LAOLA1-Analyse: Die Teamchef-Kandidaten

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Österreich stellt sich eine große Frage: Wer wird neuer Teamchef?

Wenngleich der ÖFB noch nicht einmal ein Anforderungsprofi erstellt hat, brodelt die Gerüchteküche bereits gewaltig.

Arbeitslose Trainer bringen ihre Namen selbst ins Spiel, andere Kandidaten liegen sowieso auf der Hand und so manches Medium forciert seine Favoriten.

LAOLA1 analysiert elf Kandidaten, die als Nachfolger von Didi Constantini gehandelt werden:

FRANCO FODA:

Das spricht dafür: Sturms Meistermacher wird allgemein als Topfavorit für das Constantini-Erbe genannt. Zwar gibt es noch kein Anforderungsprofil, der Deutsche könnte selbigem jedoch gut entsprechen: Er ist erfolgreich, taktisch geschickt und weiß, wie man trotz geringerer Möglichkeiten reüssiert. Die Kombination aus kompakter Defensive und effizientem Spiel nach vorne, wie er aktuell bei Sturm spielen lässt, könnte gut zum ÖFB-Team passen.

Das spricht dagegen: Ob eine Station als ÖFB-Teamchef in die Karriereplanung Fodas passt, ist fraglich. Als Ziel des 45-Jährigen gilt der Sprung in die deutsche Bundesliga. Fodas Vertrag in Graz läuft bis 2012, er müsste also herausgekauft werden.

Fazit: Foda geht als Topfavorit ins Teamchef-Rennen. Die große Frage ist, ob er es auch als Erster beenden will.

ANDREAS HERZOG:

Das spricht dafür: Herzog wurde als U21-Teamchef installiert, um eigene Erfahrungen als Chefcoach zu sammeln. Die Bilanz fällt bislang durchschnittlich aus. Als früherer Hickersberger- und Brückner-Assistent und jetziger Nachwuchs-Coach kennt er alle ÖFB-Kicker bestens, wüsste, wo die Hebel anzusetzen sind. Bräuchte wenig Einarbeitungszeit und wäre topmotiviert zu beweisen, dass er diesem Job gewachsen ist.

Das spricht dagegen: 2008 wurde ihm Brückner vorgezogen, 2009 Constantini. Wenn der ÖFB wirklich mit Herzog als Teamchef planen würde, hätte man ihn sofort präsentieren können. Das Vertrauen scheint also enden wollend.  Wird das Label der Unerfahrenheit seit Jahren nicht los.

Fazit: Laut Windtner gehört Herzog zum „Pool“ an Kandidaten. Kommt der  ab Samstag 43-Jährige wieder nicht zum Zug, sollte er sich wohl über einen ÖFB-Abschied Gedanken machen, ehe er zur ewigen „eisernen Personalreserve“ verkommt.

PAUL GLUDOVATZ:

Das spricht für ihn: Der 65-Jährige ist der geborene Verbands-Trainer, hat bis 2008 seine gesamte Karriere beim ÖFB verbracht, kennt diesen also wie seine Westentasche. Zudem sind ihm die Gegebenheiten im heimischen Fußball bestens geläufig. Und mit Gerhard Schweitzer stünde auch gleich der ideale Co-Trainer parat. Guter Draht zu den Spielern.

Das spricht gegen ihn: Der Burgenländer hat im ÖFB ungefähr so viel Lobby wie Atomkraftwerke in Österreich. Solange Gigi Ludwig Generaldirektor des Verbands ist, ist ein Engagement praktisch ausgeschlossen.

Fazit: Wenngleich viele Fans Gludovatz favorisieren, ist eine Realisierung der Lösung überaus unwahrscheinlich.

KURT JARA:

Das spricht für ihn: Der 60-Jährige hat sich bereits als Teamchef angetragen. Wenn ihn der ÖFB tatsächlich haben will, würde er auch kommen. Darüber hinaus kennt der Tiroler die Bundesliga sehr gut.

Das spricht gegen ihn: Jara ist seit über fünf Jahren, als sich RB Salzburg von ihm getrennt hat, arbeitslos. Außerdem ist fraglich, ob der ÖFB nach Didi Constantini erneut einen Coach aus der älteren österreichischen Garde holen will.

Fazit: Auch wenn Jara den Job nur zu gerne machen würde, stehen seine Chancen schlecht. Er ist krasser Außenseiter.

CHRISTOPH DAUM:

Das spricht dafür: Auch wenn seine Glanzzeit vorüber scheint, kann man dem 57-Jährigen einen erfolgreichen Lebenslauf nicht absprechen. Führte Stuttgart, Besiktas, Fenerbahce und die Austria zum Meistertitel. Schätzt Wien seit seiner Zeit am Verteilerkreis, kennt daher auch die teils speziellen österreichischen Begebenheiten.

Das spricht dagegen: Vor 25 Jahren startete Daum ohne nennenswerte Vita als Kicker seine Trainer-Karriere und brachte frisches Blut in die Szene. Inzwischen scheint er selbst von der Nachfolge-Generation überflügelt zu werden. So scheiterte er beispielsweise im Frühjahr an der Mission, Frankfurt zu retten. Sein Gehalt fiele zudem in die Preiskategorie gehobener Sorte.

