Let's talk about Pasching

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Was man über Pasching wissen muss

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Immer wieder Pasching.

Seit der Jahrtausend-Wende ist dieser Ort ein bekannter in Fußball-Österreich. Auch damals machte man sich durch Erfolge im Cup einen Namen - ebenso als Underdog.

Das ist dieses Mal nicht anders. Man startete in dieser Saison zwar unter deutlich besseren Voraussetzungen in die Cup-Saison und schaffte es wie 2000 ins Halbfinale. Doch dieses Mal ging es sogar noch eine große Stufe höher.

Der FC Pasching ist der erste Drittligist in der Geschichte des österreichischen Fußballs, der sich den Weg ins Endspiel des ÖFB-Cups bahnte.

Donnerstag ist deswegen ein doppelter Feiertag für die Oberösterreicher, wenn sie ab 16:30 Uhr auf den Rekordcupsieger und Meister Austria Wien treffen.

Doch wer oder was ist dieses Pasching? Dieses neue Pasching? Und was war die (bisherige) Leistung? LAOLA1 informiert über alles Wissenswerte zum Thema FCP:

WO UND WAS IST PASCHING?

Bei der Pressekonferenz der Cup-Final-Teilnehmer klärte Präsident Martin Hengstschläger zur Sicherheit noch einmal auf, für alle, die Pasching geografisch nicht so ganz einordnen könnten. Pasching ist ein südwestlicher Vorort von Linz und beherbergt rund 6500 Menschen. Mit dem Auto ist man in rund zehn Minuten in Linz, aber wozu, wenn man die PlusCity im Herzen trägt? Das Einkaufszentrum ist der Paschinger Hotspot schlechthin. Nicht nur weil sich rund 20.000 Menschen pro Tag in 200 Geschäften vergnügen können, sondern weil auch regelmäßig Stars und Sternchen bei diversen Events zugegen sind. Superstars wie Demi Moore, Ashton Kutcher, 50 Cent waren etwa schon zu Gast. Dieter Bohlen auch. "Pasching ist aber mehr als ein Einkaufszentrum und ein Vorort von Linz", sagt Hengstschläger, ein Anwalt aus Linz, der in seiner Kindheit LASK-Fan war. Dazu später mehr.

 

ALS WERDER UND SCHALKE ZU GAST WAREN

Apropos Stars. Die kamen auch im Fußball. Kurzer Rückblick: Als ASKÖ Pasching, der 1946 gegründet wurde, gelang unter Trainer Georg Zellhofer die erste Cup-Sensation, als man 2000 erst im Halbfinale am GAK (0:1) scheiterte. Zuvor und danach schaffte es der spätere Rapid- und Austria-Coach, die Mannschaft von der zweiten Landesliga (fünfte Spielstufe, 1996) in die Bundesliga (2002) und in den Europacup (2003) zu führen. Im UI-Cup fertigte man zu Hause im Waldstadion Werder Bremen - im Bild der spätere EM-Final-Torschütze Charisteas - 4:0 (1:1/a) ab, scheiterte erst im Finale an Schalke 04 (0:2/h, 0:0/a), das später Pasching-Stürmer Edi Glieder nach Gelsenkirchen lotste. 2007, da hieß man FC Superfund, entschied sich der exzentrische Präsident Franz Grad, der 1997 den FC Linz mit dem LASK fusionieren ließ, die Lizenz nach Klagenfurt abzutreten. Austria Kärnten ging 2010 ein, der Nachfolgeklub heißt Austria Klagenfurt, der nun mit Superfund-Nachfolgeklub FC Pasching in der Regionalliga Mitte spielt. Klingt komisch, ist es auch.

 

WAS RED BULL DAMIT ZU TUN HAT

Bei Red Bull und damit in Salzburg ist man unzufrieden, dass die Amateurteams seit zwei Jahrem nicht mehr im Profibereich spielen dürfen. Deswegen werden Umwege gegangen. Einer davon heißt FC Liefering, das Farmteam, das bereits als Westliga-Meister feststeht und Relegation um den Aufstieg in die Erste Liga spielt. Ein anderer Umweg heißt FC Pasching. Dort tritt Red Bull als Sponsor auf. "Es deckt 80 bis 90 Prozent des Budgets ab", sagt Hengstschläger. Auf den Dressen und im Waldstadion sieht man keine Red-Bull-Logos, interessantes Sponsoring. Wäre wohl auch zu viel des Guten, sollten im Raum Salzburg/Oberösterreich gleich vier Teams mit demselben Brustsponsor auflaufen - Ebenso-Farmteam Anif tut es wie Pasching nicht. In der Saison 2011/12 stieg Red Bull bei den Oberösterreichern ein. Warum? Die Vorort-Linzer lagen am Tabellenende der Regionalliga, das Interesse hielt sich in Grenzen, die Infrastruktur hatte Potenzial. Präsident Helmut Nussbaumer fädelte den Deal ein, Red Bull schickte in der Winterpause Trainer Gerald Baumgartner und der Abstieg wurde verhindert. "Ein oder zwei Jahre", so lange läuft der Sponsovertrag noch. Genau weiß es Hengstschläger nicht. Es ist kein Geheimnis, dass Red Bull die Fäden in der Hand hat, auch wenn man anderes beteuert. Geschäftsführer ist übrigens Nobert Schnöll, früher in Anif tätig.

