Aufmacherbild

Usain Bolt lässt grüßen: Top-Klubs und ihre Fehlstarts

Usain Bolt ging als haushoher Favorit zu seinem Startblock, machte sich bereit und wartete auf den Startschuss, um über die 100-Meter-Distanz zu WM-Gold zu sprinten.

Dem Jamaikaner versagten jedoch die Nerven, ein kapitaler Fehlstart brachte ihn um den Lohn seiner harten Trainingsarbeit. Bolt musste mitansehen, wie die Konkurrenz die Medaillen unter sich ausmachte.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Ähnlich ergeht es derzeit einigen Fußball-Giganten. Ob Marseille, Milan oder Arsenal - sie alle hatten den Anspruch, um Titel zu spielen und möglichst viele Spiele zu gewinnen.

Doch schon früh folgte das böse Erwachen. Die erwarteten Siege blieben aus, die Fans wurden enttäuscht, der Fehlstart war perfekt.

Für diese Vereine ist nun oberste Prämisse, die zahlreichen Fehler abzustellen, um zurück in die Erfolgsspur zu finden. LAOLA1 mit den prominentesten Beispielen aus Europas Top-Ligen:

Nationale Erfolge: 9x Meisterschaft, 10x Pokal, 2x Supercup, 2x Ligapokal

Internationale Erfolge: 1x UCL, 1x UCL-Finale, 2x UEFA-Cup-Finale

Neun Spieltage sind in der Ligue 1 abgespult, mehr als ein mickriger Sieg wollte dabei für Olympique Marseille nicht rausspringen. So gesehen ist der 13. Platz in der Tabelle wenig verwunderlich. "Marseille geht's schlecht", titelte die "L'Equipe" bereits. Der Fehlstart verwundert, da sich "OM" in der jüngeren Vergangenheit auf dem Weg nach oben wähnte, wie auch der zweite Platz 2010/11 eindrucksvoll untermauerte.

Eine wenig geglückte Transferphase später herrscht bei den Phöniziern jedoch Tristesse. Mit Taiwo (Milan) und Heinze (Roma) verließen zwei Leistungsträger den Klub, die Neuzugänge konnten diesen herben Verlust bislang nicht verkraften, die Abwehr ist alles andere als sattelfest. Nach vorne hängt zu viel von Loic Remy (vier Saisontore) ab, zudem sitzt die Geldbörse wieder enger, da der Fokus auf der Renovierung des "Stade Velodrome" liegt. Immerhin läuft es für die Deschamps-Truppe in der Champions League. Nach zwei Spieltagen steht die Maximal-Ausbeute von sechs Zählern zu Buche.

Nationale Erfolge: 18x Meisterschaft, 7x Pokal, 5x Supercup

Internationale Erfolge: 3x UCL, 3x UEFA-Cup, 2x Weltpokal, 1x Klub-WM

Fünfmal in Folge wurden die Nerazzurri Meister, ehe Erzrivale AC im letzten Mai die Siegesserie durchbrach und den Scudetto stemmen durfte. Inter-Boss Moratti gab daher als Ziel aus, in dieser Saison wieder selbst ganz oben zu stehen. Gian Piero Gasperini wurde als Trainer verpflichtet, nach einem katastrophalen Fehlstart jedoch schon im September wieder entlassen. Unter Claudio Ranieri lief es zuletzt etwas besser, Rang 17 in der Serie A (ein Sieg, ein Remis, drei Niederlagen) können aber nicht der Anspruch des erfolgsverwöhnten 18-fachen italienischen Meisters sein.

Eine Ursache für die bislang schwachen Vorstellungen ist die Harmlosigkeit der Offensive. Kein Akteur konnte in der Liga mehr als einen Treffer aus dem Spiel heraus erzielen. Zudem offenbart die Defensive ungeahnte Schwächen, elf Gegentreffer in fünf Partien sind eines Titelkandidaten nicht würdig. Auch im internationalen Geschehen läuft es noch nicht rund, einer 0:1-Heimblamage gegen Trabzonspor folgte ein hart erkämpfter 3:2-Erfolg bei ZSKA Moskau. Ranieri wollte die Länderspielpause nutzen, um sein Team auf Vordermann zu bringen. Ob ihm das gelang, wird man in den nächsten Wochen sehen.

