Happy Ending

Aufmacherbild
 

„Es war eine Weltklasse-Saison“

Aufmacherbild
 

Da blickte Roger Schmidt noch ein letztes Mal auf die Uhr.

Wenige Sekunden später war sein finales Spiel als Trainer von Red Bull Salzburg vorbei. Die 99. Pflichtspiel-Partie in seiner zweijährigen Ära endete mit einem 4:2-Sieg gegen St. Pölten, der dem Meister damit den Cup-Sieg bescherte. Der Coach tritt als Double-Sieger in Österreich ab.

„Ich bin total erleichtert, dass wir das so gut zu Ende gebracht haben. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn St. Pölten war ein würdiger Finalgegner“, sagte der 47-Jährige bei seiner letzten Pressekonferenz. Sein weißes Hemd war dabei schon längst in Bier getränkt gewesen.

Jubel über Double und mehr

Kein Wunder, beendete Salzburg damit doch eine unglaubliche Saison, die nicht nur wegen des Doubles, dem zweiten in der Salzburger Fußball-Geschichte nach 2012, lange in Erinnerung bleiben wird.

„Es war eine Weltklasse-Saison, wir haben uns alle weiterentwickelt und dazu noch zwei Titel geholt. Charakterlich, taktisch, spielerisch sind wir gereift. Es war eine harte und tolle Saison, nur das zu frühe Aus in der Europa League schmerzt. Aber wir haben uns danach wieder aufgerafft“, freute sich Kevin Kampl wie die meisten der Kollegen über den zweiten Titel in seiner Karriere.

Beim Cup-Finale in der Wörthersee-Arena zu Klagenfurt, wo sich mit 11.600 eine solide Besucheranzahl einfand, raffte sich Salzburg auch auf. Das Spiel hätte sich mehr Zuschauer verdient, spielte der Erstligist doch wie ein Bundesligist, lud allerdings mit groben Schnitzern Salzburg ein.

„Salzburg hat es sich absolut verdient. Wir haben uns sehr gut präsentiert, leider uns aber auch drei Tore selber gemacht, so kann man gegen Salzburg nicht gewinnen“, meinte Andreas Dober, der nach Schlusspfiff enttäuscht im Mittelkreis saß und sich dachte: „Scheiße, nur Zweiter.“

St. Pölten ebenfalls stolz

Aber die Leistung machte den Rechtsverteidiger ebenso stolz. „Andere Teams haben schon höher gegen sie verloren. Heute hätten wir wohl fast gegen jeden anderen Bundesliga-Klub gewonnen, aber Salzburg spielt in einer eigenen Liga.“

Sein Herzensklub Rapid durfte sich indes darüber freuen, steigen die Wiener doch nun im Europa-League-Playoff ein, St. Pölten darf in der zweiten Quali-Runde ran. Dober, der St. Pölten (vielleicht gen Altach) verlässt: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft und Europa ist eine geile Geschichte.“

So hatten die Salzburger Double-Jubel-Trikots und St. Pölten Leibchen mit „Ein Team, ein Traum – Europa wir kommen!“ auf der Brust stehen. Die andere T-Shirt-Variante blieb ihnen verwehrt, obwohl zwischenzeitlich das 1:1 gelang – Salzburg kassierte wieder einmal ein Standard-Tor.

Florian Klein, der wie Schmidt und Dober sein letztes Spiel für seinen Verein machte, erzielte das erste Tor und legte das zweite durch Kampl mit seinem Block gegen Goalie Patrick Kostner auf – sein Jubel galt Fränky Schiemer, mit dessen Schuhen der Neo-Stuttgarter spielte. „Meine waren kaputt, das habe ich erst beim Aufwärmen gemerkt“, grinste der Oberösterreicher.

Mit dem 2:1 kurz vor der Pause war es für die Salzburger danach leichter, die Entscheidung zu besorgen. „Wären wir mit einem 1:1 in die Pause gegangen, hätte es vielleicht anderes ausgesehen“, wusste auch St.-Pölten-Coach Gerald Baumgartner, dessen unglaubliche Cup-Serie damit endete.