 

WEN MAN IM TEAM KENNNEN SOLLTE

Tja, einige. Denn viele haben zum einen schon in der Bundesliga gespielt, andere sich durch den Sensationslauf im Cup einen Namen gemacht. Zur ersteren Kategorie gehören etwa Goalie Hans-Peter Berger (Ried, Leixoes, Admira), Kapitän Davorin Kablar (Ried, LASK), Thomas Krammer (Sturm, Austria, LASK), Mark Prettenthaler (Sturm, LASK, Ried), Daniel Sobkova (Ried, LASK), Casanova (Ried). Daniel Kerschbaumer und Ivan Kovacec haben sich mit ihren Toren ins Rampenlicht gespielt. Zudem gibt es Talente, die ihren Weg machen werden. Philipp Schobesberger etwa. "Der hat viel Potenzial", sagt etwa Kablar. Rapid soll dran sein. Trainer Gerald Baumgartner hält fest: "Wenn ein Spieler so weit ist, dann soll natürlich der nächste Schritt folgen. Aber ich glaube, Philipp wird noch bleiben." Der Mittelfeldspieler ist 19 Jahre alt, noch jünger ist Markus Blutsch. Der 17-jährige Enkel von LASK-Legende Dolfi Blutsch gilt als eines der größten oberösterreichischen Talente.

 

WARUM FREITAG LEOBEN WICHTIG IST

Da steht man seit drei Wochen sensationell im ÖFB-Cup-Finale und die Protagonisten ziehen in dieser Phase fast nur lange Gesichter. Das hat freilich einen Grund und nennt sich Alltag. Denn das klare Ziel namens Aufstieg in die Erste Liga könnte am Freitag endgültig Geschichte sein. Sollte der LASK in seinem letzten Spiel, das Pasching schon wegen des Cup-Finals gespielt hat, punkten, dann sind die Linzer Meister und stehen in der Relegation gegen Liefering. Beim Letzten sollte das für den LASK machbar sein, zumal man sich mit Pasching im Frühjahr einen an Spannung kaum zu übertreffenden Titelkampf lieferte. Im März gewann der Traditionsklub im Waldstadion vor 6000 Zuschauern 1:0 und verkürzte auf einen Punkt Rückstand auf Winterkönig Pasching. Danach wurde gleichzeitig in einer Runde verloren, doch nach dem Rapid-Coup verlor Pasching in Vöcklamarkt und der LASK war Erster. Beide trennten sich noch je remis vom Herwig-Drechsel-Klub Wallern und wegen des besseren Torverhältnisses reicht den Schwarz-Weißen nun am Freitag in Leoben, das kurz vor dem Abstieg steht, ein Punkt. "Das schaffen sie", glaubt Ex-LASK-Spieler und Pasching-Kapitän Davorin Kablar nicht mehr an ein Wunder und sagt: "Die bezwingen auch Liefering."

 

WIE MAN INS CUP-FINALE KOMMEN KONNTE

"Das Witzige ist ja, dass wir auf dem Weg ins Cup-Finale Austria Salzburg, Austria Lustenau und Austria Klagenfurt aus dem Bewerb geworfen haben und nun wieder eine Austria als Gegner haben. Gegen drei hat es geklappt, vielleicht auch gegen die vierte", lacht Trainer Gerald Baumgartner im LAOLA1-Interview. Und zu lachen hatten die Oberösterreicher in diesem Cup-Bewerb sehr viel. Nach einem 2:1-Sieg gegen die violetten Mozartstädter setzten die Paschinger ein erstes Zeichen und warfen den damaligen Erste-Liga-Favoriten Austria Lustenau im Elferschießen aus dem Bewerb. Nach einem weiteren 2:1 gegen Austria Klagenfurt folge der erste Coup. Trotz der irrsinnigen Regelung, dass man als Amateurklub im Achtelfinale auswärts gegen einen Profiklub antreten muss, setzten sich die Paschinger bei Rapid mit 1:0 durch und beendeten die Karriere von Peter Schöttel bei Rapid endgültig. 2006 ging er nach einem 1:1 gegen Pasching als Sportdirektor, 2013 als Trainer. Im Halbfinale setzte man sich dann gegen Red Bull Salzburg im "Stallduell" durch, ebenfalls auswärts, mit 2:1. Eine Riesenblamage für die Mozartstädter, ein unglaublicher Traum für Pasching - dieser soll nicht enden. "In Österreich hast du gegen jede Mannschaft in einem Spiel eine Chance", so Baumgartner. Nach dem Dritten, dem Zweiten könnte nun der Erste der Bundesliga sein "violettes" Wunder erleben.

 

WO EUROPA LEAGUE GESPIELT WIRD

Egal, wie es ausgeht: Pasching spielt Europacup. Denn die Austrianer dürfen sich als Meister schon auf die Champions-League-Quali freuen. Jetzt kommt es nur auf den Ausgang des Cup-Finals drauf an, wo die Oberösterreicher denn in der Europa-League-Quali einsteigen. Wenn man als Verlierer vom Platz geht, starten die Paschinger in der zweiten Runde. Bei einem Sieg im Playoff, wo Tottenham oder die Fiorentina warten würden. Paschings Waldstadion kam eben schon zu Europacup-Ehren, doch das ist eine Weile her. Man müsste adaptieren oder man macht sich einfach die 15 Minuten ins Linzer Stadion auf, das dafür gerüstet wäre. So wird es wohl auch kommen, wie Hengstschläger andeutet. Doch noch ist es nicht so weit, schließlich geht es jetzt einmal um ein Cup-Finale, das Pasching die Chance bietet, den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte einzufahren. Es wäre eine Überraschung, sollte man tatsächlich auch die Austria schlagen. Es wäre keine Überraschung, sollte man der Historie ein neues, solches Kapitel hinzufügen.

 

Bernhard Kastler

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