Vom Suspendierten zur heißen Transfer-Aktie

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„Primavera“ ist das italienische Wort für Frühling.

Passend dazu erlebt in Italiens gleichnamiger Nachwuchs-Spielklasse Lukas Spendlhofer derzeit sozusagen seinen zweiten Frühling.

Der ÖFB-Export stand bei seinem Verein Inter Mailand monatelang auf dem Abstellgleis, bekommt nun aber wieder die Gelegenheit, sein Können im Meisterschaftsbetrieb zu zeigen und sich so ins Rampenlicht zu spielen.

Katerstimmung nach Meisterfeier

Im Sommer 2012 hatte sich der U21-Teamspieler mit den „kleinen Nerazzurri“ noch zum Meister gekürt, mitten im wohlverdienten Urlaub war es mit der Feierlaune aber schnell vorbei.

„Ich hatte noch ein Jahr Vertrag, darum haben sie mich angerufen und gesagt, ich soll mit meinem Manager und meinen Eltern kommen“, erinnert sich Spendlhofer im Gespräch mit LAOLA1.

Ergebnis der Vertragsverhandlungen, die sich über einen ganzen Tag zogen: Keines! „Wir konnten uns letzten Endes nicht einigen. Die Perspektive ist wichtig. Mir wurde im Sommer ein Spieler vorgezogen, der hinter mir nur Ersatz war. Da habe ich mir gedacht, sie setzen vielleicht doch nicht so auf mich.“

Spendlhofer ist in der U21-Auswahl im Abwehrzentrum gesetzt

Mit einem Bein in Braunschweig

In Mailand ohne Perspektive, mit einem nur noch ein halbes Jahr gültigen Kontrakt, schien ein Abschied naheliegend. Trotz zahlreicher Möglichkeiten erfolgte allerdings kein Transfer im Winter.

„Es stand im Raum, mich auslzueihen, was ich aber nicht wollte, weil mich die zweite Liga in Italien nicht so anspricht“, erläutert der 19-Jährige, warum Option eins nicht zur Debatte stand.

Option zwei, dem Wechsel in ein anderes Land, kam Spendlhofer indes näher. Im Dezember trainierte er bei Eintracht Braunschweig auf Probe. Auch wenn Trainer Torsten Lieberknecht körperliche Defizite („Aufgrund der fehlenden Spielpraxis sicherlich legitim“) attestierte, hinterließ der Abwehr-Recke mit spielerischen Qualitäten einen guten Eindruck.

„So hätte alles gepasst, mir hat es sehr gut gefallen“, zeigt sich der Kurzzeit-Testpilot von den Bedingungen in Niedersachsen begeistert. „Es ist aber nie ganz konkret geworden. Inter hätte mich zu diesem Zeitpunkt auch nicht ziehen lassen.“

„Jetzt bin ich frei“

Ein Wechsel im Winter hat sich also zerschlagen – im Sommer sind die Karten aber aufgrund des auslaufenden Vertrages völlig neu gemischt. „Jetzt bin ich frei, da werden wir dann eben schauen, was sich ergibt.“

Die bislang von Inter geforderte Ablöse fällt weg und die mangelnde Spielpraxis ist aufgrund des „Erbarmens“ seitens des Vereins auch kein Thema mehr.

Dass Braunschweig weiterhin eine Pole-Position inne hat, verneint der Nachwuchs-Internationale zwar, dennoch verliert er die Ereignisse beim deutschen Aufstiegskandidaten nicht aus den Augen.

„Wenn man beim Probetraining war, kennt man die Mannschaft ein bisschen. Natürlich verfolgt man dann auch die Spiele, schaut sich diese bei Möglichkeit an, auch um das Spielsystem kennenzulernen.“

Professionelles Deutschland

Im Allgemeinen scheint abseits von Braunschweig der deutsche Fußball auf den Wahl-Italiener generell eine besondere Anziehungskraft auszuüben: „Deutschland ist immer ein Thema. Das ist eine Top-Liga, die sich sehr gut entwickelt.“

Was dieses Nein für Folgen nach sich zog, musste der Youngster nach Beendigung des Urlaubs wenig später feststellen: „Plötzlich hat es geheißen, ich werde dieses Jahr nicht mehr spielen. Das habe ich hinnehmen müssen, war aber am Anfang natürlich sehr bitter.“

Verständnis für Suspendierung

„Ich habe mir gedacht, das wird nur am Anfang so sein“, äußert der kopfballstarke Innenverteidiger ursprüngliche Nonchalance. Doch Trainer Daniele Bernazzani verzichtete ganze 19 Spieltage lang auf die Dienste des Österreichers.

Erst Anfang März fand die Suspendierung ein Ende. „Im Frühjahr war ein wenig der Wurm drinnen, die ersten Spiele wurden nicht gewonnen. Da hat der Trainer wohl etwas nachgehakt“, vermutet Spendlhofer im 50-jährigen Übungsleiter den Helfer gegen das „fußballerische Embargo“.

„Mit dem Trainer bin ich immer gut verblieben und habe stets Kontakt zu ihm gehabt. Für ihn bin ich unumstritten in der Mannschaft und habe auch sofort meinen Platz in der Mannschaft wieder bekommen“, sind die Schuldigen daher eher im Inter-Vorstand zu finden.

Doch selbst dafür zeigt der Jung-Legionär, der nun wieder Teil der Stammelf Bernazzanis ist, Verständnis: „Es war einfach die Vertragssituation. Der Verein wollte vielleicht ein wenig Druck machen. Das verstehe ich von Vereinsseite auch, da mache ich dem ihnen keinen Vorwurf. Ich als Sportdirektor würde das nicht anders machen.“

„Man muss natürlich realistisch einschätzen – die zweite Liga wäre zu Beginn logischer“, macht sich Spendlhofer keine falschen Hoffnungen, stellt aber eines nach zweieinhalb Jahren klar: „Das ganze Rundherum ist in Deutschland viel professioneller. Serie A und Bundesliga sind für mich gleichauf, die zweite Bundesliga sehe ich aber professioneller und über der Serie B.“

Der Gang nach Deutschland also beschlossene Sache? Mitnichten. Der Verbleib bei Inter ist „immer noch Thema. Da wird es sicher noch Gespräche geben“, und selbst die Rückkehr nach Österreich scheint für den Defensiv-Spezialisten nicht abwegig, wenngleich das Leben im Ausland aktuell „einfach gefällt“.

Ausgeschlossen wird vom eingefleischten „Nerazzurro“ eigentlich nur ein Verein:

„Ich würde nie zum AC Milan gehen.“

Christian Eberle

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