlich leicht gefallen, mich zu integrieren.“

In jüngeren Jahren durchlief Ilsanker sämtliche Nachwuchs-Auswahlen, gehörte unter anderem wie Marko Arnautovic und Julian Baumgartlinger dem Kader bei der U19-Heim-EM 2007 an, galt in diesem Alter als einer der Leistungsträger.

Ob er damals mit einem schnelleren Sprung ins A-Team spekuliert hätte? „Man hofft’s natürlich immer. Aber mit Jugend-Nationalteams ist es immer so eine Sache. Du hast einen Kader von 22 Leuten und jeder will so schnell wie möglich A-Team spielen. Aber es können nicht jedes Jahr 20 Neue nachrücken. Aber du hoffst natürlich darauf, dass du einer von denen bist, die so schnell wie möglich oben dabei sind.“

Der wichtige Umweg

Warum es beim gebürtigen Salzburger ein wenig länger gedauert hat, ist kein Geheimnis. Da man bei RBS vor einigen Jahren noch kaum auf Talente aus dem eigenen Nachwuchs setzte, musste er den Umweg über Mattersburg einschlagen.

„Das war damals eine ganz schwierige Situation. Ich habe mich schon bereit gefühlt für die erste Mannschaft in Salzburg, habe aber immer wieder ausländische Spieler vorgesetzt bekommen, die meiner Meinung nach nicht die Qualität hatten. Ich will keine Namen nennen, aber das war enttäuschend. Irgendwann war ich dann ein bisschen frustriert und habe einen anderen Weg gehen müssen. Die Station Mattersburg hat mir gut getan. Ich konnte Bundesliga spielen und mich beweisen“, erinnert sich Ilsanker.

Seit der Rückkehr in die Heimat erfolgte der nächste große Leistungsschub, woran auch der scheidende Trainer Roger Schmidt durch sein Vertrauen einen großen Anteil habe: „Es war damals nicht abzusehen, dass ich Stammspieler werde. Ich habe mir das hart erarbeitet und letztendlich auch mit guten Leistungen zurückgezahlt.“

Champions League statt Ausland

Im Laufe der Frühjahrs-Saison hat der 25-Jährige seinen Vertrag bei Salzburg bis 2018 verlängert – mit einem auf der Hand liegenden Ziel: „So eine gute Mannschaft wie jetzt hatten wir in Salzburg noch nie. Die Chancen stehen so gut wie nie, dass wir Champions League spielen. Wir haben eine super Philosophie und auch die richtigen Leute dafür.“

An das Thema Ausland möchte Ilsanker deshalb im Moment nicht einmal einen Hintergedanken verschwenden: „Es bringt nichts, wenn ich drei Jahre vorausdenke. Ich kann nur jetzt meine Leistung bringen.“

Und dies in Zukunft im Idealfall nicht nur bei Red Bull Salzburg, sondern auch bei weiteren Bewährungsproben im Nationalteam.

Peter Altmann

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