Die Witzfigur

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Kennst du den schon?

Warum ist Fernando Torres ein guter Tennisspieler? Weil er nie das Netz trifft!

In England kursieren Dutzende Witze dieser Art.

Innerhalb eines Jahres ist der Spanier von einem der besten Stürmer der Welt zur größten Lachnummer der Premier League verkommen.

Das 58-Millionen-Euro-Rätsel

In Liverpool gefeiert und vergöttert, in London gescheitert und verdammt. Seit seinem Wechsel zu Chelsea klebt dem 27-Jährigen das Pech am Schussstiefel.

Die anhaltende Krise des Welt- und Europameisters ist ein Rätsel. Ein 58 Millionen Euro schweres Rätsel.

Wenn der Kult-Status nicht genügt

An der Anfield Road war der Iberer fast so beliebt wie die Beatles und Bier. 65 Mal traf er in 102 Ligaspielen für die „Reds“. Lediglich Thierry Henry hatte in der Premier-League-Geschichte eine bessere Quote aufzuweisen. Kein Trikot verkaufte sich öfter, als jenes mit der Nummer 9.

Doch Torres genügte der Kult-Status nicht. Er wollte Titel, nicht nur auf Nationalteam-Ebene. Und mit Liverpool befürchtete er, würde er solche nicht gewinnen.

Also heuerte er bei den „Blues“ an. Irgendwie auch notgedrungen. „Manchester United kam aus Respekt für die Liverpool-Fans nicht in Frage, zu Real Madrid konnte ich nicht gehen, Barcelona wollte mich nicht. Da blieb Chelsea übrig“, erklärte er einmal.

Diverse Gründe

Doch der Wechsel, der im Jänner 2011 am letzten Tag des Transferfensters über die Bühne ging, sollte sich als Riesenmissverständnis herausstellen. Er kam an der Themse nie richtig an.

Das mag mehrere Gründe gehabt haben. Zum einen körperliche. Vor der WM 2010 hatte sich „El Nino“ zwei Meniskus-Operationen unterzogen, spielte das Turnier in Südafrika unter großen Schmerzen. Die Knieprobleme hielten an.

Zum anderen passte Torres nicht so recht ins Chelsea-System. Sein Nebenmann Didier Drogba war in seiner Spielweise einfach zu ähnlich. Zudem wurde immer wieder gemunkelt, dass der Ivorer regelmäßig den besser postierten Spanier ignorieren, stattdessen selbst den Abschluss suchen würde.

Mit Fortdauer der Torflaute spielte auch die Psyche des Goalgetters a.D. eine Rolle. „Ich war besorgt. Es gab Momente, da verlor ich das Selbstvertrauen. Ich fühlte mich nicht wohl, und es ging mir nicht gut“, gestand er einmal.

Häme der eigenen Fans

Der englische Boulevard verfasste zynische Meldungen, wenn seine Team-Kollegen davon berichteten, dass er im Training getroffen hatte.

Am 23. April 2011 war es dann soweit: Der Neuzugang erzielte gegen West Ham sein erstes Tor im Chelsea-Trikot. Doch die Häme blieb. „Ich war dabei, als Torres getroffen hat“, war auf Shirts der „Blues“-Anhänger zu lesen.

Tatsächlich war es kein Befreiungsschlag. Die Krise hielt an. Und das tut sie bis heute. Drei Liga-Tore hat der 91-fache Internationale bisher für seinen Arbeitgeber erzielt. Das ergibt einen Treffer pro 630 Einsatzminuten. Oder auch 19,3 Millionen Euro pro Premier-League-Tor.

Platz im EM-Kader wackelt

Es hat ganz den Anschein, als ob der Madrilene seinen Zenit überschritten hätte. Angesichts seiner nicht einmal 28 Jahre fast unvorstellbar.

Und nun wackelt auch sein Platz im spanischen EM-Kader. Für das Testspiel gegen Venezuela, am Mittwoch, wurde er nicht in die „Seleccion“ einberufen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren.

„Wenn sich seine Situation beim FC Chelsea nicht verbessert, wird es hart für ihn“, ließ Teamchef Vicente del Bosque hinsichtlich eines Kaderplatzes für die EURO 2012 ausrichten.

Die Witzfigur

Nach dem Schienbeinbruch von David Villa zittert Spanien um seinen zweiten Top-Stürmer.

Und die Engländer? Die reißen weiterhin munter ihre Witze, genießen es förmlich, den einstigen Liverpool-Held scheitern zu sehen.

„Hast du Torres‘ neuen Torjubel schon gesehen? Nein, niemand hat das!“


Harald Prantl

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