"Keine Reise ist mir zu weit"

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"Ein gewisser Druck, aber keiner der mich lähmt"

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Die Verwechslung zwischen Austria und Australia wird Marc Janko in Zukunft noch mehr zu spüren bekommen.

An seiner Entschlossenheit, sich beim Sydney FC in der australischen A-League wieder in die Auslage zu schießen, ändert dies freilich wenig.

Nach den zuletzt wenig erfreulichen Erfahrungen bei Trabzonspor kommt dem 31-jährigen ÖFB-Teamstürmer das Abenteuer in der aufstrebenden Liga Down Under gerade recht.

Bei seinem Neo-Klub wird er Nachfolger von niemand geringerem als Alessandro del Piero. „Ich bin doch 1,96 Meter groß und habe große Füße, von dem her mache ich mir da keine Sorgen, in seine Fußstapfen zu treten“, scherzt Janko, den LAOLA1 am anderen Ende der Welt erreichte.

Sein Abschied aus Europa könnte, muss aber nicht das Ende seiner Nationalteamkarriere bedeutet. „Ich kann nur betonen, dass mir keine Strapazen, keine Reise der Welt zu weit ist, um für mein Heimatland zu spielen.“

LAOLA1: Der Tapetenwechsel ist vollzogen! Das Gerücht gab es schon länger. Woran hat es sich noch gespießt?

Marc Janko: Weil doch ein paar Kilometer dazwischen liegen. Bevor die Jungs hier noch nicht den medizinischen Check absolvieren konnten und die Unterschrift unter dem Vertrag war, wurde Stillschweigen vereinbart. Ich bin dem Wunsch nachgekommen. Ich wollte keinen Wechsel verlautbaren, der noch nicht in trockenen Tüchern war. Das war der Grund, warum ich mich bisher noch bedeckt gehalten habe.

LAOLA1: Bist du schon öfters zwischen Österreich und Australien hin- und hergejettet oder wie wurde der Deal abgewickelt?

Janko: Ich bin am Montag in der Früh hier gelandet, davor habe ich immer nur telefonisch Kontakt gehalten und verhandelt. Dazwischen ist ein Offizieller des Vereins nach Holland zu meinem Manager geflogen, dann gab es ein finales Angebot, welches ich dann angenommen habe, weil ich einfach nicht mehr länger warten wollte, ob noch was Neues kommt. Es war bis dato auch das einzige konkrete Angebot, das am Tisch gelegen ist. Ich wollte einfach wieder Fußball spielen, Spaß haben, nicht mehr länger pokern und bei einer Mannschaft reinrutschen, die dann eventuell nur Probleme oder verletzte Spieler hat. Insofern habe ich mich jetzt entschlossen, wieder für ein Jahr Gas zu geben und körperlich auf ein gutes Niveau zu kommen. Das waren die Beweggründe für meinen Wechsel.

LAOLA1: Ihr habt euch auf einen Einjahresvertrag geeinigt. War das in deinem Sinne oder hättest du lieber ein längeres Engagement zwecks Sicherheit angestrebt?

Janko: Es ist von beiden Seiten so ausgemacht, weil bei Spielern aus Europa irgendwie ein Fragezeichen dabei ist, wie sie sich tun und wohl fühlen. Das war bei Alessandro del Piero nicht anders. Insofern hat man bis Februar Zeit, die Option zu verlängern oder den Vertrag zu beenden. Sollte ich mich nicht wohlfühlen, wäre ich nächsten Sommer wieder ablösefrei zu haben und flexibel. Ich bin aber nicht gekommen, um nur ein Jahr zu bleiben.

LAOLA1: Mit welchen Gründen konnte dich Sydney FC konkret vom Wechsel überzeugen?

Janko: Erst einmal damit, dass ich extrem gewollt wurde – vom Trainerteam, vom Klub. Dass ich bis dato noch keine konkreten, sondern nur lose Anfragen am Tisch hatte. Fußball ist immer ein Tagesgeschäft. Die erfolglose Zeit in Trabzon hat mir anscheinend so viel Reputation gekostet, dass ich nicht erschlagen worden bin. Dieses Standing muss ich mir erst wieder erarbeiten. Insofern bin ich froh, dass ich hier die Chance bekommen habe, mich wieder in die Auslage zu schießen. Dann wird man sehen, wohin die Reise hingeht.

