Er verzaubert Frankreich

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Dieser Mann verzaubert Frankreich

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Frankreichs U21-Teamchef Erick Mombaerts muss sich eine Menge unangenehmer Fragen gefallen lassen.

Wie konnte er dieses Talent nur übersehen? Wie konnte er zulassen, dass es sich für Marokko entscheidet? Wie konnte all das nur passieren?

Der 57-Jährige versucht sich zu rechtfertigen. Überzeugend klingen seine Antworten aber nicht. Vielleicht ist er sich ja selbst auch nicht so ganz sicher.

Doch es ist zu spät. Anstatt bei der EURO 2012 im Trikot der „Bleus“ für Furore sorgen zu können, spielt Younes Belhanda für jenes Land, in dem seine Eltern zu Welt kamen, für Marokko.

Brillant dank neuer Rolle

Die Franzosen müssen sich damit begnügen, ihn in der Ligue 1 für Montpellier spielen zu sehen. Dort verzaubert er sie seit Monaten. Eine blitzschnelle Drehung hier, ein Zuckerpass dort. Dazu kommen zwölf Tore und vier Assists in 28 Spielen.

Mehr werden es in dieser Saison wohl nicht mehr, verlor er doch im verrückten Heimspiel gegen Evian (2:2), in dem er seine Mannschaft per Elfmeter mit 1:0 in Führung brachte, in der Nachspielzeit die Beherrschung und wurde mit Rot vom Platz geschickt.

Nichtsdestotrotz steht fest: Neben dem 25-jährigen Stürmer Olivier Giroud (21 Tore, acht Assists) ist der 22-jährige Marokkaner der Star des Spitzenreiters, der die abgelaufene Saison noch als 14. beendete.

Und Trainer Rene Girard lacht sich ins Fäustchen. Der 58-Jährige ließ den Youngster in dieser Saison in einer offensiveren Rolle agieren. Dieser dankte es ihm mit Zauberfußball.

Weil die Mama nicht wollte…

Dass er im Alter von 13 Jahren überhaupt bei Montpellier landete, ist in erster Linie den Sorgen seiner Mutter zu verdanken. Fast alle namhaften Klubs des Landes waren hinter dem Jungen, der damals bei seinem Heimatverein MJC Avignon noch als Verteidiger spielte, her.

Belhanda entschied sich für St. Etienne. Alles war fixiert. Doch zwei Wochen später rief seine Schwester den vermeintlich neuen Klub des Talents an, um doch abzusagen. Die Frau Mama habe sich anders entschieden, wolle ihren Sohn in ihrer Nähe haben.

Auf Arsenals Liste

Also Montpellier. Und dort ist man mächtig stolz auf den gerade einmal 1,74 Meter großen Mann. „Belhanda hat einen Hazard in jedem seiner zwei Beine“, tönt Klub-Eigentümer Louis Nicollin. Er sei besser als der Lille-Star und Javier Pastore und dessen Kollegen.

Das ist zweifellos übertrieben. Fakt ist aber, dass der Mittelfeldspieler auf den Listen einiger namhafter Klubs steht. Etwa auf jener von Arsenal. Und wenn Arsene Wenger sagt, dass er einen Kicker gut kennt und sehr mag, dann ist das durchaus als Adelsschlag zu erachten.

Er bleibt wohl

Doch der Vertrag des Filigrantechnikers läuft noch bis Sommer 2014. Und Nicollin hat bereits angekündigt, diesen finanziell aufzubessern, wenn es mit dem Einzug in die Champions League klappt.

Also wird Mombaerts wohl zumindest noch eine Saison an vielen Wochenenden Belhanda in der Ligue 1 sehen. Und jene, die neben ihm sitzen, werden ihm Fragen stellen. Fragen, die er schon lange nicht mehr hören kann, hören will.


Harald Prantl

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