Die heißeste Aktie der 1. Liga

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"Die Wiener Klubs sind aufmerksam geworden"

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Da soll noch einer sagen, der Cup sei nicht attraktiv.

Die Partie Kapfenberg gegen LASK war echte Werbung für das Stiefkind im österreichischen Fußball. Doch sahen das 5:3 der Hausherren gegen den Erste-Liga-Rivalen und Tabellenführer nur rund 650 Zuschauer.

Die hatten ihr Kommen gewiss nicht bereut, beide Teams hatten ihren Torriecher geschärft und so ging es hin und her. Der LASK führte bereits 3:1, doch am Ende setzten die "Falken" mit 5:3 zum Höhenflug an.

Irrer Cup-Fight von Kapfenberg

"Es war ganz wichtig, dass wir nie aufgegeben haben. Die Mannschaft hat an sich geglaubt und sie hat ihre Chancen genutzt", freute sich Trainer Kurt Russ, dessen Team auch von der Roten Karte gegen Shawn Barry profitierte und nun im Cup-Viertelfinale steht.

"Die Rote Karte war eine Frechheit, das war ein Foul an Barry", zeigte sich Christopher Drazan über die Entscheidung von Schiedsrichter Sebastian Gishamer - gelinde gesagt - enttäuscht.

"Die hat uns Aufwind gegeben", wusste wiederum Andreas Lasnik. Bereits zuvor hatte Kapfenberg binnen einer Minute das 1:3 aufgeholt.

"Wir müssen cleverer spielen und dürfen nicht so dumme Tore kassieren", suchte Drazan auch bei sich Fehler. So auch Trainer Karl Daxbacher: "Es war ungewöhnlich, dass wir so fehleranfällig waren."

Der Mann des Spiels: Ronivaldo Bernardo Sales

Die Fehler wurden vor allem von einem ausgenützt, dem Mann des Spiels: Ronivaldo Bernardo Sales.

"Er ist einfach gut und die Lebensversicherung für Kapfenberg", lobte Daxbacher den Stürmer der Obersteirer, die dem LASK im dritten Saisonduell fünf Treffer einschenkten. Am Mittwochabend waren es vom Brasilianer deren drei.

"Es war ein perfekter Tag für mich", strahlte der 25-Jährige bis über beide Ohren nach seiner Gala gegen den Favoriten aus Linz.

Mit seinen - bewerbsübergreifend - Saisontoren 13, 14 und 15 ist seine Aktie freilich gestiegen. Der Führende in der Torschützenliste der Ersten Liga hat freilich das Interesse einiger Klubs bereits geweckt.

Bereits im Sommer wollte ihn die SV Ried, auch bei Lokalrivale Sturm sollen Begehrlichkeiten geweckt worden sein. Und nicht nur dort.

"Die Wiener Klubs sind auch schön langsam aufmerksam geworden", verrät Präsident Erwin Fuchs.

Ruf der zweiten deutschen Liga?

Und nicht zuletzt sollen Klubs aus der zweiten deutschen Bundesliga dran sein. Russ traut seinem Schützling, der von einem brasilianischen Viertligisten kam, diesen Sprung durchaus zu.

"Wenn sich beispielsweise ein Lukas Hinterseer durchsetzen kann, dann sicher auch ein Ronivaldo. Nichts gegen Lukas, aber die Klasse hat er einfach. Auch mit seiner Sprungkraft und Dynamik, die er hat. Er hat alles, da ist er nicht aufzuhalten.", zeigt sich sein Trainer euphorisch.

"Beim 2:3 hat er genau gewusst, wo der Tormann steht und den Ball schön drübergelupft. Beim 4:3 hat er beim Kopfball Hieblinger übersprungen", würdigte Daxbacher die Qualitäten seines Kontrahenten.

Zuhause statt Disco

Ronivaldo war in diesem Spiel überall zu sehen, strahlte enorme Spielfreude aus und war auch bei den Interviews natürlich gut aufgelegt.

