Post-WM-Saison - Zeit für eine weitere Überraschung?

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Deutschland ist Weltmeister und die ganze Nation freut sich. Nicht nur über den größtmöglichen Erfolg im Fußball, sondern auch auf eine spannende Saison.

Während die letzten beiden Spielzeiten der Bundesliga gänzlich ohne Titelkampf über die Bühne gingen, dürfen sich die Fans für 2014/15 Hoffnungen machen, dass die Dominanz der Bayern deutlich weniger ausgeprägt sein könnte – ja vielleicht gebrochen werden kann.

Und das ausgerechnet wegen der Weltmeisterschaft.

Wiederholt sich die Geschichte?

Wer bei den Bayern spielt, ist im Regelfall auch Nationalspieler seines Landes. Darauf ist der Klub stolz, das ist auch der eigene Anspruch. Mit sich bringt das aber auch, dass die Spieler des Rekordmeisters kollektiv von der Zusatzbelastung eines Turniers, insbesondere einer Weltmeisterschaft auf einem anderen Kontinent, betroffen sind.

Bei einem Blick in die Historie zeigt sich, dass der FCB in der Saison nach einer WM oft seine Probleme hat.

In 55 Prozent aller Spielzeiten nach WM-Turnieren verschlechterte sich die Platzierung des Rekordmeister im Vergleich zur Vorsaison.

Nimmt man die sechs Post-WM-Saisonen seit 1990, dem letzten Turnier, in dem sich Deutschland zum Weltmeister küren konnte, so fuhr der FCB in diesen nur zwei Meisterschaften ein. Die Erfolgsquote nach Weltmeisterschaften liegt also bei 33 Prozent.

Zuletzt Überraschungen nach WM-Turnieren

Hingegen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Schale in einer Saison ohne vorangegangene WM nach München geht, in diesem Zeitraum bei 56 Prozent.

Nach den Weltmeisterschaften 2006 und 2010, in denen Deutschland jeweils Dritter wurde, reichte es für die Bayern nicht einmal für Platz zwei - die Ränge vier und drei stehen zu Buche. 2007 ging der Titel überraschend an den VfB Stuttgart, 2011 nahm Dortmunds Siegeszug mit zwei Meisterschaften in Folge ihren Anfang.

Nach einem deutschen WM-Titel gab es überhaupt noch keinen Bundesliga-Titel der Münchner. Vor der WM 1974 setzte sich der FCB noch drei Mal in Folge durch, nach dem WM-Triumph übernahm Gladbach die Vormachtstellung und auch Köln und der HSV schlugen zu, während die Bayern fünf Jahre lang weder Meister noch Vize wurden.

Dem WM-Titel von Italien 1990 folgte eine weitere Durststrecke der Bayern. Dem 1. FC Kaiserslautern gelang 1991 eine Sensation, als man sich zum Meister kürte - in der Saison davor landete man nur auf dem zwölften Rang. In den Folgejahren wanderte die Schale nach Stuttgart und Bremen.

"Wenn, dann in dieser Saison"

2014/15 könnte also wieder eine Überraschung parat halten, zumindest Ivica Olic scheint sich mit dem VfL Wolfburg etwas auszurechnen. "Wenn man Bayern erfolgreich attackieren kann, dann in der anstehenden Saison", meint der Ex-Bayer.

Mit einem enorm breiten Kader auf qualitativ hohem Niveau hat der Rekordmeister in den letzten Jahren aber vorgesorgt. "Es wird immer schwerer, Überraschungscoups zu landen. Das hat sich gewandelt", attestiert daher etwa Armin Veh, der den Münchnern 2007 als VfB-Trainer ein Schnippchen schlagen konnte.

Die verletzungsbedingten Ausfälle in der bayrischen Mittelfeldzentrale könnten der Konkurrenz allerdings in der Anfangsphase der Saison in die Karten spielen. Vieles wird davon abhängen, wie schnell die Münchner Maschinerie ihren Rhythmus findet und ins Laufen kommt.

Satte Stars?

Hinzu kommt, dass die deutschen Bayern-Stars mit dem Triple vor zwei Jahren, unzähligen Rekorden und der Weltmeisterschaft nun wirklich alles gewonnen haben, was es zu gewinnen gibt. Es wäre nachvollziehbar, würde beim ein oder anderen die Spannung, nach Jahren der akribischen Arbeit hin zum absoluten Optimum, nicht mehr Woche für Woche zu einhundert Prozent abrufbar sein.

Gegen diese Gefahr sprechen allerdings die Motivationskünste von Pep Guardiola. Der Katalane schaffte es immerhin, den FC Barcelona 2011 zur Titelverteidigung in der Meisterschaft und dem zweiten Erfolg in der Champions League innerhalb von drei Jahren zu führen. Und das, nachdem der Großteil seiner Truppe mit Spanien die Weltmeisterschaft gewonnen hatte.

 

Christoph Kristandl

Saison Meister Bayern
2010/11 Borussia Dortmund 3.
2006/07 VfB Stuttgart 4.
2002/03 FC Bayern 1.
1998/99 FC Bayern 1.
1994/95 Borussia Dortmund 6.
1990/91
  1. FC Kaiserslautern
2.
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