Macht Bale Real schwächer?

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Der 91-Millionen-Mann bleibt einiges schuldig

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„El Clásico“ im Copa del Rey Finale, es steht  1:1 nach 85 Minuten.

Was anschließend passierte, wird wohl allen Fußball-Fans noch im Gedächtnis sein. Gareth Bale setzte nach einem Konter zum Sprint an, ließ Gegenspieler Marc Bartra wie einen Schuljungen stehen und verwandelte zum viel umjubelten Siegestor für Real Madrid.

Ähnliches Bild rund ein Monat später. Im Champions-League-Finale gegen Stadtrivale Atletico verwandelte der Waliser einen Abpraller in der Verlängerung zur vorentscheidenden 2:1-Führung.

>>> Real Madrid vs. FC Valencia, Samstag, 20:00 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv<<<

Es sind Momente, an die sich der Flügelstürmer momentan gern zurückerinnern wird. War er damals noch gefeierter Held bei den „Königlichen“, bläst ihm in dieser Saison vermehrt eisiger Wind entgegen. Negatives Highlight war das Hinspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Juventus Turin, wo Bale als Sündenbock für die 1:2-Niederlage ausgemacht wurde.

Scharfe Kritik aus der Heimat

In seiner britischen Heimat wurde der 25-Jährige von zwei Legenden besonders scharf kritisiert. „Es ist schwierig für Real, ein Spiel von solch einer Größenordnung zu gewinnen, wenn sie nur zu zehnt spielen. Bale hat seiner Mannschaft heute nichts gegeben“, polterte Roy Keane beim TV-Sender „ITV“.

„Real hat ihn gekauft, weil er ein mutiger Spieler ist, der auf den Außenbahnen Zweikämpfe gewinnt. Diesen Bale sehen wir aber nicht mehr. Er trifft stattdessen immer die einfachste Entscheidung. Anstatt ins Eins-gegen-Eins zu gehen und seine Schnelligkeit auszuspielen, stoppt er den Ball und spielt hinten herum“, so Keane weiter. Auch dessen ehemaliger Manchester-United-Teamkollege Paul Scholes pflichtete bei: „Seine Bälle waren gefundenes Fressen für die Verteidiger.“

Tatsächlich lässt sich das Spiel von Bale nur noch schwer mit seiner Zeit bei Tottenham vergleichen. Damals waren Flankenläufe wie im Copa-Finale nahezu an der Tagesordnung, die berüchtigten englischen Abwehrrecken dribbelte er wie Slalomstangen aus.

Ronaldo als Mitschuldiger?

Der auf der Hand liegende Grund für den Leistungsabfall ist schnell gefunden. Seit Beginn der Saison hat Bale stets mit diversen muskulären Problemen zu kämpfen und war nur selten bei hundertprozentiger Fitness.

Vor dem Spiel gegen Juventus beteuerte sein Trainer Carlo Ancelotti allerdings: „Seine körperliche Verfassung ist wieder perfekt. Gegen Sevilla hat er demonstriert, dass er frisch und bei 100 Prozent ist.“ In Anbetracht der Leistung des Walisers scheint diese Aussage unglaubwürdig.

Dietmar Hamann, einst Champions-League-Sieger mit Liverpool, hat im Interview mit „Talksport“ dagegen einen anderen Ansatz für die sinkende Formkurve von Bale. Er sieht Superstar Cristiano Ronaldo als Mitschuldigen. Er befürchtet ein ähnliches Schicksal wie es einst Kaka in Madrid ereilt hat: „Ich denke nicht, dass für beide Spieler in einem Team Platz ist. Ronaldo hat in dieser Saison 54 Tore geschossen. Er ist Reals Protagonist. Diese Rolle würde Bale nie mit Ronaldo in einem Team einnehmen.“

Gerüchte, wonach sich die beiden teuersten Spieler der Welt zerstritten hätten, tauchten in den vergangenen Monaten immer wieder auf.

Ständige Wechselgerüchte

Auf der britischen Insel wurde bereits nach den ersten schwächeren Auftritten des Flügelstürmers mit einer Rückkehr in die Premier League spekuliert. In den letzten Monaten häuften sich derartige Meldungen. „Vielleicht hat er Heimweh“, spekuliert auch Hamann.

An Interessenten mangelt es nicht, Manchester United und dem FC Chelsea wird großes Interesse nachgesagt. Gerüchte, wonach sich auch Bayern München einen Kauf vorstellen kann, dürften dagegen ins Reich der Fabeln gehören.

Die „Red Devils“ hätten wohl den größten Trumpf in der Hand. Ein Tauschgeschäft, bei dem der heftig von Real umworbene David de Gea eingebunden wird, könnte zum Transfer führen.

In der spanischen Hauptstadt will man aber nichts von einem Verkauf wissen. Zinedine Zidane, letztes Jahr noch Co-Trainer bei Ancelotti, diese Saison Chefcoach der Castilla, stellte gegenüber dem „Mirror“ klar: „Real Madrid kauft die besten Spieler anstatt sie abzugeben. Natürlich gibt es Interessenten, aber wenn der Präsident erklärt, dass Bale nicht zum Verkauf steht, dann ist das auch so.“

Kommt die große Stunde noch?

Trotz schwacher Leistungen und stark aufspielender Konkurrenz (Javier Hernandez), hat Bale unter Carlo Ancelotti einen Stammplatz sicher. Auch nach dem Spiel in Turin beteuerte der 55-Jährige, die Auswechslung Bales hätte keine sportlichen Gründe gehabt: „Ich nahm ihn herunter, weil er müde war. Er ist gerade erst von einer Verletzung zurückgekehrt und ich wollte nicht riskieren, dass er sich erneut verletzt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns.“

Auch bei anderen Vereins-Insidern hat der Linksfuß noch viel Kredit über. Wie etwa bei Klub-Legende Hugo Sanchez, der Geduld für den 25-Jährigen fordert: „Bale wird erwachsen. Er muss verstehen, was es bedeutet, ein Anführer Reals zu sein. Er muss verstehen, dass er einer der wichtigsten Spieler ist und seine Rolle annehmen.“

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Etwas Zeit hat Gareth Bale noch, um die Saison versöhnlich zu beenden. Die wichtigsten Spiele dieser Saison stehen noch aus. Innerhalb von vier Tagen müssen die „Königlichen“ in der Meisterschaft gegen Valencia und im Rückspiel gegen Juventus gewinnen, um die jeweiligen Titelträume aufrecht zu erhalten.

Man stelle sich vor, Gareth Bale trifft in beiden Spielen zum Sieg. Die Kritiker würden wohl für die restliche Saison verstummen.

 

Julian Saxer

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