Duell Basken gegen Katalanen reizt Spanien

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Sport und Politik gehören strikt voneinander getrennt!

Das behaupten zumindest viele.

Sport und Politik lässt sich nicht voneinander trennen!

So sieht es in der Realität aus. Umso mehr, wenn man dieser Tage einen Blick nach Spanien wirft.

Das Land, das erst vor geraumer Zeit durch einen Korruptionsskandal um Inaki Urdangarin, einst einer der besten Handballer der Welt und mittlerweile Mitglied der Königsfamilie, erschüttert wurde, nähert sich einem heißen Datum.

Am 25. Mai treffen im Finale der Copa del Rey in Madrid die Mannschaften vom FC Barcelona und Athletic Bilbao aufeinander. (ab 21:30 LIVE auf LAOLA1.tv)

Katalanen gegen Basken im Kampf um den Pokal eines Königs, den weite Teile der Bevölkerung nicht als Oberhaupt akzeptieren – Polemik vorprogrammiert!

Abstruser Vorschlag

„Das Spiel soll abgesagt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem anderen Ort neu ausgetragen werden“, verkündete Esperanza Aguirre, Präsidentin der Region Madrid.

Die Politikerin der spanischen Volkspartei befürchtet einen ähnlichen Skandal wie 2009, als sich die beiden Mannschaften das letzte Mal im Copa-Finale gegenüberstanden.

Beim Abspielen der Nationalhymne im Estadio Mestalla zu Valencia pfiffen die mitgereisten Fans aus Katalonien und dem Baskenland, um ihren Unmut gegenüber der anwesenden Königsfamilie und den Benachteiligungen von Seiten der Zentralregierung kundzutun.

„Beleidigungen der Fahne oder der Hymne sind gemäß des spanischen Strafgesetzbuches ein Vergehen und dürfen daher nicht geduldet werden“, versucht sich Aguirre als Schützerin nationaler Werte zu profilieren.

Zensur und ihre Folgen

Zwar ist das Auspfeifen einer Hymne kein Kavaliersdelikt, in modernen Demokratien aber Zeichen einer gelebten Meinungsfreiheit, wie auch Barca-Präsident Sandro Rosell in Reaktion auf den Vorschlag aus Madrid betont:

Neben Barcas eigenem Stadion und dem Mestalla blieb somit lediglich Madrid, und nach der Absage von Real – im Santiago Bernabeu seien Restaurierungsarbeiten zu erledigen – nur noch das Estadio Vicente Calderon übrig.

Zum zwölften Mal beherbergt die Heimstätte von Atletico das Endspiel der Copa del Rey, zum 64. Mal insgesamt geht es in Madrid über die Bühne.

Last der Geschichte

Mit dem FCB (25 Titel) und Bilbao (23) messen sich die beiden erfolgreichsten Vereine in der Geschichte dieses Wettbewerbs und das bereits zum sechsten Mal im Finale.

Die zwei Spitzenvereine, die sich als inoffizielles Nationalteam ihrer Region verstehen, verbindet einiges, allen voran ihre Geschichte als Opfer zentralistischer Repression.

In den Jahrzehnten der Diktatur zwischen 1939 und 1975 versuchte Generalissimus Francisco Franco der Weltöffentlichkeit das Bild der „Espana unida“, des geeinten Spaniens, zu verkaufen. Historische, kulturelle Eigenheiten und Unabhängigkeitsbestrebungen wurden mit Gewalt unterdrückt.

Im Zeitalter des Verbots katalanischer und baskischer Sprache, Tänze und Bräuche entwickelte sich das Fußball-Stadion zum einzigen Ort, an dem ein Hauch von Freiheit zelebriert werden konnte.

Diese Tradition wird auch am Freitag wieder fortgeführt.

Auch wenn das heißt, dass es Pfiffe während der Hymne gibt.

>>> Barca-Bilbao, Fr., 25.5., 21:30 Uhr LIVE auf LAOLA1.tv <<<


Christian Eberle

„Mir würde gefallen, ich hoffe und ich wünsche, dass alle Fans ihre Gefühle frei ausdrücken können.“

Zu den Vorkommnissen aus dem Jahr 2009 sei erwähnt, dass der wahre Skandal sich in Madrid abgespielt hat. Das spanische Staatsfernsehen schaltete mitten in der Hymne zu Außenstellen nach Bilbao und Barcelona, um jubelnde Fans zu zeigen. Die „Marcha Real“ wurde, akustisch von den Pfiffen gereinigt, erst in der Halbzeit-Pause wiedergegeben.

Resultat dieser billigen und daher leicht zu durchschauenden Zensur war ein Aufschrei aus allen Teilen des Landes und schließlich der Rücktritt des Fernseh-Sportchefs.

Ausgerechnet Madrid

Das Wiederholen ähnlicher Szenen, versuchte Aguirre zu verhindern. Dass das Endspiel in der Hauptstadt-Region stattfindet, war im Übrigen eine Entscheidung, die sich über Wochen hingezogen hat.

Der spanische Verband befand sich auf der Suche nach einem Austragungsort, der über ein Stadion mit adäquatem Fassungsvermögen verfügt und nicht zu weit von der Heimat der beiden Finalisten entfernt liegt.

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