Der "Mais-König" und die Wassermelonen

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Mit 46 Jahren Abstand kann man behaupten: Es war nur eine Frage von Stunden, ob Darko Milanic überhaupt als Trainer von Leeds United in Frage kommen würde.

Hätte der Slowene im Dezember 1967 das Licht der Welt einen Tag früher erblickt, wäre er für Massimo Cellino nie und nimmer in Frage gekommen.

Die böse 17

Paddy Kenny hat es erlebt. Der Tormann hat am 17. Mai Geburtstag. Grund genug für den italienischen Eigentümer des Championship-Klubs, um den Keeper so rasch wie möglich auf die Transferliste zu setzen.

Was hierzulande die 13, ist in Italien die 17 – eine Unglückszahl. Und Cellino ist in dieser Hinsicht irrsinnig abergläubisch. Als er noch in seiner Heimat Klub-Boss von Cagliari Calcio war, wurde die Rückennummer 17 nicht vergeben. Im aktuellen Leeds-Kader ist das nicht anders.

Der Aberglaube des 58-Jährigen machte auch vor Sitzplatz-Nummerierungen nicht halt. Auf Sardinien wurde der 17. Platz jeder Sitzreihe mit der Nummer 16b ausgestattet.

Das böse Violett

Was unter den Zahlen die 17, ist auf der Farbpalette Lila bzw. Violett. Nicht wenige Italiener – jene aus Florenz freilich nicht – glauben, dass diese Farbe Pech bringt. Cellino ist einer von ihnen. Jenes Hotel, in dem die Leeds-Spieler früher regelmäßig logierten, ist in violett gehalten und wurde von Cellino prompt zur Tabu-Zone erklärt.

Dass die Engländer gut über den italienischen Geschäftsmann recherchiert haben, beweist der Umstand, dass die Eintrittskarten für den East Stand an der Elland Road ab dem Zeitpunkt kurz vor seiner Übernahme in einer anderen Farbe als dem bisherigen Violett ausgegeben wurden.

Bisweilen nimmt Cellinos Aberglaube bizarre Formen an. Als Cagliari einmal an einem 17. spielen musste, forderte er die Fans auf, in violetter Bekleidung zu erscheinen, weil sich die beiden negativen Kräfte aufheben würden.

Der „Mais-König“ von Sardinien

Während sich die in den vergangenen Jahren überaus leidgeprüften Leeds-Fans an Sperenzchen dieser Art noch gewöhnen müssen, haben sie diese in Cagliari in letzter Zeit nur noch mit einem müden Lächeln quittiert.

Das hat mehrere Gründe. Einerseits sind die Tifosi an exzentrische Vereins-Präsidenten gewöhnt – da werden seriöse anmutende Geschäftsleute, die in den Calcio einsteigen, mitunter eher kritisch beäugt. Andererseits ist die Familie Cellino auf Sardinien nicht gerade unbeliebt.

Cellino ist gerne auch mal als Rocker unterwegs

In Leeds klappte es schließlich, allerdings auch nicht auf Anhieb. Zweieinhalb Monate dauerte es, ehe Cellino Ende März 2014 den nordenglischen Klub sein eigen nennen konnte. Dazwischen lagen unzählige Spekulationen, zähe Verhandlungen und ein Veto der „Football League“.

Der Italiener hatte den „Fit and Proper Person’s Test“ nicht bestanden. Drei Gefängnis-Aufenthalte (Betrug, falsche Zeugenaussage, Betrug) machten die Engländer dann doch ein wenig stutzig. Zumal Cellino erst 2013 hinter Gittern gesessen hatte.

Die Stadion-Farce von Cagliari

Der Grund dafür war die unsägliche Farce rund um das Stadion in Cagliari. Cellino lieferte sich mit Cagliaris Bürgermeister Massimo Zedda das, was er selbst einmal als „Kampf der Titanen“ beschrieb.

Die unrühmlichen Höhepunkte: Eine monatelange „Übersiedlung“ der Mannschaft ans andere Ende Italiens, um die „Heimspiele“ in Triest auszutragen. Eine von Cellino ausgesprochene öffentliche Einladung der Fans, einem Spiel gegen die Roma im Stadion beizuwohnen, obwohl dieses wegen Sicherheitsbedenken unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen hätte werden sollen – und die anschließende Absage. Und eben die Inhaftierung Cellinos im Februar 2013.

Mittlerweile plagt sich der „Mais-König“ – zumindest im sportlichen Bereich – nicht mehr mit den italienischen Behörden herum. Cagliari wurde an das italienische Chemie-Unternehmen Fluorsid Group veräußert.

Ziel: 2016 in der Premier League

Das neue Ziel des Exzentrikers ist es, Leeds United in die höchste Spielklasse zu führen. „Wenn wir es 2015/16 nicht in die Premier League schaffen, bin ich gescheitert“, sagt der Klub-Boss.

Massimos Vater Ercole Cellino ist ein Selfmade-Millionär der im Laufe der Jahre praktisch aus dem Nichts ein Agrikultur-Imperium, das heute in aller Herren Länder bestens vernetzt ist, aufbaute. Tausende Arbeitsplätze auf Sardinien sind vom Erfolg der Unternehmens-Gruppe abhängig.

Massimo, den sie in Italien den „Mais-König“ nennen, hat nach seinem Studium und einem fünfjährigen Aufenthalt in Australien gemeinsam mit seinen Geschwistern die Unternehmens-Führung übernommen.

Ein Trainer, noch ein Trainer, noch ein Trainer,…

1992 folgte der Einstieg ins Fußball-Geschäft. Wenig überraschend war es der Klub aus seiner Heimatstadt Cagliari, dem der Kettenraucher, der sich in seiner Band „Maurillos“ gerne als Gitarrist versucht, unter die Arme griff.

Während der 22 Jahre, die Cellino bei den „Rossoblu“ das Zepter schwang, spielte der Klub die meiste Zeit in der Serie A. Und wurde von allerlei Trainern betreut. Insgesamt wechselte der 58-Jährige in den etwas mehr als zwei Jahrzehnten 36 Mal den Trainer aus.

„Während meiner Zeit bei Cagliari habe ich die Leute nie gefragt, was zu tun ist. Mir sagt niemand, was zu tun ist“, sagt Cellino. Unmittelbar nach seiner Leeds-Übernahme erklärt er in der „Yorkshire Post“, welche Rolle er in einem von ihm geführten Klub übernehme: „Ich wurde als Manager aufgezogen, nicht als irgendein Scheiß-Präsident, der sich eine Krawatte umbindet, ein bisschen Roastbeef isst und dann nach Hause geht.“

Kurzum, Cellino mischt sich gerne in sportliche Angelegenheiten ein. In Italien nicht ungewöhnlich, in England, wo der Trainer unter dem Titel Manager firmiert, schon eher problematisch. Milanic ist also eher die Rolle des Übungsleiters zugedacht.

Anlaufschwierigkeiten auf der Insel

Doch England war eben seit einigen Jahren der große Traum des Italieners, der seit 2005 in Miami lebt und dort eine Nachwuchs-Akademie namens „Miami Strike Force“ betreibt. 2010 war er in Verhandlungen bezüglich einer Übernahme von West Ham United schon sehr weit, hatte dann aber doch das Nachsehen. Auch bei Crystal Palace und den Queens Park Rangers hat er es schon erfolglos versucht.

Nun liegt es an Milanic, den Ansprüchen seines Präsidenten gerecht zu werden. Sollte das dem Slowenen nicht gelingen, wird Cellino keine Hemmungen haben, ihn prompt wieder vor die Tür zu setzen.

Bizarre Milanic-Präsentation

Zumal der Italiener schon bei der Präsentation seines neuen Trainers nicht so ganz sicher zu sein schien. Als Cellino am Dienstag-Abend unmittelbar nach der Bestätigung des Zweijahres-Vertrags für den ehemaligen-Sturm-Trainers bei „Sky Sports“ über seinen neuen Coach sprach, waren einige „interessante“ Aussagen dabei.

„Ich weiß nicht, warum ich mich für ihn entschieden habe. Trainer sind wie Wassermelonen. Du findest die Wahrheit über sie erst heraus, wenn du sie öffnest. Seine besonderen Qualitäten? Er sieht gut aus“, so der Leeds-Boss.

Weiters: „Er spricht nicht viel und ist sehr pragmatisch. Ich mag ihn. Er ist ein sehr cooler Typ.“

Harald Prantl

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