Fazit: Einseitig medial gepushte Kandidatur. Eine Kokainaffäre verhinderte 2001, dass er deutscher Teamchef wurde. Würde er dieses Amt in Österreich bekleiden, wäre dies eine Überraschung…

OTTO REHHAGEL:

Das spricht für ihn: Die Österreich-Affinität des Deutschen ist bekannt. An internationaler Erfahrung mangelt es dem 73-Jährigen keineswegs. Zudem hat er mit Griechenland bewiesen, dass er mit einem Underdog-Team zum Erfolg kommen kann. Und er pflegt engen Kontakt zu U21-Coach Andi Herzog.

Das spricht gegen ihn: Attraktiver Fußball ist unter dem Europameister von 2004 nicht zu erwarten. Rehhagel ist von Spielsystem und -anlage her nie so richtig im 21. Jahrhundert angekommen.

Fazit: Der Essener wäre ein prominenter Name, der sich gut verkaufen ließe. Ein moderner Trainer sieht aber anders aus.

MARCO PEZZAIUOLI:

Das spricht dafür: Der 42-Jährige gehört der Generation junger, deutscher Konzepttrainer an. Für den DFB, der großen Wert auf Kompetenz legt, arbeitete er in diversen Nachwuchsauswahlen als Teamchef, 2009 führte er die U17 zum EM-Titel. Kennt daher die Erfordernisse, die an einen Verbands-Coach gestellt werden. Würde eine strategischere Herangehensweise als bisher gewohnt garantieren.

Das spricht dagegen: Da Pezzaiuoli im Frühjahr bei seiner ersten Station als Bundesliga-Trainer in Hoffenheim gescheitert ist, lässt er sich der Öffentlichkeit kaum verkaufen. Hat null Lobby in Österreich.

Fazit: Signalisierte Interesse, in Wahrheit jedoch chancenlos. Dass der ÖFB den Mut aufbringt, einen ausländischen No-Name zu installieren, darf stark bezweifelt werden.

THORSTEN FINK:

Das spricht für ihn: Der 43-Jährige ist ein moderner Trainer, der solide Arbeit leistet. Von September 2006 bis Jänner 2008 war er in Salzburg tätig, er kennt die Bundesliga also gut. Und er hat einen Namen, der den heimischen Fans ein Begriff ist.

Das spricht gegen ihn: Der Deutsche hat beim FC Basel derzeit einen guten Job, wurde 2011 auch Schweizer Meister. Sein Vertrag läuft noch bis 2013, weshalb es schwierig werden könnte, ihn loszueisen.

Fazit: Fink ist ein junger, hungriger Trainer, der als ÖFB-Teamchef gut vorstellbar wäre. Über die Machbarkeit lässt sich jedoch streiten.

LARS LAGERBÄCK:

Das spricht für ihn: Der Schwede hat Verbands-Erfahrung, war in seiner Heimat von 1990 bis 2009 als Nationaltrainer tätig – zuerst im Nachwuchs, dann beim A-Team. Er weiß, wie man eine Nationalmannschaft erfolgreich durch eine Quali führt. Der Skandinavier hat außerdem mit österreichischen Seilschaften nichts am Hut, könnte den Job unvoreingenommen antreten. Und kennt WM-Quali-Gegner Schweden wie kein anderer.

Das spricht gegen ihn: Nach seinem Schweden-Engagement wurde der 63-Jährige nigerianischer Teamchef, wo er weitaus weniger Erfolg hatte. Ob er abseits seiner Heimat erfolgreich sein kann, muss er erst unter Beweis stellen.

Fazit: Lagerbäck wäre zwar nicht der ganz große Name, aber sicher eine gute Lösung, die auch aus finanzieller Hinsicht machbar ist.

SRECKO KATANEC:

Das spricht für ihn: Der 48-Jährige hat geschafft, wovon Österreich seit geraumer Zeit träumt. Als slowenischer Teamchef qualifizierte er sich für die EURO 2000 und die WM 2002. Auch als Mazedonien-Coach fuhr er immer wieder beachtliche Erfolge ein.

Das spricht gegen ihn: Der Coach aus Ljubljana ist nicht der einfachste Charakter, immer wieder legte er sich mit seinen Vorgesetzten an.

Fazit: Katanec ist eben erst als Teamchef der Vereinten Arabischen Emirate zurückgetreten, wäre also zu haben. Ob ihn der ÖFB auf der Rechnung hat, ist aber mehr als fraglich.

LOUIS VAN GAAL:

Das spricht dafür: Es sind aktuell nicht allzu viele vom Kaliber des Holländers am Markt, die bis vor kurzem erfolgreich gearbeitet haben, schon über Teamchef-Erfahrung verfügen (2000 bis 2002 in seiner Heimat Holland) und auch der deutschen Sprache mächtig sind. Hat ein Auge für Talente. Könnte zudem mit seiner kompromisslosen Art im ÖFB aufräumen.

Das spricht dagegen: Ob ein Trainer, der es gewohnt ist, auf dem Niveau von Barcelona oder Bayern zu arbeiten, damit zurechtkäme, über weniger hochklassiges Spielermaterial zu verfügen? Sein bevorzugtes Positionsspiel wäre tendenziell schwerer umsetzbar. Außerdem kaum denkbar, dass der ÖFB den 60-Jährigen finanzieren könnte.

Fazit: Fragen kostet nichts. Ob Interesse besteht, könnte der ÖFB ja erkunden. Van Gaal verkündete zu seiner Bayern-Zeit zwar, dass er gerne noch einmal Teamchef werden würde – an Österreich hat er damals wohl nicht gedacht…

Harald Prantl/Peter Altmann

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