Defensiv-Genie Morgan Schneiderlin im Portrait

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Das tapfere Schneiderlein tötet zwei Riesen durch einen listigen Streich. Dank seiner Bauernschläue wird der Märchenheld zum König gekrönt.

Morgan Schneiderlin tötet zwar keine Riesen, beeindruckt aber auch mit seiner Cleverness. In der Premier League fängt der Southampton-Mittelfeldspieler durchschnittlich die meisten Pässe (3,9) pro Spiel ab.

Der 23-jährige Franzose ist einer dieser unbesungenen Helden des Fußballs. Er imponiert nicht durch spektakuläre Dribblings oder gefühlvolle Pässe, sondern durch starkes Zweikampfverhalten und abgeklärten Spielaufbau.

Veränderte Essgewohnheiten wirken Wunder

Bei den „Saints“ verpasste der technisch beschlagene Sechser in dieser Saison nur 212 Minuten. Ein echter Duracell-Hase sozusagen.

Dabei hatte der Junge aus dem Elsass anfangs enorme Schwierigkeiten mit dem englischen Tempo-Fußball, sogar in der dritten Spielklasse: „Als ich in der Football League One spielte, konnte ich kein Spiel beenden, ohne mich bereits in der 60. Minute müde zu fühlen.“

Ein Problem, das er ganz simpel löste: „Ich stellte meine Essgewohnheiten um. Als 18-Jähriger dachte ich, ich könnte Pizza und andere Fast-Food-Ware bedenkenlos konsumieren. Jetzt esse ich nur mehr gesundes, französisches Essen.“

Einer der fleißigsten Tackler Englands

Durchmarsch aus der dritten Liga

Auch sportlich lief es zunächst überhaupt nicht nach Wunsch. In seiner ersten Saison stieg Southampton in die dritte Liga ab. Auch weil dem Klub aufgrund finanzieller Probleme zehn Punkte abgezogen wurden.

Nachdem sich das Team in der Football League One konsolidierte, marschierten die „Saints“ ab 2011 direkt in die Premier League durch. Schneiderlin konnte sich in dieser Zeit zum kompletten Sechser entwickeln.

Glänzte er früher vor allem durch Ballgewinne, so tritt er mittlerweile auch immer mehr als Spielmacher aus der Tiefe in Erscheinung. Auf diese Weise führte der Franzose seine Mannschaft trotz zwischenzeitlicher Probleme zum Klassenerhalt.

Arsenal ruft - Schneiderlin hört nicht hin

Natürlich sind aufgrund der Leistungen Schneiderlins auch andere Vereine auf ihn aufmerksam geworden. Arsene Wenger soll die Karriere seines Landsmannes schon seit längerem mit Argusaugen verfolgen. Ein 11,9-Millionen-Euro-Angebot steht laut „Sun“ im Raum.

Den 23-Jährigen interessieren diese Spekulationen jedoch überhaupt nicht: „Ich bin nicht sehr glücklich damit, dass die Leute über mich und meine Spiele reden. Es macht keinen Sinn, eine gute Saison zu spielen und das Jahr danach zu verschwinden.“

Er bleibt auf dem Boden, der tapfere Schneiderlin. Ganz im Stile eines Märchenhelden.


Jakob Faber

Begeistert vom englischen Fußball

Die Entscheidung, einmal nach England wechseln zu wollen, traf Schneiderlin bereits 2006. Im Rahmen eines U18-Länderspiels trat Frankreich gegen England im nordenglischen Hartlepool an.

„Es waren so viele Menschen im Stadion und obwohl uns bewusst war, dass das lokale Team nur in der dritten oder vierten Liga spielte, sah der Rasen aus wie ein Billard-Tisch. Es war unglaublich. Das ist England – in Frankreich würdest du in den unteren Klassen nicht so einen Rasen sehen. Die Menschen lieben den Fußball hier“, erzählt er begeistert.

Zwei Jahre später wurde der Traum des jüngsten Spielers, der jemals bei Racing Straßburg einen Profivertrag erhielt, wahr. Um 1,5 Millionen Euro wechselte er zu Southampton. Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse kämpfte der Elsässer zunächst mit Problemen im Alltag. Der tapfere Schneiderlin hielt aber durch:

„Als ich zum ersten Mal hierher kam, hatte ich keine Ahnung von irgendetwas. Also versuchte ich mir den englischen Lifestyle anzueignen. Ich schaute englisches Fernsehen und hörte englische Musik. Auf diese Weise versuchte ich die Sprache so schnell wie möglich zu lernen.“

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