Es ist nicht alles Gold, was glänzt

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Wien – Juve hat ein neues Stadion, ist Tabellenführer und steht finanziell besser da als viele Liga-Konkurrenten.

Oberflächlich betrachtet scheint die Welt in Turin völlig in Ordnung zu sein.

Doch bei einem genauen Blick wird klar, dass bei der „Alten Dame“ zwar vieles gut läuft, aber längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

Neues Stadion bringt Euphorie …

Klar ist: Das neue „Juventus Stadium“ hat einiges an Euphorie beim italienischen Rekordmeister zurückgebracht.  Während der Dauerkartenverkauf in der Serie A im Schnitt um 20,4 Prozent schrumpfte, konnte Juve seinen um 125 Prozent steigern.

Die deutlich bessere Sicht, eine passende Größe (das überdimensionierte Delle Alpi konnte noch bis zu 69.000 Zuschauer fassen, die neue Arena  41.000) und die Tatsache, dass es sich um ein reines Fußballstadion handelt, tragen zu einer deutlich verbesserten Stimmung vor Ort bei.

Außerdem ist die neue Spielstätte der „Bianconeri“ das erste und einzige Stadion Italiens, das sich komplett in Klubbesitz befindet. Das wiederum bedeutet, dass die Zuschauereinnahmen zur Gänze an den Verein gehen.

… und ersten Ärger

Aber kaum mehr als einen Monat nach der Eröffnung des 105 Millionen Euro teuren Stadions gibt es bereits Ärger.

Die Turiner Staatsanwaltschaft leitete gegen drei Ingenieure Ermittlungen ein, weil die Arena einsturzgefährdet sein soll.  Die Klub-Bosse zeigten sich davon bislang wenig beeindruckt und sind von der Sicherheit des Stadions überzeugt. Das Spiel der achten Runde gegen Genua am Samstag (20:45 Uhr) soll aber wie geplant stattfinden.

Abhängigkeit von Pirlo

Gegen die Ligurer wird die Truppe von Antonio Conte wohl einen vollen Erfolg brauchen, um die Tabellenführung zu verteidigen.

Mit zwölf Punkten aus den ersten sechs Spielen (drei Siege, drei Remis) verlief der Saisonstart im Piemont zwar durchaus zufriedenstellend, aber bis auf Milan war unter den Gegnern bisher nicht unbedingt das „who is who“ der Serie A vertreten.

Auswärts tat man sich bisher gegen die sogenannten Kleinen schwer. Das Rezept gegen Juve scheint einfach zu sein: Wenn Andrea Pirlo, der sich bisher als wahrer Goldgriff erwiesen hat, aus dem Spiel genommen wird, sind die „Bianconeri“ im Aufbau um eine Klasse schwächer.

Rush Hour im Angriff

Außerdem ist der Kader unausbalanciert. Im Sturm herrscht ein regelrechtes Überangebot. Theoretisch streiten sich Mirko Vucinic, Alessandro Matri, Alessandro Del Piero, Fabio Quagliarella, Luca Toni, Vincenzo Iaquinta und Amauri um einen bis zwei Plätze. Je nachdem, ob Conte 4-1-4-1 oder 4-4-2 (4-2-4) spielen lässt.

Praktisch gesehen ist Amauri suspendiert, Iaquinta fiel lange verletzt aus und Toni wurde kaum berücksichtigt. Stattlich entlohnt werden alle drei trotzdem.

In der Abwehr, genauer gesagt in der Innenverteidigung, ist die Personaldecke hingegen dünn. Mit Leonardo Bonucci, Andrea Barzagli, Giorgio Chiellini und Youngster Freddy Sörensen stehen vier zentrale Abwehrleute zur Verfügung. Die beiden Letztgenannten kommen außerdem vermehrt auf den Außenpositionen zum Einsatz.

Potential vorhanden

Dann wäre auch noch die „Causa Del Piero“. Es ist nicht verwunderlich, dass ein bald 37-Jähriger den Klub am Saisonende verlässt, aber die Art der Ankündigung, Präsident Andrea Agnelli vermeldete den Abschied im Rahmen einer Aktionärsversammlung, wirkte irgendwie unpassend.

Problemchen hin, Problemchen her: Die aktuelle Tabellenführung darf durchaus gewürdigt werden. Diese wurde erreicht, obwohl die Mannschaft im Sommer ziemlich umgekrempelt wurde, Trainerwechsel inklusive.

Wer weiß, wozu dieses Juve-Team fähig sein wird, wenn es so richtig eingespielt ist. In Turin wartet man schon sehnsüchtigst auf die Rückkehr in die Champions League sowie nationale und internationale Titel. Wenn es mal wieder so weit sein sollte, steht hoffentlich auch das Stadion noch.


Máté Esterházy

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