"Janko ist ein Fußballer, der ideal zu Porto passt"

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Gesucht und gefunden – mit diesen Worten könnte man die neu gegründete Zweckehe zwischen Marc Janko und dem FC Porto auf den Punkt bringen.

Der bei Twente Enschede nicht mehr vollständig zufriedene ÖFB-Teamkapitän suchte nach einem neuen Aufgabenfeld, einer neuen Herausforderung, einem neuen Land.

Bei Porto schrillten spätestens nach dem aufgestauten 5-Punkte-Rückstand auf Benfica Lissabon die Alarmglocken. Und alles nur, weil im Sommer kein adäquater Ersatz für Torgarant Falcao gefunden werden konnte.

Doch Porto ist mehr als nur ein weiterer Vermerk auf Jankos Visitenkarte. Zumindest, wenn man sich die Philosophie, die Erfolge und die großen Namen aus vergangenen Tagen vor Augen führt.

Janko in Portos System gut aufgehoben

„Ich finde es eine ideale Kombination für beide. Janko ist ein Fußballer, der ganz ideal zu Porto passt“, verrät „Insider“ Hermann Stessl, zwischen 1980 und 1981 Betreuer der „Dragoes“ und Trainerlegende der Wiener Austria , im Gespräch mit LAOLA1.

In der portugiesischen „Hauptstadt des Nordens“ setzt man auf offensives Spiel und Druckaufbau über die Seiten. An vorderster Front ist ein Stürmer ala Janko gefragt.

„Porto spielt mit Stürmern über die Flügel. Sie haben zwei, drei Spieler, die fantastisch den Ball über die Seiten spielen und flanken können“, erläutert der Portugal-Experte, der vier, fünf Mal im Jahr seiner früheren Wahlheimat einen Besuch abstattet und bei so vielen Spielen wie möglich vorbeischaut.

Viel wird davon abhängen, ob der 28-jährige Wiener in die Fußstapfen von Falcao treten kann, der Porto in der vergangenen Saison zum Europa-League- und Meistertitel schoss.

Porto sieht in Janko Falcao-Nachfolger

Vom Spielertyp her sei Janko (hier findest du das Interview) seinem Vorgänger ähnlich, wie Stessl betont: „Falcao, der jetzt bei Atletico Madrid ist, hat ungefähr fünfzig Prozent seiner Tore aus Kopfbällen gemacht. Und Marc ist sicher einer der besten Kopfballspieler in Österreich.“

Dass der einstige Leistungsträger im Angriff weiterzog, ist wenig verwunderlich. Schließlich ist das Konzept der Blau-Weißen darauf zugeschnitten, die Stars von morgen zu formen.

Ein Blick auf die untenstehende Transferübersicht offenbart, warum der FC Porto als „Transfer-Weltmeister“ schlechthin gilt. Ausgerechnet Jose Mourinho legte Anfang der Nuller-Jahre die Basis, mit der spätestens nach dem CL-Gewinn 2004 die Früchte der Arbeit geerntet werden konnten.

Die zweitgrößte Stadt Portugals gilt nicht umsonst als produktiver Dreh- und Angelpunkt des Landes, als Hafenstadt steht das Tor zur großen weiten Welt offen. Aufgrund fehlender Sprachbarrieren ist es kein Zufall, dass viele Spieler aus Südamerika Portugal zur Eingewöhnung in Europa wählen.

Untypische Verpflichtung des „Transfer-Weltmeisters“

Die Liste populärer, gewinnbringender Verkäufe reicht von Deco über Ricardo Carvalho bis hin zu Luis Fabiano, Benni McCarthy, Pepe, Hugo Almeida, Raul Meireles oder Falcao.

Einzig und allein Diego bedeutete ein Verlustgeschäft, als er bei seinem Wechsel zu Werder Bremen für sechs Millionen Euro abgegeben wurde, während der Einkaufspreis sieben Mio. betrug. Stars werden nicht gekauft, sondern über Jahre hinweg geformt.

Die Verpflichtung eines gestandenen Stürmers wie Janko passt so ganz und gar nicht in die Philosophie und stellt laut Stessl auch eine Ausnahme dar. „Das passierte aus der Situation heraus. Porto hat einfach keinen richtigen Ersatz für Falcao gekriegt. Sie sind fünf Punkte hinter Benfica, da muss man was machen.“

Den eingeschlagenen Weg sieht der 71-jährige Grazer keineswegs in Gefahr. „Das machen sie weiter, das läuft nebenbei. Sie haben jetzt schon wieder zwei, drei junge Argentinier und Brasilianer. Die sind jung und noch nicht soweit. Porto braucht eine Zwischenlösung für eineinhalb, zwei Jahre. Und da passt Janko ideal rein.“

Sollte ihn ein Verein aus dem bestehenden Vertrag herauskaufen wollen, muss dieser festgeschriebene 20 Mio. hinblättern. Janko könnte somit seinen Teil dazu beitragen, dass Porto der Titel „Transfer-Weltmeister“ erhalten bleibt. Schließlich gab der Klub „nur“ drei Millionen für den österreichischen Legionär aus.

