"Ich fühle mich geehrt"

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Dragovic: Geburtstag, Hulk und Transfergeflüster

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Zwei Tore und eine Gelb-Rote Karte.

Aleksandar Dragovic hat am vergangenen Sonntag eindrucksvoll dafür gesorgt, dass von seinem Auftreten in der Schweiz Notiz genommen wird.

Nachdem sein Torjubel nach dem 2:1-Siegtreffer gegen Servette Genf als Provokation aufgefasst wurde, stellte ihn der Schiesrichter vom Platz.

Dass es sich dabei nur um eine persönliche Wette zwischen dem ÖFB-Teamverteidiger und Co-Trainer Markus Hoffmann gehandelt hatte, wurde erst im Nachhinein klargestellt.

Kreuzfeuer statt Lob

Dragovic stand da schon wieder im Kreuzfeuer der Schweizer Medien. Bei all der Sensationsgier gingen die Leistungen des seit Mittwoch 22-Jährigen beinahe unter.

Gemeinsam mit seinen Kollegen kämpft er nicht nur um die Meisterschaft, sondern ist auch noch im Pokal sowie in der Europa League im Rennen.

Vor dem Achtelfinal-Duell mit Zenit St. Petersburg ist es also höchste Zeit, den erfolgreichen Legionär zu Wort kommen zu lassen.

Dragovic spricht im LAOLA1-Interview über seinen "unglücklichen" Ausschluss, die Integrations-Arbeit des FC Basel, Millionen-Stürmer Hulk und seine Zukunft im Sommer.

LAOLA1: Zunächst einmal alles Gute nachträglich zum Geburtstag. Hast Du diesen angesichts des Europacup-Spiels eigentlich feiern können?

Aleksandar Dragovic: Wir sind seit gestern im Hotel. Aber jetzt am Wochenende werde ich vielleicht ein bisschen Zeit haben, weil ich ja gesperrt bin. Das hat sich von dem her gut ergeben, dass ich die Rote Karte gesehen habe.

LAOLA1: Geschickt getimt diese Aktion sozusagen.

Basel hat derzeit durchaus Grund zum Jubeln

LAOLA1: Du hast die gutgemachten Punkte auf die Grasshoppers angesprochen. Blickt man zurück, wart ihr bereits elf Zähler hinter dem Tabellenführer aus Zürich. Der FC Basel ist im Aufwind, oder?

Dragovic: Man kann beinahe behaupten, dass wir ein Déjà-Vu hatten. Wie schon im vorigen Jahr hatten wir einen unglaublich schlechten Saisonstart, haben uns aber aufgerappelt. In dieser Saison war es sicher nicht leicht mit dem Trainerwechsel. Im Winter haben wir wieder drei, vier neue Spieler bekommen und jetzt sind wir wieder da. Dennoch müssen wir jedes Spiel hart kämpfen und nichts auf die leichte Schulter nehmen. Keiner schenkt uns was, aber wir hoffen, dass wir am Ende wieder ganz oben sind.

LAOLA1: Ist eure im Sommer neu zusammengewürfelte Mannschaft mittlerweile also eingespielt?

Dragovic: Wir hatten im Sommer sieben, acht Abgänge, die nicht eins zu eins zu ersetzen sind, wie etwa Shaqiri, Xhaka oder mein Innenverteidiger-Partner Abraham. Viele der Spieler, die neu gekommen sind, waren der englischen oder der deutschen Sprache zu Beginn nicht mächtig. Da war es am Anfang natürlich nicht leicht, sich so zu verstehen. Der eine kommt aus Südkorea, der andere aus Südamerika, wieder ein anderer aus Ägypten. Das sind alles andere Kulturen. Jetzt haben sie sich in der Schweiz, hier in Europa, eingelebt. Der Verein wusste um ihre Fähigkeiten und jetzt kommen sie schön langsam auf ihr Maximum.

LAOLA1: Tut der FC Basel aus deiner eigenen Erfahrung viel für die Integration neuer Spieler?

Dragovic: Ja, auf jeden Fall. Vom Trainerstab begonnen bis zum Präsidium hinauf – ein jeder schaut auf die Spieler. Das ist sehr lobenswert. Es wird sehr viel dafür getan, dass die Mannschaft das erreicht, was von ihr erwartet wird.

LAOLA1: Dein neuer Inennverteidiger-Partner Fabian Schär ist erst 21. Bist du mit 22 jetzt schon zu einem Routinier geworden, an dem sich die neuen Spieler anhalten?

Dragovic: Routinier, ich weiß nicht. Alex Frei und Marco Streller sind sicher noch die Chefs, die die Erfahrung haben. Wir versuchen einfach, uns auf dem Spielfeld gegenseitig zu helfen. Es gibt jetzt keinen, der ein „Oberleader“ ist und alle anderen sind „Sklaven“. Wenn einer einen Fehler macht, bessert der andere den aus – das zeichnet uns aus.

LAOLA1: Wenn man die aktuelle Situation betrachtet: Der FC Basel spielt um die Meisterschaft, steht im Cup im Halbfinale und ist noch in der Europa League vertreten. Das Triple ist noch möglich!

Dragovic: Man muss die Kirche schon im Dorf lassen. Wir sind im Europacup jetzt krasser Außenseiter gegen Zenit, waren auch schon krasser Außenseiter gegen Dnipro Dnipropetrovsk. Alle glauben, weil die aus der Ukraine kommen, sind sie nicht gut. Wenn man sich den Kader dieser Millionentruppe anschaut, waren sie klarer Favorit und wir haben uns durchgesetzt. Jetzt kommt Zenit, wo allein Hulk so viel kostet wie unser ganzer Kader. Wir haben schon viel erreicht und wollen natürlich weiterkommen, aber jetzt über das Triple zu reden, wäre oberflächlich.

