Der "weiße Hans Sarpei"

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"Der weiße Hans Sarpei"

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Er ist wieder da. Das Format aller Formate. Der Grund für einen perfekten Start in die Woche. Der LAOLA1-Saloon.

Wie gewohnt werdet ihr mit Kuriositäten, Zahlenspielen und Neuigkeiten aus den Top-Ligen versorgt.

Diese Woche unter anderem im Angebot: Ein Brasilianer als "Schwan", ein Mitspieler als Schiedsrichter und ein Real-Coach am Kaukasus.

 

Top-Spiele

Da lachte er, der Tingeltangel-Bob des europäischen Spitzenfußballs. David Luiz ging kurz vor Ende des Premier-League-Schlagers Manchester United gegen Chelsea zu Boden, nachdem ihm Landsmann Rafael einen Tritt verpasst hatte. Noch am Rasen des Old Trafford liegend zeigte der Chelsea-Verteidiger den Kameras gut sichtbar sein strahlendes Lächeln - alles halb so schlimm. Howard Webb gefiel die Darbietung des "Sterbenden Schwans" dennoch gut, er quittierte die Aktion mit Rot für den United-Außenverteidiger. "Ist das professionell?", fragte Coach Ferguson nach der Schauspiel-Leistung richtig. Fußball wurde übrigens auch gespielt. Matas später Treffer zum 1:0 sicherte den "Blues" drei wichtige Punkte im Kampf um die Champions League.

 

  Ob der sportlichen Wertlosigkeit des Duells vermuteten viele im Vorfeld des Klassikers zwischen den CL-Finalisten Borussia Dortmund und FC Bayern einen Kampf mit stumpfen Waffen. Die Punkte wurden beim 1:1 nach Treffern von Großkreutz und Gomez - der sein Tor verdächtig verhalten bejubelte - auch brüderlich geteilt. In Halbzeit zwei wurde aber klar, dass es zwischen den beiden Erzrivalen "nie ein Freundschaftsspiel" gibt, wie Bayern-Keeper Neuer nach Spielende festhielt. Rafinhas doppelte Tätlichkeit gegen Blaszczykowski fungierte als Dosenöffner für ein Revival des "Hass-Gipfels" vergangener Tage. Der folgende Infight zwischen Klopp und Sammer sorgte an diesem Abend für mehr Spannung als jener zwischen Klitschko und Pianeta wenige Stunden später im Boxring. Die Nerven liegen blank - ein erster Vorgeschmack auf die kommenden Wochen.


Wenn man der beste Fußballer der Welt ist, reicht schon allein die Präsenz an der Out-Linie aus, um sein Team besser zu machen. So geschehen am Wochenende im Spiel FC Barcelona gegen Real Betis. Noch bevor der bereitstehende Messi einen Fuß auf das Spielfeld setzte, glichen die Katalanen zum 2:2 aus. Als "La Pulga" endlich mitspielen durfte, dauerte es nur wenige Minuten, ehe mit Toren zum 3:2 und 4:2 die Messe gelesen war. Zufrieden war der Argentinier mit seiner Leistung damit noch nicht, wie seine Reaktion nach der vergebenen Chance in Minute 93 zeigte. Ein Hattrick hätte diese Geschichte aber auch wirklich besser abgerundet...

Schattenspiel

Im August 1913 kam es zum ersten Superclásico in Argentinien. Am Sonntag trafen sich die Boca Juniors und River Plate nahezu exakt 100 Jahre später zum "Jubiläumsspiel". Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison fand das Duell erneut keinen Sieger, eine umkämpfte Partie endete 1:1. War das Spiel in Hälfte eins noch von Fußball und den Toren von River-Offensivspieler Lanzini (1.) und Boca-Stürmer Silva (34.) geprägt, dominierten in den zweiten 45 Minuten die Fans. Aufgrund von "Pyrotechnik südamerikanischer Dimension" nebelte der "Xeneises"-Anhang La Bombonera gelb-blau ein. Sah schön aus, sorgte aber für eine lange Verzögerung und beinahe den Spielabbruch. In der Tabelle liegt River (3.) damit weiter 15 Plätze (!) vor dem Erzrivalen.

