Bankangestellter fordert Weltmeister

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Er ist das Gesicht eines Vereins, dessen Namen man kaum kannte.

Pablo Infante, Kapitän des CD Mirandes und als solcher gefragtester Interview-Partner des Sensations-Halbfinalisten der Copa del Rey.

Der 31-Jährige ist mit sieben Treffern Top-Scorer im Bewerb…und Bank-Angestellter.

„Sie waren ein paar Bierchen trinken, was auch verständlich ist, aber ich muss meine Filiale um acht Uhr aufsperren“, verlautbarte der sympathische Glatzkopf in „El Pais“, nachdem sein Team mit Espanyol Barcelona den dritten Erstligisten aus dem Pokal gekickt hatte.

Die Lust zu feiern war bei seinen Team-Kameraden selbst nach dem Hinspiel im Semifinale gegen Athletic Bilbao nicht verflogen.

Zwar unterlag Mirandes dem Europa-League-Teilnehmer im heimischen Estadio Anduva 1:2, die Chance auf den Finaleinzug bleibt aber weiterhin aufrecht.

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Vom Lehrsaal auf den Fußballplatz

Infante ist kein Einzelfall. Ein Großteil der Kaderspieler besucht vor dem Training die Universität, oder geht „normalen“ Berufen nach.

Mittelfeldspieler Nacho Garro etwa war 1997 U-16-Europameister mit einem Team, dem auch Iker Casillas angehörte, und arbeitet heute im Geschäft seines Vaters in Vitoria-Gasteiz.

Die Verteidiger Mikel Martins und Inaki Garmendia studieren mit wechselnder Konsequenz.

Banker statt Profi

Doch keine der Personalien ist wohl so speziell wie die des Kapitäns. Trotz all des Rummels um seine Person steht der Offensiv-Spieler Tag für Tag am Schalter der lokalen Bank in Quincoces de Yuso, einem Dorf mit 227 Einwohnern.

„Man muss im Leben glücklich bleiben. Ich bin glücklich in diesem Job“, erklärt der Star der Mirandeser, der schon etliche Angebote renommierter Vereine ausgeschlagen hat.

Er genieße einfach die Stabilität eines täglichen Jobs. Eine Einstellung, die in einem Land mit über 20 Prozent Arbeitslosenrate durchaus zu verstehen ist.

Gegen das eigene Team

Ein weiteres Detail sticht einem sofort ins Auge, wenn man die Lebensläufe der Schützlinge von Trainer Carlos Pouso unter die Lupe nimmt.

Mit Antxon Muneta und Alain Arroyo sind zwei Spieler sogar Mitglieder bei Athletic Bilbao, dem Verein, bei dem sie am Dienstag um den Finaleinzug im spanischen Königspokal spielen.

Der Weg nach Bilbao ist für die Kicker aus dem knapp 86 Kilometer entfernten Miranda de Ebro ohnehin wohl bekannt, spielt man doch in der Meisterschaft der Segunda Division B gegen die Amateure des Athletic Club.

Zwei Welten treffen aufeinander

Im San Mames treffen Infante, Martins und Co. am Dienstag allerdings auf amtierende Weltmeister, U21-Europameister und Primera-Division-Veteranen.

Ein Marktwert-Vergleich muss nicht gezogen werden. Allein Fernando Llorente ist ein Vielfaches des Mirandes-Jahres-Budgets  wert.

Nichtsdestoweniger ist man auf Seiten des großen Favoriten gewarnt. „Wir müssen großen Respekt vor Mirandes haben, weil sie ihn sich verdient haben. Sie haben sich gegen drei Vereine der Primera Division durchgesetzt und das war kein Glück oder Zufall“, erklärt Oscar de Marcos in der „Marca“.

Mit dem 2:1-Sieg im Rücken hat Bilbao zwar eine gute Ausgangsposition, aber man müsse „abwarten und sehen was passiert“.

Passieren kann viel. Ein 2:0-Auswärtssieg, oder ein 2:1 und Verlängerung, die Sensation scheint nicht unmöglich.

Sollte der Drittligist wirklich ins Finale einziehen, wird diesmal wohl auch Pablo Infante beim Feiern dabei sein.

Und keiner seiner Kunden wäre böse, wenn am nächsten Tag die Bank geschlossen bliebe.


Christian Eberle

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