Real Madrid: Mächtig, mächtiger, Jose Mourinho

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Mächtig, mächtiger, Jose Mourinho. Real Madrid stärkte dem Portugiesen gehörig den Rücken. Der Vorstand beschloss hierfür am Dienstag eine komplette Neustrukturierung der Führungsebene.

Ganz nach englischem Vorbild bekleidet der 48-jährige Chef-Betreuer zukünftig auch den Posten des Teammanagers. Mehr Einfluss auf sportliche Entscheidungen ist die Folge.

Präsident Florentino Perez legt die Beweggründe dar: „Er hat mich um mehr Freiheiten gebeten. Wir haben uns für den weltbesten Trainer entschieden und wollen, dass er viele Jahre bei uns bleibt.“

Ein Beleg des Stellenwerts, welchen Mourinho nach lediglich einer Saison auf der Real-Bank bereits genießt.

Mit Kolumne zum Intimfeind

Alles begann mit einer wöchentlichen Kolumne in der Sport-Tageszeitung „Marca“. Damals noch bei Chelsea im Amt, wurde „The Special One“ für seine bevorzugte Art des Fußballs kritisiert – von einem gewissen Jorge Valdano.

Vergangenen Sommer verpflichteten die „Königlichen“ den damaligen Inter-Coach und Triple-Sieger Mourinho. Dies geschah unter Generaldirektor und Intimfeind Valdano, welcher den Wünschen des Präsidenten klein beigeben musste.

Die personifizierte Erfolgs-Garantie und sein großer Kritiker sollten fortan gemeinsam daran arbeiten, wieder an die glorreiche Vergangenheit anzuknüpfen und Rivale FC Barcelona als Nummer eins des Landes abzulösen. Ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben.

Machtkampf: „Mou“ versus Valdano

Die Dauerfehde wurde häufig in der Öffentlichkeit ausgetragen, ein wahrer Machtkampf entbrannte. Einmal verweigerte Mourinho dem eigentlich Vorgesetzten sowohl den Zutritt zum Trainingsgelände als auch in die Kabine.

Jose Mourinho hat gut lachen

Dennoch hatte das „Enfant Terrible“ des Trainer-Geschäfts stets das Vertrauen von Perez im Rücken. Valdano wurde immer weiter in den Hintergrund gedrängt, selbst bei Transfers hatte der Argentinier wenig bis überhaupt kein Mitsprache-Recht.

Dennoch spielte Mourinho mit dem Gedanken, den Verein vorzeitig mit Saisonende zu verlassen. Ein kluger Schachzug, setzte er dadurch doch die Verantwortlichen zusehends unter Druck.

Logische Konsequenz: Rauswurf

Letztlich gab die Verpflichtung von Bayerns Hamit Altintop den Ausschlag. Valdano echauffierte sich über diese Entscheidung und bezeichnete den Türken als „nicht würdig für Real“. Die einzig logische Konsequenz: der Rauswurf.

„Wir - und zwar wir alle - haben während der Spielzeit sehen können, dass es sich um zwei Personen handelt, die jeder für sich eine gewisse Linie fahren und eine gefestigte Meinung haben“, begründete Perez, der bereits zum zweiten Mal der „Ära Valdano“ ein vorzeitiges Ende bescherte.

„Der Abgang schmerzt, da wir lange Zeit einen gemeinsamen Weg gingen und ich ihn sehr schätze. Er hat Real immer gut vertreten und ich hoffe, dass es in Zukunft eine Möglichkeit gibt, dass er mit dem Verein weiter in Verbindung steht.“

Was passiert mit Ex-Weltfußballer?

Anfang Juli wurde noch über Zinedine Zidane als möglichen Nachfolger spekuliert, jene Gerüchte sind nach dem dienstägigen Vorstands-Beschluss endgültig Geschichte. „Der Posten des Generaldirektors ist nicht mehr existent, das Organigramm wurde der neuen Situation angepasst. Somit hoffen wir, die Unstimmigkeiten ausgeräumt zu haben.“

Doch was geschieht nun mit dem einstigen Weltfußballer Zidane? Der Franzose hat weiterhin keine offizielle Tätigkeit bei den Madrilenen inne. Der 39-Jährige agierte bislang als Berater von Präsident Perez, während der Vorbereitung in den USA trat er allerdings deutlich präsenter in Erscheinung.

„Ich bin froh über meine Rolle. Derzeit befinde ich mich in einer Lehrphase, möchte aber dem Team etwas beitragen“, gibt „Zizou“ auf der Vereins-Homepage zu verstehen.

Sportliche Geschicke in Mourinhos Hand

Der Vertraute Mourinhos befindet sich häufiger im Kreise der Mannschaft. Eine Rolle als Bindeglied zwischen Betreuerstab sowie Führungsetage ist am wahrscheinlichsten. Die sportlichen Geschicke liegen indes voll in den Händen des Trainers.

Real Madrid fehlte ein solcher Trainer, jemand der Ahnung vom Fußball, aber auch Charakter hat und weiß, wohin er diese Mannschaft führen will“, ist Zidane überzeugt. Nach dem Gewinn der Copa del Rey möchte man heuer ein gewichtiges Wort in Primera Division und Champions League mitreden.

Neben Altintop verstärkten sich die „Königlichen“ mit Jungstar Nuri Sahin (Dortmund), Angreifer Jose Callejon (Espanyol Barcelona), Defensiv-Allrounder Fabio Coentrao und Verteidiger Raphael Varane (Lens).

Neymar-Transfer steht vor der Tür

Mourinho sieht dennoch Handlungsbedarf, besonders im Angriff: „Bis zum 31. August haben wir Zeit, einen Angreifer zu verpflichten. Aber mir würde es im Traum nicht einfallen, Florentino um weitere Spieler zu bitten.“

In Anbetracht der vergangenen Ereignisse sowie dem stets wachsenden Einflussbereich klingt dieser Kommentar wie Understatement. Wenn der Portugiese etwas durchbringen will, gelingt es ihm. Und ein Wunschspieler ist bereits auf halbem Weg Richtung Spaniens Hauptstadt.

Das Tauziehen um Neymar, seit Monaten das Objekt der Begierde, neigt sich nämlich einem Ende zu. Rund 45 Millionen Euro Ablöse soll Santos für den brasilianischen Rohdiamanten kassieren. „Wird die Summe überwiesen, ist der Transfer perfekt“, so der Berater des 19-Jährigen in der „Marca“.

Mächtig, mächtiger, Mourinho.

Christoph Köckeis

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