„Derbi Sevillano“ als Duell spanischer Torjäger

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Lionel Messi – außerirdisch.

Cristiano Ronaldo – nicht von diesem Planeten.

Radamel Falcao – eine Tormaschine.

Die von so manchen Medien verliehenen Attribute der ersten Drei in der La-Liga-Torschützenliste suggerieren eine fehlende Menschlichkeit.

"Normal" = Spanisch

Die ersten „normalen“ Goalgetter sind also auf den folgenden Plätzen zu finden. Und „normal“ heißt angesichts der Namen Alvaro Negredo, Ruben Castro, Roberto Soldado, Aritz Aduriz und Piti vor allem eines: Spanisch.

Die heimischen Stürmer spielen in der aktuellen Saison (mal wieder) eine untergeordnete Rolle, aber eben gerade deshalb auch ihr eigenes Spiel.

Am Freitag kommt es zum direkten Duell der beiden Führenden im Rennen um den Titel „Pichichi espanol“. Und da 17-Tore-Mann Negredo beim FC Sevilla und der um zwei Treffer zurückliegende Castro bei Betis spielt, wird der Zweikampf um den interessanten Faktor Derby bereichert.

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Europameister

Negredo ist Fußballkennern schon seit längerem ein Begriff, spielte sich der gebürtige Madrilene doch über die Stationen Rayo Vallecano, Real Madrid B und Almeria zu Sevilla und damit auch ins Blickfeld des Nationalteams.

Am 20. Oktober 2009 feierte der 1,86m-Angreifer sein Debüt für "La Roja" und konnte seitdem in 14 Länderspielen sechs Tore beisteuern.

Highlight sicherlich die Einberufung in den Kader der EURO in Polen und der Ukraine, wo er mit zwei Einsätzen zum Titelgewinn beitrug und sich somit seit Sommer 2012 Europameister nennen darf.

vs. Spätzünder

Der Name Ruben Castro hingegen dürfte bislang nur aufmerksamen Sehern der La-Liga-Übertragungen bekannt sein. Der in Las Palmas geborene Kanare startete beim Heimatklub UD 2001 seine Karriere, die ihn nach nur einer Saison in der obersten Spielklasse in die Tiefen der Segunda Division führte.

Ein Jahr und 22 Tore später erfolgte ein Angebot von Deportivo La Coruna, wo der heute 31-Jährige aber nie glücklich werden sollte.

Über sechs Jahre lang wurde der sechsmalige U21-Teamspieler stets verliehen, erst der Wechsel zu Real Betis erwies sich als Glücksgriff für beide Seiten und eventuell sogar als Sprungbrett für die Nationalmannschaft.

Während Vicente del Bosque auf Stürmersuche ging, brachten spanische Medien auch immer wieder Namen wie Michu, Iago Aspas oder eben Castro ins Spiel. Letzterer beurteilt die Diskussion aber realistisch: „Meine Chance aufs Nationalteam hatte ich in der Vergangenheit, aber natürlich hoffe ich - wohlwissend, dass es sehr schwierig ist -, Teil dieser Auswahl zu sein.”

Name Alvaro Negredo Ruben Castro
Alter 27 31
Größe 1,86m 1,70m
Saison-Einsätze 26 24
Saisontore 17 15

Wirbelwind

Was gegen eine Zukunft des Betis-Akteurs im roten Dress spricht, ist seine Spielanlage, die jener zahlreicher Fixstarter im spanischen Team zu sehr ähnelt.

Der knapp über 1,70 Meter große Offensiv-Spieler sucht immer wieder auch den Weg über die Flanken und überlässt das Sturmzentrum einem Mitspieler. Mit fünf Assists ist er seinem Konkurrenten Negredo, der 2012/13 erst ein Tor auflegen konnte, in dieser Statistik weit voraus.

Trotz seiner geringen Größe zählt das Kopfball-Spiel neben seinem Antritt und der guten Ballbehandlung aber durchaus zu den Stärken Castros.

vs. Sturmtank

Negredo verkörpert indes die Rolle des klassischen Mittelstürmers, dessen Qualitäten innerhalb des Sechzehnmeterraums liegen. Von den Hereingaben der starken Flügelspieler Jesus Navas und Jose Antonio Reyes profitierend, zählt der „Sevilla-Bomber“ zu den gefährlichsten Kopfballspielern in La Liga.

Nur Bilbaos Aduriz hat ebenso schon fünf Mal in dieser Saison per Kopf getroffen. Mit 3,1 gewonnen Luft-Duellen im Schnitt ist der 14-fache Internationale zudem unter den besten Angreifern zu finden.

Die auch daraus resultierenden 3,9 Schüsse aufs Tor pro Spiel katapultieren Negredo ligaweit sogar auf Platz drei. Nur Ronaldo (7) und Messi (5,2) sind noch „eifriger“.

Dass viele Schüsse nicht immer den Weg ins Tor finden, wird von den Sevillistas teilweise auch als fehlende Kaltschnäuzigkeit gewertet, wie der Stürmer anhand von Schmähungen und Pfiffen nach seinen vergebenen Chancen im letzten Liga-Spiel gegen Bilbao feststellen musste. Mit einem Doppelpack brachte der Kapitän die Fans allerdings wieder zum Schweigen.

Negredo: "Ich glaube, dass ich gut nach England passen würde"

Everton

Die beiden Angreifer aus Sevilla verbindet in diesen Tagen aber nicht nur ihre Torgefährlichkeit, sondern auch die ständige Nennung in Transfergerüchten.

Auf Castro soll beispielsweise der FC Everton ein Auge geworfen haben. Terry Gibson, englischer Profi in den 1980er Jahren und Spanien-Experte, spricht sich offen für die Verpflichtung des Torjägers aus:

„Er mag mit 31 zwar nicht die besten Voraussetzungen besitzen, aber er macht Tore.“

vs. Tottenham

Das Interesse europäischer Top-Klubs an Negredo ist noch größer und ein Abschied des Spielführers zu Ende der Saison wegen der prekären finanziellen Lage des FC womöglich unabdingbar.

Auch beim 27-Jährigen scheint die Premier League derzeit die Nase vorne zu haben. Arsenal und Tottenham sollen Interesse bekundet haben. “Es würde mir gefallen, in England zu spielen. Ich glaube, dass ich mit meinen Anlagen dort gut hinpassen würde“, zeigt sich der Umworbene nicht abgeneigt.

Mit seinem Profil ist er eine Option für alle Klubs, die auf der klassischen Neun Handlungsbedarf sehen – kein Wunder also, dass selbst der BVB auf der Suche nach einem Nachfolger für Robert Lewandowski aufmerksam geworden sein soll.

Von derartigen Spekulationen wollen die Sevillaner Klubs derzeit nichts hören. Ebenso wenig von einem Privatduell um den besten spanischen Torschützen.

Was zählt, ist nur das nächste Spiel. Schließlich ist ja Derby-Time.

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Christian Eberle

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