Hoheneder: "Das war schon richtig geil"

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"Ich habe keine Ahnung, wann ich heimgekommen bin, aber es war noch nicht hell."

Für frühen Montagnachmittag klingt Niklas Hoheneder im Gespräch mit LAOLA1 eigentlich schon wieder recht ausgeschlafen. Grundsätzlich keine Überraschung, nach diesem Sonntag allerdings doch.

Schließlich wurde jenes große Ziel erreicht, auf das die gesamte vergangene Saison hingearbeitet wurde: Aufstieg mit RB Leipzig in die 3. Liga!

Krimi bis zum Schluss

Aber das war ein hartes Stück Arbeit: Denn die Sportfreunde Lotte gaben sich im Relegations-Rückspiel nicht so einfach geschlagen.

Im Hinspiel hatten die Sachsen vor fast 31.000 Zuschauern 2:0 gewonnen, im Rückspiel in Westfalen lagen die Gäste bis kurz vor Schluss 0:1 zurück.

Und mit der letzten Aktion sorgte Lotte noch für das 2:0 und damit für die Verlängerung.

"Sch..., habe ich mir gedacht. Danach war ich einfach nur sauer", beschreibt Hoheneder den bitteren Moment, der auch für ein versteinertes Gesicht bei RBL-Sportdirektor Ralf Rangnick sorgte.

Angst um erneutes Scheitern

Ab diesem Zeitpunkt wackelte einmal mehr der Aufstieg ins Profigeschäft. Es war dies der dritte Versuch, die vierte Liga zu verlassen. Einige Leipzig-Kicker waren alle drei Male dabei.

"Natürlich denkt man daran, was wäre, wenn es wieder nicht klappt. Man sagt sich: Nach dieser Saison kann es das jetzt nicht sein. Die Spieler, die jedes Mal dabei waren, hätten sicherlich einen Knacks erlitten, wenn wir es nicht geschafft hätten", dachte Hoheneder ungern an diese Minuten zurück.

Doch merkte der Innenverteidiger wie auch sein Trainer Alexander Zorniger und die Teamkollegen, dass Lotte nicht mehr konnte.

"Sie waren fast stehend k.o."

"Wir haben gesehen, dass sie keine Luft mehr hatten, fast stehend k.o. waren. Und wir wollten das einfach unbedingt schaffen", skizziert der ÖFB-Legionär die Verlängerung, die sich nach dem Schock noch so positiv entwickelte.

Nach einem tollen Solo von Matthias Morys köpfte ausgerechnet Lotte-Kapitän Tobias Willers ins eigene Tor (95.).

Danach kamen die Hausherren nicht mehr zurück, im Gegenteil: Stefan Kutschke, der nach Wolfsburg wechselt, erzielte per Elfer noch den Ausgleich.

Zorniger: "Wir sind nicht herzlos"

So blieb Leipzig in allen Spielen in dieser Saison - Testpartien inklusive - nach Schlusspfiff ohne Niederlage.

Trainer Zorniger wies in der Folge auf den Teamgeist (Hoheneder: "Wir haben einen unbedingten Siegeswillen") hin und auch auf die Kritik, RB Leipzig habe kein Herz.

"Wir sind Spieler, wir sind Menschen und wir sind nicht herzlos. Fans, die etwa die eigenen Spieler attackieren oder gegnerische Fans, sind das."

Der 45-Jährige, der in seiner ersten Saison das große Ziel erreichte, zeigte im TV-Interview in der Stunde des Erfolges auch Größe und hatte Mitleid für die Sportfreunde Lotte.

Dahingehend kritisierte er die Einführung der Relegation, um den Aufstieg in die dritte Liga. "Wer dafür gestimmt hat, ist maßlos charakterlos."

Rangnick umarmte alle

Für Rangnick war die Saison ohne Niederlage jedenfalls "ein Ausrufezeichen" und tat dem Sportchef nach der titelosen Salzburger Saison auch sichtlich gut.

Der 54-Jährige umarmte alle Spieler und Betreuer nach der nervenaufreibenden Partie. "Er hat mir zu einer großartigen Saison gratuliert", verrät Hoheneder dessen Worte an seine Person.

Danach war die Feier angerichtet. Erst in der Kabine, dann ging es im Party-Zug nach Hause. Mit dem Großteil der 3.000 mitgereisten Fans samt VIPs wurde fünf Stunden gesungen, getanzt und auch getrunken - schließlich gab es Freibier.

Erst Party-Zug, dann Mallorca

"Auch die Fans waren wirklich erleichtert. Wir sind dann am Bahnhof von weiteren Anhängern empfangen worden, konnten uns nur dank Security den Weg zum Ausgang bahnen. Das war schon richtig geil", erinnert sich der 26-Jährige.

Danach ging es in die Disco. Aber das war erst Tag eins der Feier.

"Am Dienstag fliegt die ganze Mannschaft für drei Tage nach Mallorca. Wir hatten das schon im Visier, wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte."

Vorfreude auf 3. Liga

Stammspieler Hoheneder freut sich aber nicht nur auf die Ballermann-Party sondern auch schon auf die nächste Saison: "Da liegen uns die Gegner sicher mehr als in der 4. Liga, wo sie teilweise ekelhaft gespielt haben - nur hinten reingestellt und gewartet. Auch auf die Stadien freue ich mich."

Auf seinen Ex-Klub Karlsruhe trifft er dabei nicht, der stieg auf, aber etwa auf Chemnitz, Unterhaching oder Hansa Rostock. Doch das ist vorerst noch weit entfernt.

Denn nun gilt es erst auf Mallorca die Sau rauszulassen. Da wird man dieser Tage auch auf die Spieler des ÖFB-Cup-Sensations-Siegers Pasching treffen, die wie schon 2012 auf die Party-Insel geflogen sind.

2013 hat die Red-Bull-Familie am Ende also doch noch ganz schön viel zu feiern.



Bernhard Kastler

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