Evian: Prominenz ohne Scheich

Aufmacherbild
 

Ligue-1-Aufsteiger Evian TG im Portrait

Aufmacherbild
 

Vor Beginn der Saison 2011/12 wurde ausführlicher als sonst über die Ligue 1 berichtet.

Das lag vor allem an Paris Saint-Germain. Die Hauptstädter wollen wieder eine internationale Größe werden, investierten zig Scheich-Millionen und stemmten mit Javier Pastore den teuersten europäischen Transfer des Sommers.

Bei all dem Trubel um PSG ging der Aufstieg des FC Evian Thonon Gaillard unter, dabei handelt es sich um einen außergewöhnlichen Verein.

Kometenhafter Aufstieg

Der Klub aus dem Département Haute-Savoie wurde 2003 nach einer Fusion des FC Gaillard mit dem FC Ville-la-Grande unter dem Namen Croix-de-Savoie gegründet.

Ein weiterer Zusammenschluss und zwei weitere Namensänderungen folgten. Den heutigen Namen trägt der Klub seit Juli 2009.

Lange Zeit dümpelte er in der vierten Liga herum, doch in den vergangenen vier Jahren legte Evian einen kometenhaften Aufstieg hin und kickt nun in der fußballerischen Beletage der "Grande Nation".

Schlüsselfigur Franck Riboud

Eine Schlüsselfigur der Klubgeschichte ist sicherlich Franck Riboud. Der Danone-Chef und mittlerweile Ehrenpräsident pumpt Geld in die Kassen der Ostfranzosen.

An den Etat von PSG kommt Evian trotz Danone bei weitem nicht heran, das Budget ist für Ligue-1-Verhältnisse sehr gering.

Dafür wird viel in die Nachwuchsförderung gesteckt. Ein längerfristiges Projekt eben. Aufgrund der Parallelen in der Vereinshistorie genießt Evian in Deutschland den Spitznamen "Das Hoffenheim Frankreichs".

Zidane macht mit

In den medialen Fokus geriet der Klub mit den markanten rosa Dressen Ende 2008. Die Ex-Profis Zinédine Zidane, den eine Freundschaft mit Riboud verbindet, Alain Boghossian und Bixente Lizarazu stiegen als Anteilseigner ein.

Letzterer verlor durch den Aufstieg eine Wette: Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger zweifelte daran, dass der Dorfklub jemals den Aufstieg in die Ligue 1 schaffen würde und "durfte" deswegen nackt durch einen Hotel-Flur rennen.

Stadion-Probleme

Trotz der großen Namen im Hintergrund hat Evian ein Problem: Das Mini-Stadion in Gaillard reichte nicht einmal für die Anforderungen der dritten Liga. Eine erstligataugliche Arena soll erst 2014 fertig werden.

Deswegen wollte der Klub seine Heimspiele vorübergehend im nahegelegenen Genf austragen, doch dieses Vorhaben scheiterte an einem Veto der UEFA. Als provisorische Heimstätte fungiert Annecy. Distanz zu Evian: Fast 90 Kilomter.

Ziel: Klassenerhalt

Das Ziel am Genfer See lautet, wie für einen Aufsteiger üblich, Klassenerhalt.

Nachwuchsarbeit wird wie schon erwähnt groß geschrieben, aber um in der höchsten Liga bestehen zu können, wurde im Sommer gezielt nachgerüstet.

So wurde etwa Cédric Mongongu aus Monaco oder Routinier Jérome Leroy aus Rennes geholt. Jonathan Mensah (Udinese) absolvierte für Ghana vier WM-Spiele. Fans der deutschen Bundesliga ist sicherlich auch der Ex-Kölner Fabrice Ehret ein Begriff.

Der größte Coup gelang wohl mit der Verpflichtung des ehemaligen französischen Nationalspielers Sidney Govou. Bisher erwies sich der von Panathinaikos gekommene Flügelstürmer als nicht allzu große Verstärkung (Kein Torschuss, kein Assist in den ersten vier Spielen).

Solider Saisonstart

Am letzten Transfertag stieß noch ein weiterer Kracher zum Team von Trainer Bernard Casoni: Christian Poulsen soll dem Mittelfeld mehr Stabilität verleihen.

"Das Projekt gefiel mir, das Gespräch mit Pascal (Dupraz, Anm.: Präsident), ebenfalls. Die Gegend hier ist toll. Meine Frau begleitet mich hierher. Der Komfort meiner Familie ist mir sehr wichtig. Ich freue mich", so der Däne.

Nach den ersten vier Spieltagen stehen fünf Punkte zu Buche. Das ist weder gut, noch schlecht. Wenn es in der Tonart weitergeht, ist der Klassenerhalt auf jeden Fall keine Utopie.

 

Máté Esterházy

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen