Cup-Sieger: "Dann haben wir Saisonziel verpasst"

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Der Tag danach.

Nach einer durchzechten Nacht können Spieler und Betreuer des FC Pasching wohl noch immer nicht realisieren, was sie am Donnerstag erreicht haben. Und es wird wohl noch Tage dauern, bis sie sich dessen bewusst sind, welch historische Cup-Saison sie mit dem Titel im Finale gekrönt haben.

„Wir können es noch gar nicht realisieren, das wird noch kommen“, so Trainer Gerald Baumgartner.

Selbiges gilt auch für den mit 0:1 unterlegenen Finalgegner Austria, die sich wie zuvor Rapid und Salzburg dem Drittligisten geschlagen geben musste und sich dem Bund der Blamierten anschloss.

Der verdiente Sensations-Triumph

Doch den Protagonisten des frischgebackenen Meisters war wie allen klar: Die Oberösterreicher haben sich diesen Titel völlig verdient geholt.

„Pasching hat einfach ein sehr gutes Konzept, haben Spieler mit viel Qualität, was mit einer Regionalliga-Mannschaft wenig zu tun hat. Mit den Außenspielern und vorne Casanova haben sie starke Waffen. Das hat heute gegen uns gereicht“, musste etwa Philipp Hosiner eingestehen.

Im Hintergrund schallten die „Oh wie ist das schön“-Sprechhöre der „Riesentöter“ durch die Katakomben des Ernst-Happel-Stadions. „Dass ein Drittligist im Cup-Finale einen Bundesligisten schlägt, das ist brutal sensationell“, wusste Hans-Peter Berger, was die Stunde geschlagen hat.

Nach den Erfolgen gegen Rapid und Salzburg war dem Keeper, dessen Bruder und Odessa-Legionär Markus im Stadion erfolgreich die Daumen drückte, klar, was auch gegen die „Veilchen“ möglich ist.

„Wir haben schon gewusst, dass wir solche Spiele gewinnen können. In Österreich kannst du jeden Gegner schlagen, dafür brauchst du einfach die Siegermentalität“, so der 31-jährige Keeper.

Die letzte Europa-League-Hürde

Aber recht realisieren konnte der Salzburger seinen ersten Titel eben auch wieder nicht. „Wahnsinn, das kannst du nicht glauben. Du gehst in die Saison, schaltest Lustenau als Leader der Ersten Liga aus, dann schlägst du Rapid, haust die Salzburger weg, fährst ins Finale und gewinnst das auch noch.“

Was in anderen Ländern unmöglich erscheint, ist hierzulande nun Realität geworden. Ein Drittligist als Cup-Sieger. Und das bedeutet zugleich, Pasching steigt tatsächlich im Europa-League-Playoff ein.

Dass der Regionalligist aus dem Vorort von Linz Europacup spielt, war mit der Finalteilnahme klar. Denn die Austria qualifizierte sich als Meister für die Champions-League-Quali, den höheren UEFA-Klubwettbewerb. Bei einer Final-Niederlage wäre der Underdog in EL-Quali-Runde zwei eingestiegen.

Dort fängt nun Sturm an, das sich wie Rapid (3. Runde) in der Liga qualifizierte. Pasching muss aber noch eine Hürde überspringen, nicht am Feld, sondern eine Prüfung durch die UEFA überstehen.

Der Cup-Sieger wird hauptsächlich, wie Salzburg ausschließlich, von Red Bull gesponsert. Sollte auch bei den Oberösterreichern Einfluss auf die Führung des Klubs bestehen, könnte es eng werden.

Gewisse Aussagen (Trainer Baumgartner: „Wenn Salzburg sich dazu entscheiden sollte, mache ich weiter“) tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich Pasching erklären muss.

„Wir sind zwei Mal vom ÖFB geprüft worden und haben auch vor einer UEFA-Prüfung keine Angst“, hielt Martin Hengstschläger, Klubpräsident, vor dem Cup-Finale fest.

Leoben statt London in den Köpfen

Sollten die Oberösterreicher die Prüfung bestehen, könnte im Europa-League-Playoff, das wohl im Linzer Stadion gespielt werden würde, ein großes Kaliber gegenüber stehen: Etwa die Fiorentina, Besiktas oder auch Tottenham, auf das auch Stockerau nach dem Cup-Sieg als Zweitligist 1991 in der folgenden Saison traf und sich mit zwei 0:1-Niederlagen beachtlich schlug.

„Wir werden diesen Triumph jetzt einmal sacken lassen, daran denken wir jetzt nicht“, sagt Final-Goldtorschütze Daniel Sobkova.

Und überhaupt blickt Pasching am Tag danach nicht etwa nach London, sondern nach Leoben. Das hat einen Grund, schließlich wird dort über das „Double“ der Oberösterreicher entschieden.

Ab 18:30 Uhr gastiert der LASK beim DSV. Sollte der Verfolger in seinem letzten Liga-Spiel beim Wohl-Absteiger punkten, würden die Linzer sich den Regionalliga-Mitte-Titel sichern.

„Dann haben wir das Saisonziel nicht erreicht“

„Wenn wir nicht Meister werden, haben wir das Saisonziel nicht erreicht“, sagte Baumgartner. Und zwar nicht nur vor dem Cup-Finale – sondern auch auf der Pressekonferenz nach dem größten Triumph in seiner Karriere und der Vereinsgeschichte des FC Pasching (!).

Kurios auch die Aussage von Hans-Peter Berger: „Der Trainer hat sich verdient, dass er mit uns in die Europa League geht.“ Dass das bei einem Sensations-Cupsieger überhaupt in Frage zu stellen ist, ob der Trainer nicht auch kommende Saison weitermacht, mutet seltsam an.

Baumgartner relativiert: „Ich denke nicht, dass das in Frage gestellt wird, aber mein Vertrag läuft eben aus. Da wird spekuliert.“ Und dennoch drängt sich unweigerlich einmal mehr der Gedanke an den Red-Bull-Einfluss auf, sponsert man Pasching doch nicht nur einfach bloß so, sondern um ein Team in die Erste Liga zu befördern. Das könnte im Fall des Cup-Siegers eben vorzeitig schiefgehen.

Sollte es am Freitag nicht ein weiteres Wunder geben und der LASK in Leoben erwartungsgemäß nicht verlieren, dann spielen die Landeshauptstädter gegen Liefering, das Farmteam der „Bullen“ aus Salzburg, Relegation und eben nicht Pasching.

Und das bereitet dem frischgebackenen Sensations-Cup-Sieger, der den größten Coup in der Historie dieses Bewerbs schaffte, nicht einmal 24 Stunden nach dem Triumph Sorgen.

Solche Geschichten schreibt nur der (oberösterreichische) Fußball.

 

Bernhard Kastler / Harald Prantl / Martin Wechtl

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