Im Keller wird es immer dunkler

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Für Dortmund wird es im Tabellenkeller immer dunkler

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Fassungslosigkeit machte sich breit.

80.677 Zuschauer fühlten sich wie im falschen Film.

Zwar nicht zum ersten Mal in dieser Saison, jedoch waren die verstrichenen 90 Minuten eine Offenbarung – im negativen Sinne.

Das 0:1 gegen Augsburg öffnete nämlich auch dem letzten Optimisten die Augen, dass der Abstiegskampf nicht nur eine Dortmunder Momentaufnahme darstellt.

Fragende Blicke, Ungläubigkeit, Fan-Frust

Der beste Beweis nach Schlusspfiff: Fragende Blicke, Ungläubigkeit, die sich schlussendlich doch in einen Fan-Aufstand inklusive Pfeifkonzert verwandelten.

Kapitän Mats Hummels und Roman Weidenfeller stellten sich dem wütenden Heimpublikum, Trainer Jürgen Klopp und die Teamkollegen verschwanden nicht sofort in den Katakomben des Signal-Iduna-Parks, sondern ließen die Reaktionen auf sich wirken.

"Das Ergebnis tut weh. Aber wir müssen nicht so tun, als hätten wir damit nichts zu tun. Wir machen aus großen Möglichkeiten nichts. Deswegen gibt es heute Abend wenig Positives zu berichten“, geht die Situation auch dem sonst so redefreudigen Chefbetreuer nahe.

Ratlosigkeit macht sich breit. Der Glaube an eine Trendwende nimmt immer mehr ab, zu katastrophal war der Auftritt gegen den Sensations-Vierten.

„Wir kämpfen, aber wir kämpfen falsch“

Keine spielerische Linie, keine Ideen, lustlose, verängstigte, kampf- und hilflos erscheinende Protagonisten in Schwarz-Gelb.

„Wir kämpfen, aber wir kämpfen falsch. Die Ergebnisse wiederholen sich somit“, gehen auch Klopp mittlerweile die Begründungen für den tiefen Fall aus.

Die elfte Saisonniederlage war gleichzeitig die 500. in der Bundesliga-Geschichte der Westfalen. Der letzte Tabellenplatz wurde damit weiter einzementiert, der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt mittlerweile zwei Punkte.

Kein Wunder, dass nach dem Schlusspfiff alle Dämme brachen und auch die Dortmunder Fan-Schar nach Wochen des Zusammenhalts, der Unterstützung und Durchhalteparolen erstmals so richtig die Fassung verlor.

„Die Leute sind sehr enttäuscht, sehr sauer. Der eine oder andere hat Angst um die Zukunft des Vereins, das ist völlig nachvollziehbar“, kann Klopp den Supportern gar keinen Vorwurf machen.

Abstiegskampf zehrt am Nervenkostüm

Wieder musste man einem Rückstand nachlaufen, wieder einmal agierte die Defensivabteilung beim Gegentreffer von Raul Bobadilla (50.) vogelwild. Für Klopp hätte dieser in der Entstehung gleich fünf- oder sechsmal abgewendet werden können.

"Wir laufen die ganze Saison nur Rückständen hinterher, das ist das, was uns fehlt: in Führung gehen, mal ein Spiel in Ruhe aufbauen“, sehnt sich Hummels nach Erfolgserlebnissen.

Selbst nach dem Ausschluss von Christoph Janker (64.) mit einem Mann mehr konnte man nicht zulegen, erarbeitete sich bis auf jene von Ciro Immobile kaum ernstzunehmende Chancen.

Schon der kleinste Schritt in die richtige Richtung wäre wichtig für das Nervenkostüm. Doch die Mannschaft präsentiert sich derzeit unbestritten in der Form eines Absteigers – so weit gehen die Experten mittlerweile.

Auch Klopp ist nicht mehr unkündbar

Verbal gibt der Champions-League-Achtelfinalist noch nicht klein bei und klammert sich an den letzten Strohhalm.

Wie allerdings der große Umschwung gelingen soll, weiß in der aktuellen Situation keiner so genau. Selbst Klopp wachsen immer mehr graue Haare, dem 47-Jährigen ist die Drucksituation anzusehen. Die Souveränität des erfolgsverwöhnten Star-Trainers schwindet immer mehr.

„Heute Abend kann man uns alles vorwerfen, aber wir werden nicht aufgeben. Dass die Nerven in so einer Situation eine Rolle spielen, steht völlig außer Frage. Das müssen wir in den Griff kriegen. Wir müssen den Jungs den Glauben zurückgeben. Daran arbeiten wir schon die ganze Zeit, scheinbar noch nicht genug - aber es geht weiter.“

Stellt sich die die Frage, wie lange die BVB-Verantwortlichen noch zuschauen können, ohne eine Personalentscheidung zu treffen. Medien spekulieren bereits mit einer Deadline Ende Februar nach dem Revierderby gegen Schalke, bis dahin soll eine klare Tendenz im Abstiegskampf erkennbar sein, sonst trennen sich die Wege.

Sandhausen, Bochum oder Heidenheim?

Der Weg ist zwar noch lange, ob er gemeinsam bestritten wird, ist allerdings nicht mehr ganz so sicher, wie noch vor einigen Monaten. Die Spieler konzentrieren sich hingegen auf das Wesentliche.

„Uns erwarten jetzt 15 Spiele purer Kampf, alles Spielerische ist dann Bonus. Wir wissen, dass sich jetzt alles zu 98 Prozent über Kampf definiert. In die letzten zwei Prozent müssen wir noch ein bisschen Lockerheit reinbekommen, sodass wir vor dem Tor die richtigen Entscheidungen treffen“, stellt Hummels klar.

Freiburg, Mainz, Stuttgart, Schalke – so der weitere Februar-Fahrplan der Dortmunder, in zwei Spielen davon geht es gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf.

Zeit aus BVB-Sicht, dass der Albtraum ein Ende nimmt. Ansonsten sind Duelle mit Sandhausen, Bochum oder Heidenheim in der kommenden Saison bei weitem nicht mehr illusorisch.


Alexander Karper

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