"Mein Kopf ist in Kapfenberg. Es geht darum, für das nächste Spiel zu arbeiten", macht sich der begehrte Stürmer keine großen Gedanken über die Zukunft, die auch sein Berater einer internationalen Agentur mitentscheidet.

"Es wird bald eine Entscheidung geben", sagt der Protagonist, der auch gerne hierzulande bleiben würde.

"Mir gefällt es in Österreich sehr gut, ich würde auch gerne dableiben, nur wo, wissen wir noch nicht."

Deutschland dürfte allerdings präsenter sein, als man glaubt, wenn Fuchs sagt: "Wenn er die Chance bekommt und vor 30.000 oder 40.000 Leute spielen kann, dann würde ich es nicht übers Herz bringen, ihn nicht ziehen zu lassen."

Klar ist, das Umfeld muss für den Spieler passen. Denn Ronivaldo ist privat ein ganz ruhiger Typ. Kein Discogänger, sondern jemand, der lieber zu Hause bleibt.

"Auf ihn kannst du dich verlassen"

Russ: "Da sagst du normalerweise nicht, dass das ein Fußballer ist. Der ist lieber daheim, trinkt keinen Alkohol, auf den kannst du dich verlassen. Da brauchst du nie Angst haben, dass einmal etwas passiert. Das Heimweh haben alle Brasilianer, das ist ihre Mentalität, aber er hat heute ja unglaubliche Freude ausgestrahlt. Man hat sie richtig gemerkt."

Seinem Coach ist wichtig, dass auch der nächste Klub für Ronivaldo passt - und für alle andere Seiten.

"Wenn alle Seiten zufrieden sind, dann musst du ihn ohnehin gehen lassen, weil wenn er unzufrieden ist, bringt es nichts. Dann hat keiner etwas davon."

Die Zeichen stehen aus diversen Gründen auf Abschied im Winter. Vor allem nach dieser Show ist klar: Ronivaldo Bernardo Sales ist die heißeste Aktie der Ersten Liga.

 

Bernhard Kastler

Konkrete Gespräche mit anderen Klubs gibt es aktuell keine, aber die werden wohl noch folgen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und es ist kein Geheimnis, dass die "Falken" das Geld gut benötigen würden.

300.000 Euro Ablöse wurden zuletzt kolportiert. Fuchs würde ihn gerne behalten, doch er weiß auch, dass der Brasilianer nicht billiger wird.

Fast wäre er gar nicht im Falkenhorst gelandet

"Er will natürlich dann auch entsprechend mehr verdienen", weiß der Klubchef, der den 25-Jährigen im Winter 2012/13 auf eigene Faust verpflichtete. Eine Agentur, mit der die Kapfenberger seit Jahren in Kontakt stehen, habe den Stürmer damals angeboten.

"Sein damaliger Trainer wollte ihn hier nicht haben und ich habe gesagt, der bleibt sicher bei uns. Dass er hier ist, ist mein Verdient, das muss ich schon erwähnen", hält Fuchs fest.

Während also für Klaus Schmidt Ronivaldos "magic over" war, ehe er so richtig loslegen konnte, sieht Russ ihn noch nicht am Limit.

"Er ist ein sehr guter Kopfballspieler, technisch sehr stark und hat die Ruhe vor dem Tor. Wenn er fit ist, ist er für jede Mannschaft auf der Welt ein Thema", macht der Trainer für seinen Schützling Werbung.

Ronivaldos Vorbild ist Romario

Und der Angreifer selbst? Der gibt sich ganz bescheiden.

"Es zählen nur die drei Punkte für die Mannschaft, wer die Tore schießt, ist egal. Momentan habe ich natürlich einen guten Lauf", weiß der Südamerikaner, dessen großes Vorbild Romario ist.

"Er war für mich ein perfekter Stürmer, er hat sowohl mit dem Fuß als auch mit dem Kopf getroffen - und das sehr oft", sagt Ronivaldo, der auch bei der Gala gegen den LASK dies unter Beweis stellte.

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