LAOLA1: Umso überraschender, dass ein Klub aus Australien bei dir anfragt. Somit musst du deine Visitenkarte hinterlassen haben.

Janko: Ich habe am Anfang nicht damit gerechnet, nach Australien zu gehen. Aber je mehr der Gedanke gereift ist, desto mehr konnte ich mich damit anfreunden. In Verbindung mit den positiven Gesprächen und Informationen über die Liga und den Klub war es eine Sache, die ich machen wollte. Auf der anderen Seite wollte ich nicht mehr länger warten und alleine trainieren, sondern mich wieder in einen Mannschaftsverbund integrieren und dem nachgehen, was ich schon mein Leben lang leidenschaftlich mache.

LAOLA1: Australien, ein tolles Land. Wie sieht es deiner Meinung nach fußballerisch aus?

Janko: Ich habe jetzt noch keine Gelegenheit gehabt, mit den Jungs zu trainieren, aber ich habe mich bei vielen Leuten informiert. Die australische Liga braucht sich auf keinen Fall vor der österreichischen verstecken, im Gegenteil. Vielleicht mit der Ausnahme von RB Salzburg, das sowieso in eigener Liga spielt. Die Australier haben auch bei der WM teilgenommen im Gegensatz zu uns Österreichern. Das Land ist fußballerisch immer mehr im Kommen, ähnlich wie in den USA. Das sieht man auch an den Zuschauerzahlen. Letzte Saison war der Schnitt bei einem Heimspiel bei 19.000 Leuten. Das ist eigentlich bemerkenswert in einem Land, in dem Rugby, Cricket und nicht Fußball die Hauptsportarten sind. Es ist schön und irgendwie eine Ehre, mitzuhelfen, dass die Begeisterung noch mehr steigt und Fußball immer mehr ins Zentrum rückt.

LAOLA1: Siehst du es einfach nur als weitere Station oder eher als Abenteuer, deinem Job nun weit weg von Europa nachzugehen?

Janko: Es ist jetzt gefühlt am anderen Ende der Welt, aber die Liga hat sich sehr entwickelt und es sind bei jedem Spiel etliche Scouts von europäischen Vereinen auf der Tribüne, weil auch die Qualität der australischen Spieler immer mehr zunimmt. Die sind noch dazu billig zu haben. In Zeiten wie diesen, in denen jeder Verein finanztechnisch sehr knapp kalkulieren muss, sind solche Schnäppchen gerne gesehen. Von daher denke ich nicht, dass ich für Fußball-Insider und Klubs aus dem Sichtfeld bin. Vom Lebenstechnischen her brauchen wir nicht darüber reden, dass es eine Traumstation ist. Ich bin jetzt etwas länger als 24 Stunden hier und muss jetzt schon sagen, dass es sicher eine der schönsten Städte ist, in der ich jemals sein durfte.

LAOLA1: Tut diese Entfernung aufgrund der Erfahrungen zuletzt in der Türkei bei Trabzonspor in gewisser Hinsicht auch gut?

Janko: Absolut! Ich möchte wieder Spaß am Fußball haben und mich in einer Gegend aufhalten, in der ich und meine Qualitäten geschätzt werden. Das ist hier hundertprozentig der Fall. Anfang Mai kam dieses Thema erstmals auf. Seitdem haben sich der Trainer und der Besitzer extrem um mich bemüht, mir in vielen Gesprächen ein gutes Gefühl gegeben und mir einiges von der Liga erzählt. Im Laufe der Wochen ist dann der Entschluss gereift.

LAOLA1: Du kommst indirekt als Nachfolger von Alessandro del Piero. Ist das für dich eine zusätzliche Motivation oder mehr Druck, in diese Fußstapfen zu treten?

