Valencia gehört wieder zu Spaniens Elite

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Die dritte Kraft hinter Real Madrid und FC Barcelona in Spanien? Ganz klar, Atletico Madrid.

Bei einem Blick auf die Tabelle stellt man allerdings fest, dass es diese Saison einen Klub gibt, der sich nach einigen trostlosen Jahren ebenfalls wieder mit den Größen von La Liga messen kann.

Der FC Valencia rangiert nach 28 Spieltagen auf einem überragenden dritten Platz, liegt einen Zähler vor Atletico. Am Wochenende steht das kleine Derby gegen Villarreal an, keine Frage dass man die Serie an Spielen ohne Niederlage ausbauen möchte. Momentan hält man bei deren sieben, sechs davon waren Siege.

>>> FC Valencia - Villarreal CF am Sonntag, 17:00 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv<<<

Auch die spanische Presse überschlägt sich mit Lobeshymnen über dieses „neue“ Valencia. Eng verbunden mit dem Erfolg ist der Name Nuno Espirito Santo, oder einfach Nuno. Der Portugiese übernahm zur neuen Saison das Traineramt von „Los Che“ und glänzt mit taktischen Finessen. Dass es überhaupt zu einem Engagement kam, war allerdings keineswegs zufällig.

Von Rio Ave in die Champions League

Nachdem Valencia in der vergangenen Saison mit Platz acht die Teilnahme an einem europäischen Bewerb verpasst hatte, trennte man sich von Coach Juan Antonio Pizzi und präsentierte den 41-jährigen Nuno als seinen Nachfolger.

Durchaus überraschend, hatte er erst zwei Jahre Cheftrainer-Erfahrung zu Buche stehen und vollbrachte mit einem siebten und einem elften Platz mit Rio Ave in Portugal keine Wunderdinge. Doch Nuno hat einen Mann im Hintergrund, der auf der iberischen Halbinsel bestens bekannt ist. Es handelt sich um Berater Jorge Mendes.

Der portugiesische Landsmann ist vor allem dank seiner Zugpferde Cristiano Ronaldo und Jose Mourinho zu einem der mächtigsten Spielerberater im Weltfußball aufgestiegen. Zu verdanken hat er diese Erfolge aber Nuno.

Der ehemalige Tormann war es, der Mendes den Weg zum Fußball ebnete. Als der Spielerberater noch als DJ aktiv war, kam er mit Nuno ins Gespräch und verschaffte ihm einen Vertrag bei Deportivo La Coruna.

Vertrauensmann von Lim

19 Jahre später gelang es Mendes erneut, seinen Freund in der spanischen Liga unterzubringen. Behilflich dabei war das enge Verhältnis zwischen Valencias neuem Eigentümer Peter Lim und dem Spielerberater (HIER zur ausführlichen LAOLA1-Story). Neben dem Coach stehen auch zahlreiche Spieler Mendes‘ bei den „Fledermäusen“ unter Vertrag.

Nuno hat das Vertrauen der Klubführung gerechtfertigt. Siege gegen Real und Atletico Madrid unterstreichen dies, gegen Barcelona musste man sich denkbar knapp durch ein Gegentor in der 94. Minute geschlagen geben.

Bei seinem Ex-Klub Rio Ave hält sich die Überraschung über den Erfolg in Grenzen, wie Flügelstürmer Ukra bestätigt: „Wir kennen seine Trainings-Methoden, er hat ein phänomenales Coaching-Team. Wir wussten, wenn er zu einem Team mit höherem Niveau gehen würde, dass er Erfolg haben wird.“

Das Kollektiv im Vordergrund

Auch Valencia-Starstürmer Alvaro Negredo schloss sich gegenüber „Sky Sports“ den Lobliedern auf seinen Chef an: „Er ist ein anspruchsvoller Trainer. Er gibt dir sehr klare Anweisungen und spricht Dinge sehr konkret an. Er fordert eine hohe Intensität.“

Nuno ist bekannt für seine Emotionalität an der Seitenlinie

Nuno selbst will sich allerdings nicht zu sehr ins Rampenlicht rücken. „Ich will Teil des Teams sein und kein Diktator. Es ist nicht Nunos Valencia, jeder ist ein Teil davon. Wenn wir bislang irgendetwas erreicht haben sollten, dann als Team“, stellt der im Inselstaat São Tomé und Príncipe geborene Portugiese klar. Auch Lob für die Unterstützung der Fans gibt es regelmäßig.

Bei den Aufstellungen wird der starke Teamgedanke offensichtlich. So gut wie jeder aus dem 20-Mann-Kader kommt zu Einsatzzeit, selbst Stars wie Negredo müssen ab und an auf der Bank Platz nehmen. „Er verlässt sich nicht nur auf elf Spieler. Er zählt auf jeden einzelnen, daher müssen wir hart für Spielzeit arbeiten“, hat der Stürmer mit der Rotation kein Problem.

Barcelona kein Vorbild

Nachdem besonders zu Anfang der Saison das Spielsystem mehrfach umgestellt wurde, setzte man in den letzten Spielen auf ein offensives 4-3-3. Es wäre aber durchaus denkbar, dass gegen Villarreal am Wochenende etwas verändert wird. Immerhin zählt Nuno zu den Trainern, die ihre Spielweise dem jeweiligen Gegner anpassen.

Mit Erfolg wohlgemerkt. „In Spielen gegen Real Madrid, Atletico oder Barcelona agieren wir mit einem höheren Tempo. Wir haben vielleicht in anderen Spielen schöner gespielt, aber er will, dass wir früh in der gegnerischen Hälfte anpressen“, erzählt Negredo.

Von langem Ballhalten in den eigenen Reihen, wie es Barcelona oder Bayern München in Perfektion vorzeigen, hält Nuno ohnehin recht wenig: „Wenn du nur daran denkst den Ball zu haben, wirst du ihn verlieren und nicht wissen, was zu tun ist.“

Deswegen war er auch nicht besonders begeistert von den Erfolgsjahren der Katalanen: „Sie waren toll anzusehen. Jedoch gab es dem Rest die Idee, dass es im Fußball nur um Ballbesitz geht, es gibt aber so viele andere Elemente.“

„Zwei Jahre Traurigkeit“

Zehn Spiele vor Schluss ist Valencia am besten Weg in Richtung Champions League. Balsam für die zuletzt geschundene Seele der Fans. Platz acht in der Liga und ein Halbfinal-Aus in der Europa League entsprechen nicht den Ansprüchen des Meisters von 2002 und 2004. Das letzte Champions-League-Spiel datiert vom 6. März 2013.

„Als ich hier ankam, fand ich zwei Jahre voll mit Traurigkeit und ohne Erfolg vor“, so Nuno kürzlich gegenüber der „AS“. Mit dem Druck im Umfeld des Estadio Mestalla hat er kein Problem: „Du musst immer jedes Spiel gewinnen, so sehen das die Leute in Valencia.“

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Traurigkeit wich seit der Ankunft Nunos aber ohnehin schon längst der Euphorie. Bester Beweis sind 3.000 Fans, die die Mannschaft zuletzt beim 4:0-Auswärtssieg gegen Elche begleiteten. Auch im Derby gegen Villarreal am Sonntag darf man sich auf ein nahezu ausverkauftes Haus gefasst machen. Das letzte Spiel gegen die „gelben U-Boote“ gewann Valencia übrigens mit 3:1, gespielt wurde mit einem 4-4-2-System.

Man darf gespannt sein, zu welchem taktischen Mittel Nuno diesmal greift.

 

Julian Saxer

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