An dieser Stelle sei den jüngst gekürten Champions Steaua Bukarest zum 24., Galatasaray zum 19., FC Kopenhagen zum 10. und Ajax zum 32. Titel gratuliert. Und natürlich Juventus zum 29., oder war es doch schon der 31.?

Viererkette

Drohung der Woche: Dass gewisse Fans glauben, über Verein und Spieler zu stehen, ist ein bekanntes Phänomen. Was sich die Anhänger des serbischen Drittligisten Macva Sabac nun aber geleistet haben, geht deutlich zu weit. Die "Ultras" brachen ins Stadion ein, hoben ein Grab aus und stellten davor ein Kreuz mit der Aufschrift "Zweite Liga oder das" auf. Geschmacklos! Nur gut, dass man als Zweiter dem Aufstieg relativ nahe ist.


Zwiegespräch der Woche: Jenes lieferten sich Joey Barton und Stephane M'Bia via Twitter. Der Franzose, der vergangenen Sommer aus Marseille zu Premier-League-Absteiger Queens Park Rangers wechselte, fragte beim an "OM" ausgeliehenen Spieler an, ob sie nicht wieder Platz tauschen wollen. Barton antwortete keck: "Wie sage ich das politisch korrekt? Äh, nein!" Stattdessen riet der Engländer seinem Profikollegen: "Wenn du mit dem Team absteigst, musst du ihnen helfen, wieder hoch zu kommen." Ein guter Rat des mitteilungsbedürftigen 30-Jährigen, der vom französischen Verband wegen des Tweets über "Ladyboy Thiago Silva" übrigens für zwei Spiele bedingt gesperrt wurde.

Balotelli der Woche: Ein Tor, das Milan den Sieg bringt, hatten wir schon. Eine Gelbe Karte nach Ausziehen des Trikots kennt man bei Mario Balotelli spätestens seit dem EM-Halbfinale gegen Deutschland. Aber dass er diese Verwarnung von einem Mitspieler erhält, ist neu. Sulley Muntari stahl Schiedsrichter Antonio Damato kurzerhand den bereits gezückten Gelben Karton und zeigte ihn seinem Mitspieler. Der Unparteiische nahm die kurzweilige "Amtsenthebung" locker, verwarnte Balotelli aber sicherheitshalber ein weiteres Mal.
 

Tweet der Woche: "Wenn ich der schwarze Chuck Norris bin, dann ist Peter Neururer der Weiße Hans Sarpei." - siehe "On Fire"!

 

Legionäre der Woche

Deutsche treffen gegen Österreicher ja besonders gerne. Miroslav Klose nahm es mit dieser Fußball-Weisheit ganz genau und fand heraus, dass Bologna-Torhüter Dejan Stojanovic ja eigentlich in Feldkirch geboren ist. Also schenkte der Lazio-Stürmer dem einstigen FC Lustenau-Keeper, der für Mazedonien im Team aufläuft, zu seinem Serie-A-Debüt beim 6:0-Sieg gleich einmal fünf Tore ein. "Wir sind alle an dieser Niederlage schuld, ich eingeschlossen. Lediglich Dejan ist ausgeschlossen", verkündete Trainer Stefano Pioli. Wie dem auch sei, hat der 19-Jährige nun erstmals Serie-A-Luft geschnuppert. Etwas, das Lukas Spendlhofer womöglich auch bald schafft. Der U21-Teamspieler von Inter saß in Napoli zumindest schon einmal auf der Ersatzbank.

"On Fire"

 "Peter der Große" kam, sah und - rettete seinen VfL Bochum vor dem Abstieg. So werden es die Biographen von Peter Neururer höchstwahrscheinlich einmal festhalten, das Saison-Finish 2012/13. Nach zuvor sechs Spielen ohne Sieg fuhren die Bochumer in den vier Partien unter der Leitung des 58-Jährigen ebenso viele Dreier ein. Zwar kassierte man beim 2:1-Sieg über Köln den ersten Gegentreffer unter Neururer, der VfL zeigte aber Moral und drehte die Partie gegen den Aufstiegskandidaten noch. Zwei Runden vor Schluss haben die Westfalen vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der Klassenerhalt scheint ob der aktuellen Form nur noch Formsache zu sein. Zudem strömen die Fans seit Neururers Rückkehr wieder in Scharen zu den Spielen des VfL - der "Pott" kocht.

