Koller: "Gehe nicht automatisch von Sieg aus"

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„Bremen beschäftigt mich momentan nicht so sehr. Ich konzentriere mich auf die Tage beim Nationalteam und versuche, wieder ein bisschen Spaß am Fußball zu finden“, erklärte Zlatko Junuzovic beim offiziellen ÖFB-Medientermin.

„Und, schon gefunden?“, warf ÖFB-Teamchef Marcel Koller grinsend ein. „Natürlich“, antwortete der Werder-Legionär artig.

Ein sinnbildlicher Dialog. Einige Leistungsträger des Nationalteams sind nicht gerade vollgepumpt mit Selbstvertrauen zum Camp im Hinblick auf die beiden WM-Qualifikations-Spiele gegen Färöer und Irland nach Wien gereist.

Koller hat daher alle Hände voll zu tun, die Grundstimmung einzelner Schützlinge wieder zu heben. Wie bereits am Montag angedeutet, lautet die Devise, den Alltag beiseite zu schieben.

Fuchs: „Bin wieder am Zurückkommen“

„Es gilt die Konzentration nicht auf das, was im Verein ist, zu richten. Dort ist die Stimmung aus Spielersicht vielleicht ein bisschen negativ, weil er nicht spielt. Es gilt, sich zu freuen, hier dabei zu sein. Wenn man viel Freude und Spaß hat, kann man auch sehr viel bewirken“, erklärt der Schweizer.

Dem kann Christian Fuchs nur zustimmen. Der ÖFB-Kapitän hatte bei Schalke zuletzt ebenfalls Probleme. Der Rücken zwickte, das eine oder andere Mal hieß es auf der Bank Platz zu nehmen.

Beim Champions-League-Out gegen Galatasaray hat er jedoch wieder eine Halbzeit und beim darauffolgenden 0:3 in Nürnberg über die volle Distanz gespielt. „Ich bin also wieder am Zurückkommen“, betont der Niederösterreicher, der dem Abstecher in die Heimat dennoch nur Positives abgewinnen kann:

„Es ist jeder dankbar, wenn er ein bisschen Abwechslung hat, beim Nationalteam auf neue Gedanken kommt, neue Gesichter sieht. Das kann schon eine positive Wirkung auf jeden einzelnen haben. Wenn ich sehe, wie im Training jeder mit Fleiß und Ehrgeiz dabei ist, mache ich mir keine Sorgen.“

Färöer darf kein Gradmesser sein“

Das Heimspiel gegen die Färöer sollte zudem seinen fairen Anteil zu steigender Laune betragen, sofern alles nach Plan läuft. Will Österreich ernsthaft um die WM-Qualifikation mitreden, dürfen die Insel-Kicker nicht zum Stolperstein werden.

Das sieht auch Fuchs so: „Wir haben ein Ziel vor Augen, wollen etwas erreichen, da darf Färöer – bei allem Respekt – nicht der Gradmesser sein. Zu Hause wollen wir schon gewinnen.“

Auch für Koller ist ein Sieg der „Anspruch, ganz klar. Aber wir sagen nicht, wir fahren locker drüber und putzen sie aus dem Stadion.“

„Gehe nicht automatisch vom Sieg aus“

Der 52-Jährige setzt vielmehr auf eidgenössische Zurückhaltung, man müsse sich auch gegen einen Underdog die drei Punkte erst erarbeiten:

 „Ich gehe nicht automatisch vom Sieg aus. Wir wissen, dass sie gut verteidigen können. Dann ist es einfach Arbeit. Wir müssen sie beschäftigen, geduldig sein, den Druck permanent hochhalten, zielstrebig und konsequent sein. Wir können nicht davon ausgehen, locker einen Sieg einzufahren.“

Auch wenn die Färinger natürlich ein denkbar großer Außenseiter sind, begegnet Koller den Fortschritten des Kontrahenten mit Respekt: „Wenn man das ein bisschen verfolgt, haben sie speziell in Heimspielen gute Ergebnisse erzielt. Das liegt nicht nur am Wetter dort, sondern spricht auch für das Team, dass sie gut organisiert sind und in den letzten Jahren Fortschritte gemacht haben.“

Gänzlich unbekannt ist die Spielweise der Färöer für einige rot-weiß-rote Kadermitglieder nicht. Schon in der Qualifikation für die WM in Südafrika gab es zwei Kräftemessen – einem blamablen 1:1 in Torshavn folgte ein 3:1-Sieg in Graz.

Frühes Tor erwünscht

Damals gelang der Führungstreffer durch Stefan Maierhofer bereits in der 1. Spielminute, das ideale Mittel um einen tief am eigenen Sechzehner stehenden Gegner zu knacken.

Auch diesmal wolle man so schnell wie möglich ein Tor schießen, betont Fuchs, ansonsten könne man die jetzige Situation mit den beiden Spielen von damals nicht vergleichen, auch aufgrund der eigenen Fortschritte: „Ich denke, dass wir als Nationalmannschaft eine positive Entwicklung genommen haben.“

Nach den beiden Testspiel-Niederlagen gegen die Elfenbeinküste und in Wales gilt es dies nun in einem Pflichtspiel zu beweisen.

Bremer Turbulenzen

Daraus, welches Personal dies erledigen soll, macht Koller vorerst ein Geheimnis. Gut möglich jedoch, dass Junuzovic auch am Spielfeld wieder Spaß finden darf.

Der 25-Jährige zählt zwar zu jenen Legionären, die regelmäßig zum Einsatz kommen, dafür lief es in Bremen zuletzt sportlich überhaupt nicht. In den letzten beiden Partien musste er zudem seine Aufgabe als Sechser zugunsten der ungeliebten Rolle am rechten Flügel abgeben.

„Momentan haben wir viele Turbulenzen im Team, wir müssen uns erst wieder finden“, berichtet der Ex-Austrianer.

Kein Wunder, dass der Fokus vorerst auf der ÖFB-Auswahl liegt.

Peter Altmann

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