Perfektes Umfeld, kontinuierliche Arbeit

Unterschrieben hat der Ex-Salzburg-Angreifer bis zum Jahr 2015 und fiebert dem Debüt bei seinem bisher wohl namhaftesten Verein entgegen.

An der portugiesischen Küste trifft er mit Spielern des Kalibers „Weltklasse“ zusammen. Vor allem offensiv hat der 25-fache Meister mit Hulk, Varela und Kleber großes Potenzial. Im Mittelfeld zieht Moutinho die Fäden, zudem kehrte Lucho Gonzalez in der Winterpause zurück.

„Porto ist unbestritten ein europäischer Topverein. Er ist bestens geführt, hat eine Fußball-Akademie und ein Trainingszentrum – sehr vorbildlich und großartig“, schwärmt Stessl von der Infrastruktur. Mit dem „Estadio do Dragao“ wartet zudem ein Schmuckkästchen, das bis zu 52.000 Fans Platz bietet.

Das fußballverrückte Publikum fordert jedoch Erfolge, der Meistertitel gilt Jahr für Jahr als Pflicht. Auf keinen Fall verziehen wird es, wenn die „Drachen“ im Duell mit den Lissaboner Klubs Benfica und Sporting den Kürzeren ziehen. Zu dominant war der Konkurrenzkampf und zu ausgeprägt war die Rivalität zwischen den großen Drei in den vergangenen Jahrzehnten.

„Für Weiterentwicklung eine tolle Adresse“

Janko fühlte sich in Holland wohl, in Portugal wartet auf den Nationalspieler aber ein Upgrade. Alles scheint eine Spur größer zu sein, als es der Stürmer bisher gewohnt war.

„Das ist auf jeden Fall eine ganz andere Adresse. Twente war auch ein super Verein, aber Porto ist Europa-League- und Champions-League-Sieger, ein Verein, der schon alles gewonnen hat“, sieht Stessl für Janko große Zukunfts-Chancen.

„Über Porto haben sich schon wahnsinnig viele Spieler bei den obersten Vereinen etabliert: Bei Barcelona, bei Real oder in Italien. Das ist auch für die Weiterentwicklung eine tolle Adresse.“

„Bemvindo a Porto“! Marc Janko muss nun beweisen, dass er nicht nur mit Toren am Fließband die Nachfolge von Falcao antreten kann, sondern die Tradition und Philosophie der „Dragoes“ verinnerlicht – und so selbst zum „Fabelwesen“ wird.


Alexander Karper

Saison Spieler (u.a.)
2004/05 Ricardo Carvalho, Paulo Ferreira (Chelsea), Deco (Barcelona), Pedro Mendes
(Tottenham), Derlei, Thiago Silva (Dinamo Moskau),Carlos Alberto (Corinthians)
Dmitri Alenichev (Spartak Moskau), Fabiano Rossato (Real Sociedad)
2005/06 Maniche, Costinha, Nuno, Giourkas Seitaridis (Dinamo Moskau),
Luis Fabiano (FC Sevilla), Nuno Valente (Everton)
2006/07 Diego (Bremen), Benni McCarthy (Blackburn)
2007/08 Anderson (Man United), Pepe (Real Madrid),
Ricardo Costa (Wolfsburg), Hugo Almeida (Bremen)
2008/09 Ricardo Quaresma (Inter), Jose Bosingwa (Chelsea), Paulo Assuncao (Atletico),
Helder Postiga (Sporting), Marek Cech (West Bromwich)
2009/10 Lisandro Lopez, Aly Cissokho (Lyon), Lucho Gonzalez (Marseille),
Ibson (Spartak Moskau), Mario Bolatti (Florenz), Paulo Machado (Toulouse),
Joao Paulo (Le Mans)
2010/11 Bruno Alves (Zenit), Raul Meireiles (Liverpool), Nuno Andre Coelho (Sporting),
Ernesto Farias (Cruzeiro)
2011/12 Falcao (Atletico), Ruben Micael (Atletico), Orlando Sa (Fulham)
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