Janko: In gewisser Weise ist es schon ein Druck, aber keiner der mich lähmt, sondern eher motiviert. Del Piero hat irrsinnig viel für die Liga und Bekanntheit gemacht. Ich muss ehrlich sagen, dass ich durch ihn zum ersten Mal seit Richard Kitzbichler, der in Australien gespielt hat, wieder von der Liga gehört habe. Ich bin darauf angesprochen worden, dass ich in große Fußstapfen trete, also habe ich gesagt, dass ich doch 1,96 Meter groß bin und große Füße habe, von dem her mache ich mir da keine Sorgen. Auch wenn ich natürlich ein anderer Spielertyp bin. Wir brauchen jetzt nicht del Piero mit mir vergleichen, das ist auch gar nicht so gemeint. Der Klub hat sich mit meiner Verpflichtung einiges gedacht. Jetzt liegt es an mir, diese Erwartungen zu erfüllen. Dann wird es ein erfolgreiches Miteinander.

LAOLA1: Der Trend geht schon in die Richtung der USA, sprich das Niveau mit europäischen Spielern zu steigern. Thomas Broich war mehrmals Spieler des Jahres, dazu del Piero und Co.

Janko: Genau, das sind ähnliche Gedankenspiele. Sie sind insofern ein bisschen durch diese Gehaltsgrenze gehandicapt. Sie können jedes Jahr nur ein oder zwei Spieler verpflichten, die in Europa mehr Geld verdienen würden. Diese Spieler bringen die Liga und das Team auf ein anderes Level. Speziell die jungen können von diesen erfahrenen Spielern immer viel lernen. Ich probiere, meine Erfahrungen weiterzugeben, mich so gut wie möglich zu integrieren und Erfolg zu haben. Ich bin nicht hierhergekommen, um Urlaub zu machen, sondern um wieder durchzustarten.

LAOLA1: Du siehst es somit auch ein wenig als Auftrag, als Europäer deinem neuen Verein weiterzuhelfen und das Niveau zu steigern?

Janko: Absolut, das ist auch irgendwie die Message, die der Verein mit meiner Verpflichtung getätigt hat. Ich soll eine Art Entwicklungshilfe speziell für die jungen Spieler sein. Ich habe in meinen zehn Jahren als Profi doch schon einiges gesehen, erlebt und in vielen Ländern gespielt. Diese Erfahrung weiterzugeben, ist fundamental.

LAOLA1: Somit steigst du am Montag ins Training ein? Wie würdest du deinen Fitness-Zustand beschreiben und was bedeutet das in Hinblick auf das ÖFB-Team?

Janko: Am Montag geht es mit der Mannschaft los. Ab Freitag bin ich individuell mit dem Fitnesscoach am Arbeiten, weil ich im Hinterkopf ein bisschen das Nationalteam habe. Sollte ich einberufen werden, möchte ich in einem körperlich guten Zustand erscheinen. Anders wie beim letzten Lehrgang, da war ich ein wenig gehandicapt. Ich kann nur mein bestes Spiel abliefern, wenn ich körperlich in einem guten Zustand bin. Damit steht und fällt meine Leistung. Deswegen will ich alles dafür geben. Ob ich einberufen werde oder nicht muss der Trainer entscheiden. Ich kann nur betonen, dass mir keine Strapazen, keine Reise der Welt zu weit ist, um für mein Heimatland zu spielen.

LAOLA1: Siehst du die Entfernung, den abweichenden Spielplan in Australien als Hindernis oder sogar als mögliches Ende deiner Nationalteam-Karriere?

Janko: An meiner Bereitschaft wird es nicht scheitern, aber ich kann mich nicht in den Kopf des Trainers reinversetzen. Ich habe Teamchef Marcel Koller in die Entscheidung miteinbezogen, habe mit ihm ein langes Gespräch gehabt und ihn gefragt, ob meine Entscheidung bedeuten würde, dass sich meine Nationalteam-Karriere dadurch beendet. Er hat das ganz klar verneint. Insofern war es in den Gesprächen mit Sydney dann auch ein Hauptgrund, dass sie mich ziehen lassen, da der Kalender hier anders ist und sie keine Verpflichtung haben, Teamspieler für Europa abzustellen. Sie haben das alles bejaht, sie stehen mir nicht im Weg. Der Ball liegt jetzt beim Teamchef.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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