Nationale Erfolge: 18x Meisterschaft, 5x Pokal, 6x Supercup

Internationale Erfolge: 7x UCL, 2x EP der Pokalsieger, 3x Weltpokal, 1x Klub-WM, 5x Europäischer Supercup

Nach dem Gewinn der Meisterschaft träumten die Anhänger des AC Milan von einer neuen Ära. Unsanft wurden sie auf den Boden der Tatsachen geholt, die Allegri-Mannschaft ist als Tabellen-15. nur unweit von den Abstiegsrängen entfernt. Das Team agiert weit unter seinem Niveau, Ibrahimovic und Co. hecheln ihrer Form hinterher. Ausdruck dessen ist die Harmlosigkeit vor dem Tor: Die Rossoneri halten bei nur fünf Liga-Treffern.

Nach dem 0:2 bei Erzfeind Juventus muss sich auch die Abwehr hinterfragen. Marchisio konnte nach Lust schalten und walten, zudem patzte Goalie Abbiati beim zweiten Tor böse. Möglicherweise war das mit viel Glück errungene 2:2 in der UCL beim FC Barcelona, das von den Medien gefeiert wurde, ein Signal in die falsche Richtung. Spielerisch hatten die Lombarden den Katalanen aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Nun wird es Zeit, die gutbezahlten Spieler wieder davon zu überzeugen, dass man sich Erfolg erarbeiten muss.

Nationale Erfolge: 13x Meisterschaft, 10x FA-Cup, 2x Ligapokal, 12x Charity Shield

Internationale Erfolge: 1x UCL-Finale, 1x Messe-Pokal, 1x EP der Pokalsieger

Seit nunmehr 15 Jahren schwingt Arsene Wenger das Zepter des FC Arsenal. Derart erfolglos, wie sich die Nordlondoner derzeit präsentieren, sah man sie unter der Ägide des Franzosen noch nie - Folge: Platz 15 in der Premier League. Die Abgänge von Clichy, Nasri und Fabregas konnten bislang nicht im Ansatz kompensiert werden, dazu gesellt sich schier unglaubliches Verletzungspech.

So muss Arsenal derzeit mit Vermaelen, Diaby, Wilshere und Sagna gleich vier Leistungsträger vorgeben. Die Neuzugänge um Mertesacker, Benayoun und Gervinho konnten die in sie gesteckten Erwartungen bislang nicht erfüllen. Auffallend ist das entstandene Machtvakuum im Team: Es gibt keinen offensichtlichen Leader auf dem Platz. Van Persie ist zu ruhig, Wilshere (noch) zu jung und zudem gerade außer Gefecht. Hält die sportliche Talfahrt an, kann davon ausgegangen werden, dass die Gunners im Winter noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen werden.

Nationale Erfolge: 6x Meisterschaft, 3x Pokal, 2x Supercup/Ligapokal

Internationale Erfolge: 1x UCL, 1x UCL-Finale (jeweils Pokal der Landesmeister), 1x EP der Pokalsieger, 1x EP der Pokalsieger-Finale

Ze Roberto, van Nistelrooy, Rost, Trochowski, Elia, Ben-Hatira und Mathijsen sind die prominentesten Sommer-Abgänge der Norddeutschen. Dieser Aderlass macht sich bemerkbar, da half auch die Vielzahl an (Chelsea-)Neuzugängen nichts. Töre, Sala, Mancienne und Co. sind mit dem Druck, der auf ihnen lastet, überfordert und nehmen nach acht überaus enttäuschenden Spieltagen die Position des Tabellen-Schlusslichts ein.

Die Kader-Runderneuerung ging - Status quo - komplett in die Hose. Mit Trainer Michael Oenning musste Sportchef Frank Arnesen einen seiner wichtigsten Vertrauten aufgrund sportlicher Erfolgslosigkeit entlassen. Die Suche nach einem neuen starken Mann auf der Trainerbank gestaltete sich indes schwierig. Van Gaal und van Basten sagten ab. Letzlich fiel die Wahl auf Thorsten Fink, der dank einer kräftigen Ablösesumme (ca. 650.000 Euro) von Basel losgeeist werden konnte. Mit ihm wollen sich die Hamburger konsolidieren. Situation ist brenzlig, der Bundesliga-Dino braucht dringend Punkte, um die Abstiegsplätze verlassen zu können.

 

Christoph Nister

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»