Spaniens Fußballer legen die Liga lahm

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Der Ball ruht in Spaniens Stadien.

Anstatt den Auftaktpartien FC Malaga vs. FC Barcelona oder Real Madrid vs. Athletic Bilbao beizuwohnen, müssen Fans schon in die Stadien der Drittliga-Vereine pilgern, um in den Genuss von Fußball zu kommen.

Einem Streik der spanischen Fußballer-Gewerkschaft ist zu verdanken, dass der Liga-Start auf vorerst unbestimmte Zeit verschoben ist.

Streik für zwei Spieltage - mindestens

Am Mittwoch, dem 17. August, wurde von den Spielern zum Boykott aufgerufen, um in erster Linie ausstehende Gehaltszahlungen einzufordern und derartige Versäumnisse in Zukunft zu verhindern.

"Uns Fußballern geht es nicht darum, mehr Geld zu bekommen. Wir verlangen nur, dass die Verträge eingehalten werden", betont Luis Rubiales, Präsident der Asociacion de Futbolistas Espanoles (AFE).

Zunächst wurde veranlasst, die ersten beiden Liga-Runden zu bestreiken, eine Zeitspanne die sich angesichts der jüngst gescheiterten Verhandlungen noch ausweiten könnte.

„Wenn nötig, spielen wir bis Mai kein einziges Spiel. Dann gibt es die ganze Saison keinen Fußball“, verkündet Tote, Offensiv-Spieler von Hercules Alicante, in der spanischen „Marca“ drohend.

Land der Schulden

Tote ist einer jener 200 Profi-Fußballer in Spanien, die auf Teile ihres Gehalts warten. In Summe sind knapp 50 Millionen Euro ausständig. Geld, das die Spieler von Vereinen einfordern, die es schlicht nicht haben.

Bekannte Erstligisten wie Zaragoza, Mallorca, Levante oder Real Sociedad haben sich für zahlungsunfähig erklärt und machen sich so eine Gesetzeslücke zunutze.

Nach dem Konkursgesetz darf nämlich ein Verein, der sich in einem Gläubiger-Verfahren befindet, nicht zum Zwangsabstieg verurteilt werden.

Insgesamt beläuft sich der Schuldenberg aller spanischen Klubs auf knapp vier Milliarden (!) Euro. Selbst Titelträger FC Barcelona beendete die Saison 2010/2011 trotz hoher Einnahmen durch den Triumph in der Champions League mit einem Verlust von 21 Millionen Euro.

Keine Kompromisse mehr

Ein Angebot der Liga-Verantwortlichen, ausstehende Gehälter aus einem eigens eingerichteten Fonds zu bezahlen, wurde von Seiten der AFE abgelehnt.

„Entweder man löst das Problem ein für alle Mal oder es wird nicht gespielt“, stellt Espanyol-Kapitän Luis Garcia klar.

Die Spieler verlangen, das Sportrecht vor dem allgemeinen Konkursrecht gelten zu lassen, um das Einfrieren von Gehältern zu verhindern und ihr Einkommen durch einen neuen Kollektiv-Vertrag zu sichern.

Zwischen Trainingsplatz und Verhandlungssaal

Während die Stadion-Tore verschlossen bleiben, herrscht auf den Trainingsplätzen Hochbetrieb.

Die Vereine nutzen die spielfreien Tage für Sonderschichten, was vom neutralen Beobachter immerhin als Indiz für ein baldiges Ende des Boykotts gewertet werden kann.

Unterdessen treffen sich Spieler-Gewerkschaft und Liga-Verantwortliche nahezu täglich, um an einer Lösung zu arbeiten.

Galten die Fronten am Freitag noch als verhärtet, stimmt die samstägliche Verhandlungsrunde einen schon zuversichtlicher. „Es war ein sehr intensives Treffen“, erklärt Liga-Präsident Jose Luis Astiazaran in der „Mundo Deportivo“.

Fällt ein ganzer Spieltag aus?

Am Montag geht es in die nächste Runde. Noch bleibt Zeit, einen Konsens vor dem nächsten Wochenende zu finden.

Der bereits ausgefallene Spieltag allein stellt für die Liga schon genug Probleme dar. Die Saison endet aufgrund der bevorstehenden Europameisterschaft bereits am 12. Mai, die Wochen bis dahin sind dicht verplant.

Kein Wunder also, dass bereits damit spekuliert wird, die erste Runde von „La Liga“ gänzlich ausfallen zu lassen.

Eine Entscheidung, die die Fans wohl verkraften könnten, sofern der Spielbetrieb nur wieder aufgenommen wird.

Ein Lock-Out nach amerikanischem Vorbild wäre wohl das endgültige Aus für den spanischen Fußball in seiner jetzigen Form.

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