LAOLA1: Die Ausgangssituation für den heutigen Abend ist also klar. Ihr versucht, gegen den Favoriten zu überraschen.

Dragovic: Sowieso. Man darf nicht vergessen, wir haben am Sonntag auch noch ein wichtiges Spiel gegen Young Boys, das wir nicht verlieren dürfen. Das ist fast wichtiger, weil wir wieder unbedingt Meister werden wollen, denn das ist das Schönste. Die Taktik ist heute sicher, eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel nächste Woche zu erreichen.

Dragovic: Nein, es war sicher unglücklich. Ich bin der letzte Mensch, der das absichtlich gemacht hätte.

LAOLA1: Im Großen und Ganzen ließe sich der Ausschluss also mit „blöd gelaufen“ zusammenfassen?

Dragovic: Ich habe sicher nichts zu den Fans gezeigt, hatte auch gar keinen Grund dazu. Ich wurde ja nicht ausgepfiffen oder so. Es galt ganz allein dem Co-Trainer. Sicherlich hätte ich das so nicht machen sondern anders regeln können.

LAOLA1: Wie ist es eigentlich zur Wette gekommen. War sie ein Ansporn, da du lange nicht mehr getroffen hast?

Dragovic: Ja, wir haben schon im Sommer gerätselt, dass ich mehr Kopfballtore erzielen müsste. Ich habe gegen Bayern oder Sporting letzte Saison „Matchbälle“ vergeben. Deshalb hat er mir aus Spaß gesagt, dass er einmal um den Platz rennt, sollte ich ein Kopfballtor machen. So hat sich das alles ergeben.

LAOLA1: Durch diesen Trubel geriet dein Doppelpack ja in den Hintergrund.

Dragovic: Die Tore sind mir eigentlich egal. Wichtig ist, dass wir drei Punkte geholt und wieder zwei Punkte auf die Grasshoppers gutgemacht haben.

LAOLA1: Hast du zuvor schon einmal einen Doppelpack geschnürt?

Dragovic: Im Profi-Bereich noch nie. Vielleicht im Nachwuchs einmal. Aber in meiner Profi-Zeit nicht einmal in einem Freundschaftsspiel.

Hulk im Duell mit Liverpools Lucas Leiva

LAOLA1: Wie weit ist es für euch ein Vorteil, dass Zenit erst am Wochenende in die Meisterschaft startet?

Dragovic: Das ist schwierig zu sagen. Sie haben auch genug Freundschaftsspiele und die zwei Partien gegen Liverpool in den Beinen. Ich glaube, es gibt keinen Vorteil für uns – sie werden schon eingespielt sein. Hulk, Witsel, Kerzhakov, oder wie sie alle heißen, haben genug Klasse. Die werden das Fußballspielen während der Winterpause sicher nicht verlernt haben.

LAOLA1: Weil du die bekanntesten Spieler ansprichst, hast du dich speziell etwa auf ein Duell mit Hulk vorbereitet?

Dragovic: Wir konzentrieren uns sicher auf Hulk, aber ein jeder von ihnen hat Klasse und kann ein Spiel entscheiden. Hulk ist sicher der Begehrteste und Gefährlichste. Aber wir müssen ohnehin auf uns schauen, weil wir zu Hause auftreten und das Spiel an uns reißen wollen. So wird unsere heutige Taktik ausgerichtet sein.

LAOLA1: Thema Hulk, Thema Transfer – auch du wirst nahezu jede Woche als mögliche Verstärkung genannt. Dein Abschied im Sommer scheint fix, kann man das sagen?

Dragovic: Das kann man nicht sagen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe bis jetzt schon drei Titel geholt und habe bis Sommer die Chance noch weitere zu holen. Man kann nie wissen, was dann passiert. Sicherlich möchte ich den nächsten Schritt machen und mich weiter entwickeln. Es ist klar, dass ich im Ausland bleiben will, aber es muss passen. Hier spielen wir jedes Jahr international, von dem her muss schon etwas Passendes kommen, dass ich den Verein verlasse.

LAOLA1: Ich zähle einmal ein paar Vereine auf, mit denen du gerüchteweise in Verbindung gebracht wurdest: Valencia, Atletico Madrid, Arsenal, Borussia Dortmund. Könntest du frei wählen…

Dragovic: Ich fühle mich geehrt, wenn mich diese Mannschaften beobachten oder auf ihren Zetteln haben. Das zeigt aber nur, dass meine Leistungen hier in der Schweiz, in der Europa League oder letztes Jahr in der Champions League dementsprechend waren. Ich befasse mich aber mit keinem Verein, sondern schaue nur von Spiel zu Spiel und konzentriere mich auf meine Leistungen.

LAOLA1: Jeder neue Interessent bringt also keine Unruhe hinein, sondern motiviert dich, da es eine Bestätigung deiner Leistungen ist.

Dragovic: Ich versuche einfach, meine Ziele umzusetzen: Jedes Spiel 100 Prozent geben, sodass ich auch im Nationalteam zu Einsätzen komme. Es sind noch drei Monate bis Sommer, da kann noch viel passieren. Ich schaue auf meine Leistungen, der Rest kommt von alleine.

>>> FC Basel vs. Zenit St. Petersburg, heute ab 21 Uhr im LIVE-Center <<<

 

Das Interview führte Christian Eberle

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