 

"On Ice"

Erinnert sich noch jemand an den 6. Spieltag in der Bundesliga? Drei Teams waren zu diesem Zeitpunkt noch ungeschlagen: Bayern, mittlerweile Meister, Frankfurt, um die internationalen Startplätze kämpfend, und Düsseldorf. Die Fortuna befindet sich aktuell mitten im Abstiegskampf und das ist angesichts der jüngsten Unserie nicht verwunderlich. Zehn Spiele in Folge ist der Aufsteiger nun ohne Sieg, ein solcher gelang das letzte Mal Mitte Februar gegen Greuther Fürth. Zwei Spiele bleiben der Elf von Trainer Norbert Meier noch, um ein Ende des Negativlaufs herbeizuführen. Ansonsten heißt die Zukunft wohl 2. Liga.

Von Cardiff an den Kaukasus: Toshack

Was macht eigentlich … John Toshack?

Lange bevor Swansea City den englischen Fußball aufwirbelte, nahm ein ehemaliger Trainer der Waliser Angriff auf Europa. Von den "Swans" über Sporting und Real Sociedad landete John Toshack 1989 erstmals bei Real Madrid, wohin er nach weiteren Stationen in Spanien und der Türkei zehn Jahre später noch einmal zurückkehrte. Nach dem Kurzgastspiel folgten Engagements in Frankreich und Italien, ehe sich der ehemalige Star-Spieler von Liverpool als Teamchef versuchte. Nach sechs Jahren auf der Bank von Wales (2004-2010) und einem Jahr in Mazedonien feierte der heute 64-Jährige sein Comeback im Vereinsfußball und coacht seit März diesen Jahres Khazar Lankaran. Dabei handelt es sich um einen Klub der aserbaidschanischen Premier League, der aktuell im Relegationsplayoff um den Klassenerhalt kämpft. Womit auch der Kreis zu Real geschlossen wäre - immerhin gilt Khazar dank Petro-Dollars als Liga-Krösus.

Fußnoten 

Five-Pack - Miroslav Klose markierte beim 6:0-Erfolg Lazios über Bologna fünf Treffer. Das gelang in einem Serie-A-Spiel zuletzt Roberto Pruzzo 1986 (Roma vs. Avellino 5:1).

Rachegelüste - Roberto Soldado hat nach seinem Treffer gegen Osasuna insgesamt 16 Tore gegen seine Ex-Teams erzielt. Damit zieht er mit Ismael Urzaiz und Samuel Eto'o gleich.

Gerissen I - Dortmunds Jakub Blaszczykowski sah gegen die Bayern Gelb. Nicht ungewöhnlich? - Falsch. In den letzen 87 Bundesligaspielen davor wurde "Kuba" kein einziges Mal verwarnt. Die letzte Gelbe datierte vom 3.4.2010.

Gerissen II - Bis zum Remis gegen die Münchner hatte der BVB alle 21 Spiele gewonnen, in denen sich Kevin Großkreutz in die Torschützenliste eintrug.

Saubermänner - Paul Pogbas Rote Karte gegen Palermo war der erste Ausschluss eines Juve-Spielers in dieser Saison.

Saubermänner II - Eine noch "sauberere" Statistik wurde von Rafinha befleckt. Gelb-Rot für den Brasilianer bedeutete den ersten Ausschluss eines Bayern-Profis.

Saubermänner III - Dritte Liga, dritter Meister. Auch ManUnited kassierte in Person von Rafael als letztes Team der Liga die erste Rote Karte der Saison.

Sünder - Die Rote Karte für PSG-Abwehrchef Thiago Silva war der neunte Platzverweis für einen Pariser in dieser Saison.

Jubiläum - VfB-Keeper Sven Ulreich bestritt gegen Fürth seine 100. BL-Partie in Folge über die gesamte Spielzeit - aktuell die längste derartige Serie. Zugleich war die 0:2-Niderlage Bruno Labbadias 150. Auftritt als BL-Trainer.

Torsperre - Zlatan Ibrahimovic hat erstmals in zwei aufeinanderfolgenden Ligue-1-Spielen nicht getroffen.


Christoph Kristandl/Christian Eberle

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