Katalanische Wahlzuckerl

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Es ist Wahlkampfzeit in Katalonien.

Am 18. Juli wird der neue Präsident des FC Barcelona gewählt. Bleibt Josep Maria Bartomeu im Amt, das er im Jänner 2014 angetreten hat, oder setzt sich einer seiner Konkurrenten durch?

Noch ist der Ausgang völlig offen. Doch dieser Tage nimmt der Wahlkampf so richtig Fahrt auf. Die Kandidaten bringen sich in Stellung. Allen voran Joan Laporta, der eine zweite Amtszeit anstrebt.

Der Rechtsanwalt und Politiker, der am 29. Juni seinen 53. Geburtstag feiert, war bereits von Juni 2003 bis Juni 2010 Barca-Boss. Zwei Champions-League-Triumphe, vier Meistertitel, ein Copa-Sieg, drei nationale sowie ein internationaler Supercup-Erfolg und ein Klub-WM-Titel wurden unter seiner Ägide gefeiert.

Guardiolas Unterstützung

Laporta darf sich bei seiner Kampagne nicht zuletzt über die Unterstützung – wenngleich nicht offiziell – von Pep Guardiola freuen: „Alle Kandidaten haben die Kompetenz, dieses Amt auszuüben und ich wünsche ihnen allen Glück. Aber ich kann nicht leugnen, dass meine Zuneigung für Laporta sehr groß ist.“

Doch einzig und allein die Sympathiebekundungen des ehemaligen Erfolgstrainers sind in Barcelona freilich nicht genug, um zum Klub-Präsidenten gewählt zu werden.

Also verkündete Laporta am Freitag in einem Interview mit „Onda Cero“ weitere Pläne und Vorstellungen.

Pogba als Wahlzuckerl

Und wie das in Katalonien so üblich ist, zählt dazu auch ein Wahlzuckerl in Form eines Transfers, dessen Anspruch es ist, nicht weniger als der spektakulärste der Saison zu sein. Laportas Zuckerl ist Franzose und trägt den Namen Paul Pogba.

Laporta will den Juventus-Superstar ins Camp Nou holen. „Er passt zum Stil dieses Klubs, wäre gut für Barca“, sagt er. Dabei soll sein Kontakt zu dessen Manager Mino Raiola behilflich sein: „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Raiola – seit den Transfers von Ibrahimovic und Maxwell.“

Ein weiteres Ass im Ärmel ist Eric Abidal. Der frühere Barca-Profi pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu Pogba und wird als potenzieller Sportdirektor gehandelt, sollte Laporta gewählt werden. „Eric kann uns viel geben und das will er auch tun“, so Laporta.

Abidal und Puyol sollen zurückkehren

Doch der bald 53-Jährige macht nicht nur mit einer Rückkehr Abidals zum Klub Werbung in eigener Sache. Ein weiterer Ex-Spieler, der in Barcelona einen noch größeren Legenden-Status genießt, wird ebenfalls mit ihm in Verbindung gebracht – Carles Puyol.

„Es gibt immer Platz für Ikonen wie ihn. Mein Modell könnte ihn auf einem Platz, an dem er sich wohl und nützlich fühlt, wiedereinsetzen“, lässt Laporta die konkrete Funktion, die der Ex-Verteidiger unter ihm einnehmen könnte, noch offen.

Andere Kandidaten, andere Pläne

Noch unklarer sind die Pläne Bartomeus, der auf eine Wiederwahl hofft. Zuletzt wurde damit gerechnet, dass Arda Turan sein Wahlzuckerl sein würde. „Marca“ berichtet allerdings, dass dem doch nicht so sei. Bartomeu solle aber in den kommenden Tagen einen anderen „großen Namen“ präsentieren.

Joan Laporta will zurück an die Spitze des FC Barcelona

Jordi Majo, Außenseiter im Rennen um die Präsidentschaft, sorgte zuletzt mit der Behauptung, Sergio Ramos habe sich ihm als potenzieller Barca-Spieler angeboten, für Aufsehen. Majo würde den Dänen Michael Laudrup als Sportdirektor installieren.

Die Katar-Frage

Ein nicht minder spannendes Wahlkampf-Thema ist der Werbeplatz auf der Brust der Barca-Spieler. Der Kontrakt mit Katar läuft 2016 aus. Das Emirat will ihn verlängern und soll zwischen 50 und 60 Millionen Euro pro Saison bieten.

Die meisten Kandidaten wollen aber Abstand von Katar nehmen. Diese Millionen vom persischen Golf anzunehmen sei, als ob man „mit dem Islamischen Staat in Verbindung gebracht würde“, so Agusti Benedito, ein weiterer Präsidentschafts-Kandidat. Er könne garantieren, dass es keine gemeinsame Zukunft mit Katar gäbe, sollte er gewählt werden.

Majo spricht indes von drei Sponsor-Kandidaten, die er in der Hinterhand habe – die Vereinsmitglieder könnten dann entscheiden. Jordi Farre, der das Amt ebenfalls gerne ausüben würde, spricht sich für Katalonien als Trikot-Sponsor aus.

Katalonien und die Politik

Dass die Autonomie-Bestrebungen Kataloniens auch in diesem Wahlkampf eine Rolle spielen, ist klar. Laporta kündigt an: „Wenn ich Präsident bin, wird sich der Klub der politischen Bewegung anschließen.“

Er bezieht ebenfalls deutlich gegen Katar Stellung: „Sie (Ex-Präsident Rosell und Bartomeu) sind Katar, wir sind Unicef. Geld ist nicht alles!“

 Aber es hilft bekanntlich, um einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen. Und jener um die Präsidentschaft des FC Barcelona wird bis 18. Juli noch richtig spannend.

Harald Prantl

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