Baumgartner nimmt Serien-Ende gelassen

Nach 14 Erfolgen, inklusive dem Paschinger Sensations-Triumph vergangene Saison im Finale gegen den damaligen Meister Austria, verlor der Coach (RB Juniors, Pasching, St. Pölten) zum ersten Mal ein Spiel im ÖFB-Cup. Der 49-Jährige nahm es ob des Spiels sichtlich gefasst.

„Wir haben sehr gut gespielt, haben Salzburg lange kaum ins Spiel kommen lassen, auch wenn sie optisch überlegen waren. Individuelle Fehler hat Salzburg mit ihrer Klasse ausgenützt und wir haben viel lernen können, auch was Dynamik und Tempo betrifft. Wir haben das Feld erhobenen Hauptes verlassen, wir waren ein würdiger Finalgegner, der einen guten Matchplan hatte.“

So sah das auch sein Gegenüber Schmidt, der einmal mehr sein Pendant und dessen Mannschaft lobte und den SKN für absolut Bundesliga-tauglich hält: „Es ist schon verwunderlich, dass andere Mannschaften in der Ersten Liga vor ihnen stehen. Wir haben heute eine Top-Leistung gebraucht.“

„Keine Abschiedsstimmung, sondern Genießerstimmung“

Der Deutsche, der Ende Juni das Trainer-Amt bei Bayer Leverkusen übernimmt, war nach seinem letzten Spiel nicht wehmütig, sondern glücklich und überhaupt nach dieser Spielzeit in Feierlaune.

„Ich bin heute nicht in Abschiedsstimmung, sondern in Genießerstimmung und wir wollen heute noch eine gute Zeit haben. Die Meisterschaft konnten wir ja auch noch nicht so richtig feiern. Wir sind Doublesieger geworden und werden wie ein Doublesieger feiern“, gab Schmidt aus, der nach Schlusspfiff ausnahmslos alle Spieler, Betreuer und Funktionäre herzlich umarmte.

Noch während des Spiels zeigte sich der Coach angespannt und bearbeitete dabei auch, wie üblich, den Schiedsrichter-Assistenten („Da darf man mich nicht so ernst nehmen, was ich da mache“) und sprach am Ende eben von einer „riesigen Erleichterung“. Coach Baumgartner hatte ihm vergangene Saison mit Pasching eine Heimblamage beschert, nun gab es auch im Cup ein Happy End.

„Es war eine lange Saison, unser 56. Pflichtspiel, und wir haben zwei Titel geholt. Wer dazu etwas beigetragen hat, kann stolz sein, ein Teil gewesen zu sein. Sicherlich wird beim Abschied Wehmut dabei sein, aber wir werden später auf eine super Zeit zurückblicken können, da werden uns sicher einige schöne Gedanken einfallen. Wir können alle sehr zufrieden sein, was wir geleistet haben. Es herrscht nun eine andere Situation als zu dem Zeitpunkt, als ich vor zwei Jahren gekommen bin.“

Ablöse für Kampl scheint noch höher zu sein

Sein Nachfolger Adi Hütter tritt dabei in große Fußstapfen. Wenngleich das Verhältnis der beiden nicht nur wegen der Nicht-Kommunikation hinsichtlich der Amtsübergabe nach wie vor angespannt scheint („Er hat ja gesagt, was er von mir hält“), beglückwünscht der Vorgänger seinen Nachfolger indirekt: „Man kann nur jedem Trainer gratulieren, der solch eine Mannschaft übernimmt.“

Dieser könnte Kampl, der trotz gültigen Vertrages bis 2018 dank einer Ausstiegsklausel Salzburg in diesem Sommer verlassen könnte, auch kommende Saison weiter angehören. „Ich fliege jetzt am Dienstag erst einmal auf Mallorca in den Urlaub und entspanne dort mit meiner Freundin. Da will ich auch nichts mehr hören, schalte das Handy ab, danach komme ich wieder und dann schauen wir mit meinem Berater weiter. Aber es muss schon eine riesige Steigerung kommen, dass ich das hier verlasse.“

Das weiß auch Sportchef Ralf Rangnick, der diesbezüglich sagt: „Es gibt nur wenige Vereine auf dieser Welt, die sich die Ablösesumme leisten können.“ Der Deutsche hielt zuvor fest, dass die bislang kolportierten Summen weit drunter liegen. Kolportiert wurden unter anderem 18 Millionen.

Bernhard Kastler / Harald Prantl

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen