"So etwas wie 1990 brauche ich nicht noch mal!"

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Marcel Koller kann durchaus auch emotional werden. So emotional wie vermutlich noch nie in der Öffentlichkeit während seiner Amtszeit.

Als ein Medienvertreter bei der donnerstägigen Abschlusspressekonferenz im Hinblick auf das WM-Qualifikations-Spiel gegen die Färöer die Frage nach einem „Schützenfest gegen die Schafzüchter“ stellte, wurde der ÖFB-Teamchef für seine Verhältnisse ungewohnt laut.

Solche Respektlosigkeiten sind nicht seine Sache. Innerhalb des ÖFB-Teams sei diese Art von Überheblichkeit ohnehin tabu: „Wenn ich so etwas höre oder feststelle, muss ich dazwischen gehen!“

„Wir wissen, dass Österreich in diesem Bereich ja eine Vergangenheit hat. Wenn ich jetzt gelesen habe, was 1990 war – das brauche ich nicht noch mal! Wenn du mit so einer Einstellung auf den Platz gehst, ist das die falsche! Der Fußball hat sich weiterentwickelt. Vom Läuferischen und vom Taktischen her, haben sich auch die Färöer weiterentwickelt“, stellte Koller klar.

„Nicht nur von Qualität sprechen, sondern sie auf den Platz bringen“

Dass gegen die Nummer 153 der FIFA-Weltrangliste drei Punkte Pflicht sind, ist jedoch auch dem Schweizer klar.

Dafür sei die richtige Einstellung von Nöten. Koller fordert von seinen Schützlingen eindringlich, dass sie nach zwei Test-Pleiten in diesem Pflichtspiel endlich ihr Können unter Beweis stellen:

„Wir müssen die Qualität abrufen! Nicht nur davon sprechen, sondern sie auf den Platz bringen! Es ist seit über 100 Jahren so: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Wenn man nach dem Spiel vor der Presse steht und sagt, dieses und jenes habe gefehlt, sind wir zu spät dran. Beim Anpfiff muss ich das abrufen! Das sind Profis, die wissen, dass ich das nicht nach 20 Minuten oder einer halben Stunde abrufen muss, sondern von der ersten Sekunde an! Bis zum Abpfiff!“

Erst wenn der Schiri abpfeift, könne man vom Gaspedal gehen: „Das muss jedem bewusst sein. Sonst muss man nachher Ausreden bringen – das können wir nicht gebrauchen!“

Torhüter-Entscheidung noch geheim

Welches Personal seine Vorgaben umsetzen soll, ließ Koller wie gewohnt offen. Er verriet lediglich, dass Julian Baumgartlinger fraglich sei, da er im Training einen Schlag auf den Fuß bekommen habe.

Die Entscheidung bezüglich des Torhüters hat das Trainer-Team bereits getroffen. Da sie den Spielern noch nicht mitgeteilt wurde, bleibt sie geheim. Favorit auf das Einser-Leiberl ist Austria-Keeper Heinz Lindner, doch auch Ingolstadt-Legionär Ramazan Özcan scheint Chancen zu haben.

In der Abwehr könnte György Garics rechts für Florian Klein in die Startelf zurückkehren. In der Innenverteidigung lautet die Frage, ob Koller weiter auf die Stammkräfte Sebastian Prödl und Emanuel Pogatetz setzt, die zuletzt bei ihren jeweiligen Vereinen nur unregelmäßig zum Zug gekommen sind, oder ob Aleksandar Dragovic eine Bewährungsprobe erhält.

Der Teamchef schwieg sich diesbezüglich aus, hielt nur fest, dass der Basel-Legionär ein Spieler sei, den man jederzeit bringen kann.

Alaba bleibt im Mittelfeld

Im zentralen defensiven Mittelfeld ist David Alaba gesetzt. Ihn wie bei den Bayern links in der Abwehr aufzubieten, bleibt für Koller vorerst kein Thema:

„David ist im Zentrum mit seiner Spielintelligenz und seinem schnellen Kopf sehr wichtig, weil er Situationen schnell wahrnehmen kann. Zudem hat er eine gute Technik. Darum spielt er bei uns diese Position. Links in der Abwehr haben wir mit Christian Fuchs und Markus Suttner zwei hervorragende Leute.“

Wer an seiner Seite auflaufen wird, erscheint offen. Da Baumgartlinger fraglich ist und auch Veli Kavlak bei Besiktas zuletzt mit einer Blessur zu kämpfen hatte, wäre es eine Variante, Zlatko Junuzovic eine Etappe zurückzuziehen – eine Rolle, die der 25-Jährige von seinem Arbeitgeber Werder Bremen her intus hat.

Janko oder Hosiner?

In der offensiven Dreierreihe bieten sich die Stammkräfte Marko Arnautovic und Andreas Ivanschitz an. Die Topform von Andreas Weimann könnte sich mit einer Nominierung am rechten Flügel niederschlagen. Martin Harnik laborierte zuletzt an einer Grippe.

Im Sturm-Zentrum spricht trotz der Probleme bei Trabzonspor vieles für Marc Janko, auch wenn vielerorts Austria-Goalgetter Philipp Hosiner gefordert wird.

Koller zurückhaltend: „Nicht nur Philipp hat sich reingehauen, jeder Spieler versucht sich aufzudrängen. Wir entscheiden von der Ausrichtung und Taktik her, wer am Platz steht.“

Wer auch immer Grünes Licht für einen Platz in der Startformation erhält, die Vorgabe ist klar: „Der Ansatz ist, sowohl über außen als auch durch die Mitte zu kommen – wir müssen die Lücke suchen und schlussendlich finden, egal ob innen oder außen.“

Keine Überheblichkeit

Läuferisch und konditionell werde der Gegner keine Probleme haben. Deshalb müsse man den Druck permanent hochhalten und sehr genau agieren:

„Präzision ist wichtig. Wenn der Gegner tief steht, braucht man schnelle Ballzirkulation, muss mit zwei, drei Ballkontakten Lösungen finden, schauen, dass man viel in Bewegung ist. Wir haben dem Team einige Varianten mitgegeben, was man gegen einen kompakt stehenden Gegner machen kann. Wir hoffen, dass es die Spieler auf dem Platz umsetzen.“

Alles in allem ist Koller jedoch zuversichtlich. Innerhalb des Kaders spüre er eingangs erwähnte Überheblichkeit nämlich nicht.

Die Einschätzung des Eidgenossen: „Es herrscht gute Stimmung, aber das hat nichts damit zu tun, das man den Gegner unterschätzt und sich sagt: ‚Die putzen wir weg!‘“

Peter Altmann

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