"Sie wollen mit mir Geld machen"

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"Die Krise ist extrem zu spüren"

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Robert Gucher ist zurück in Italien.

Mit der bestandenen Matura im Gepäck hat der 21-Jährige im Sommer seine Zelte wieder in der Region Lazio aufgeschlagen.

Frosinone Calcio, mittlerweile Drittligist, ist der neue, alte Arbeitgeber des Mittelfeldspielers.

Bei den „Canarini“ will sich der Steirer für höhere Aufgaben empfehlen. „Mir wurde auch klipp und klar gesagt, dass sie mit mir Geld machen wollen“, erzählt er im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Wie geht es dir nach deiner Rückkehr?

Robert Gucher: Gut! Ich habe mich super eingelebt. Das Umfeld kenne ich ja sowieso schon.

LAOLA1: Wie ist es zu deiner Rückkehr gekommen?

Gucher: Ich war im Frühjahr einmal wegen einer Untersuchung meines Meniskus hier in Frosinone. Da hat mich der Klub-Präsident gesehen und mir schon gesagt, dass er mich in der neuen Saison unbedingt zurückhaben will. Er hat mich im Sommer vom Genoa CFC, der 50 Prozent der Transferrechte an mir besessen hat, zurückgekauft. Ich habe mich dann für eine Rückkehr entschieden. Auch, weil ich hier noch ein Jahr unter Vertrag stehe. Nach ein, zwei Wochen Vorbereitung wurde mir gleich ein neuer Dreijahres-Vertrag vorgelegt, den ich unterschrieben habe.

LAOLA1: Das ist ein großer Vertrauensbeweis.

Gucher: Genau! Im Vergleich zu meiner ersten Zeit hier hat sich viel verändert. Abgesehen vom Präsidenten sind praktisch alle Personalien ausgetauscht worden. Es hat mich also eigentlich nur der Präsident gekannt. Schon zum Start des Trainingslagers hat er mir seine Ideen mitgeteilt. Dann musste nur noch der Direktor überzeugt werden. Der war aber zwei Wochen lang bei jedem Training und von mir begeistert. Dann ging alles sehr schnell.

Gucher wechselte 2008 erstmals nach Frosinone

LAOLA1: Wie ist es so mit einem Ex-Kollegen als Trainer?

Gucher: Er war schon als Spieler eine Persönlichkeit, die versucht hat, uns Jungen zu helfen. Er war immer hilfsbereit und hat auf dem Feld teilweise schon wie ein Trainer agiert. Wir alle haben zu ihm aufgesehen. Jetzt ist es nicht anders. Abseits des Feldes haben wir alle ein Du-Verhältnis zu ihm, auf dem Platz ist er der „Mister“. Was uns zu Gute kommt, ist, dass er noch den Kopf eines Fußballers hat. Er versteht uns Spieler und die Situationen, in denen wir sind.

LAOLA1: Was ist das Saisonziel? Wollt ihr unbedingt aufsteigen?

Gucher: Natürlich träumen der Verein und die ganze Stadt davon, wieder in die Serie B zurückzukehren. Vorrangig will man aber auf junge Spieler setzen. Als Philosophie wurde ausgegeben: "Von Spiel zu Spiel schauen."

LAOLA1: Das ist ja derzeit überhaupt ein Trend, dass in Italien vermehrt auf junge Spieler gesetzt wird. Wie erlebst du diesen Wandel?

Gucher: Die Krise ist in Italien extrem zu spüren. Viele Vereine können sich die Spieler einfach nicht mehr leisten. Auch bei uns gab es bei 90 Prozent Gehaltskürzungen. Die Klubs sind einfach dazu gezwungen, auf junge Spieler zu setzen. Als Beispiele kann ich Milans Stephan El Shaarawy und Pescara-Goalie Mattia Perin, mit denen ich im Genoa-Nachwuchs gespielt habe, nennen. Die Vereine setzen auf junge Nachwuchs-Teamspieler, um sie dann teuer weiterzuverkaufen. Jeder ist dazu gezwungen. Ich sehe das positiv. Man muss sich nur ansehen, wie viele Junge ins A-Nationalteam einberufen werden. Was in Italien noch dazu kommt: Die Top-Klubs verfolgen auch noch die fünfte Liga genau, um Talente zu finden. Das ist auch eines meiner Ziele. Ich will meine Spiele in der dritten Liga machen, Aufmerksamkeit erregen und wieder nach oben kommen.

LAOLA1: Was hat sich, abgesehen von den handelnden Personen, seit deiner ersten Zeit bei Frosinone verändert?

