Juves Claudio Marchisio im Porträt

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„Der Spieler, der mich am meisten an mich selbst erinnert, ist Marchisio“, meinte Juve-Coach Antonio Conte kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer.

„Ich glaube aber, dass er ein besserer Spieler ist als ich“, fügte der langjährige Kapitän der „Alten Dame“ hinzu.

Tatsächlich machte Claudio Marchisio in der aktuellen Spielzeit seinen nächsten Entwicklungsschritt. Dabei machten sich manche Fans vor der Saison um den gebürtigen Turiner noch Sorgen.

Systemwechsel

Es war bekannt, dass Conte auf ein offensives 4-4-2 (4-2-4) setzen wird. Nachdem Juventus mit Andrea Pirlo und Arturo Vidal zwei Hochkaräter für das zentrale Mittelfeld verpflichtete, schien Marchisios Stammplatz alles andere als sicher.

Oder sollte Conte, wie schon einige Trainer zuvor, den 25-Jährigen am Flügel auflaufen lassen?

Es kam anders. Der Übungsleiter des italienischen Tabellenführers wollte auf keines seiner drei Juwelen in der Zentrale verzichten und stellte nach wenigen Runden sein System auf ein 4-1-4-1 (4-3-3) um.

"Il Principino"

Mit Pirlo im Rücken und Vidal an der Seite blühte Marchisio richtig auf. Nach zwölf Liga-Einsätzen stehen bereits ein Assist und sechs Tore zu Buche. Dreimal war er dabei für das so wichtige 1:0 verantwortlich.

„Il Principino“ („der kleine Prinz“), wie Marchisio von den Fans genannt wird, lebt damit zurzeit seinen Traum. Der 18-fache italienische Nationalspieler (ein Tor) ist seit seiner Kindheit glühender Fan der „Bianconeri“, besaß im Delle Alpi eine Dauerkarte und hatte im Zimmer Poster seines Idols Alessandro Del Piero hängen.

Bis auf ein Leihjahr bei Empoli (2007/08), wo er erste Serie-A-Erfahrungen sammeln konnte, verbrachte Marchisio seine gesamte Karriere beim italienischen Rekordmeister.

"Il Capitano del Futuro"

Ex-Juve-Spieler Gianluca Vialli bezeichnete ihn bei "sky.it" unlängst als „capitano del futuro“ (Kapitän der Zukunft), womit Marchisio in die Fußstapfen seines Helden Del Piero treten würde.

Obwohl der 25-Jährige in seiner Heimat immer wieder mit Marco Tardelli verglichen wird, nennt er auf seiner Position unter anderem Steven Gerrard als Vorbild. Geht es nach Marcello Lippi, ist Marchisio bereits auf einem Level mit dem Engländer.

„Er ist weltklasse und auf dem Niveau der Top-Mittelfeldspieler Europas“, gab der Ex-Coach der Squadra Azzurra gegenüber der „Gazzetta dello Sport“ zu Protokoll und gibt Marchisios „Explosion“ als einen der Hauptgründe für Juves Aufschwung an.

Der wohlerzogene Allrounder

Marchisio ist ein Allrounder: Er hat einen robusten Körper, ist konditionell stark, technisch beschlagen, beidfüßig und hat nicht zuletzt Zug zum Tor.

Letzteres bewies er nicht „nur“ in der Serie A, sondern zuletzt auch im Achtelfinale der Coppa Italia, als der Mittelfeldmotor als Joker das Siegtor gegen Bologna markierte. Seine Torgefährlichkeit hat wohl auch damit zu tun, dass er in jungen Jahren im Sturm aufgestellt wurde.

Obwohl Marchisio bei Juve immer mehr in eine Leaderrolle hineinwächst, gehört er nicht zu den extrovertierten Typen der Liga. Ruhe und Bodenständigkeit zeichnen ihn aus. Eine Frau, ein zweijähriger Sohn und ein Vorstadthaus runden das Bild des wohlerzogenen jungen Mannes ab.

Marchisio, der Missionar

Seine Gemahlin Roberta war übrigens früher Fan von Torino, auch weil ihr Vater in diversen Jugendteams von Juves-Stadtrivalen spielte. Mittlerweile sei sie aber natürlich „konvertiert“.

Marchisio ist schon jetzt einer der wichtigsten Akteure der „Alten Dame“, doch der kleine Prinz ist noch längst nicht am Zenit angekommen. Der nächste Schritt dorthin könnte am Montag im Stadio Olimpico erfolgen, wenn Juventus bei der Roma gastiert.

 

Máté Esterházy

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