Gucher: Der Klub ist ja vor zwei Jahren in die dritte Liga abgestiegen. Natürlich ist das etwas anderes als die Serie B. Aber die ersten viereinhalb Ligen in Italien sind Profi-Ligen. Die dritte Liga wird auch im Fernsehen übertragen. Es hat sich also nicht viel verändert. Der Kader ist eigentlich mit einer Serie-B-Mannschaft zu vergleichen. Sehr viele Spieler von damals sind noch hier. Dazu sind einige Junge aufgerückt. Dass nicht mehr Spieler verpflichtet wurden, liegt auch an den wirtschaftlichen Problemen. Aber das ist ja derzeit in ganz Italien so, dass vermehrt auf die Jugend gesetzt wird. Der Verein ist auch daran interessiert, mich wieder zu verkaufen. Mir wurde klipp und klar gesagt, dass sie mit mir Geld machen wollen.

LAOLA1: Du bist neben dem Brasilianer Rogerinho einer von nur zwei Legionären im Kader.

Gucher: So ist es. Es wird eben sehr viel auf Junge gesetzt. Viele im Kader sind aus der Primavera gekommen, die die Meisterschaft gewonnen hat. Dort war auch Roberto Stellone, der mittlerweile uns Profis trainiert, der Coach.

LAOLA1: Du bist mit deinen 21 Jahren doch schon zwei, drei Jahre älter als diese Spieler. Wo bist du in der Hierarchie angesiedelt?

Gucher: Es gibt sieben, acht gestandene Spieler, die jahrelang Serie A und Serie B gespielt haben. Ich werde sicher nicht mehr als unerfahrener Spieler gesehen. Mit meinen 21 Jahren habe ich schon einiges erlebt und auch meine Spiele im Profi-Bereich gemacht. Bei mir muss man sicher keine Angst mehr haben, mich einzusetzen. Was noch dazu kommt, ist, dass ich vor drei Jahren noch mit dem Trainer zusammengespielt habe. Wir kommen sehr gut miteinander aus.

LAOLA1: Was auch auffällig ist: Seit Italien bei der EURO 2012 sehr attraktiven Fußball gespielt hat, wird auch in der Meisterschaft mehr Wert auf die Offensive gelegt.

Gucher: Stimmt, das hat sich komplett geändert. Natürlich ist es von Trainer zu Trainer verschieden. Aber auch wir spielen 4-3-3, spielen daheim und auswärts Pressing, stehen immer hoch. Es geht immer mehr in die Richtung, dass die Defensive nicht mehr das Wichtigste ist. Auch in den Spielen gegen andere Mannschaften merkt man extrem, dass alle viel höher stehen und viel mehr Tore fallen. Die Spiele werden interessanter. Sehr wenige Trainer setzen noch auf defensive Spielweise.

LAOLA1: Angesichts der sinkenden Zuseherzahlen ist es sicher nicht von Nachteil, wenn die Spiele attraktiver werden.

Gucher: Meiner Meinung nach ist das Problem vielmehr die „Tessera del Tifoso“ (Anm.: Fan-Ausweis, um an Auswärtskarten zu kommen). Viele Ultras sind daran einfach nicht interessiert. Bei fast allen Spielen fehlen deshalb die Auswärtsfans. Aber natürlich liegt es auch daran, dass die Spiele teilweise uninteressant waren. Man muss sich nur die Roma ansehen. Da ist Zdenek Zeman als Trainer zurückgekommen, hat nicht großartig eingekauft, setzt aber auf totale Offensive und die Euphorie ist riesig. Da war das Stadio Olimpico gegen Catania ausverkauft!

LAOLA1: Weil du die Ultra-Szene angesprochen hast. Wie sehr ist diese in Frosinone ausgeprägt?

Gucher: Die Fan-Kultur in Frosinone ist sehr angesehen. Von der Fankurve her sind wir sicher vorne dabei. Alle Neuzugänge, die kommen, erwähnen als Erstes die Fans. Wobei die Euphorie nach fünf Jahren Serie B eine Liga darunter natürlich nicht so groß ist. Man merkt schon, dass weniger Fans kommen. Aber wenn es gut läuft, kommen sie alle wieder zurück. Als wir damals in der Serie B Tabellenführer waren, hatten wir jedes Mal 10.000 bis 15.000 Leute im Stadion. Unser Ziel muss es jetzt sein, sie wieder zu begeistern.


Das Gespräch führte Harald Prantl

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